Grunewald, Wilmersdorf
Hospiz Paul Gerhardt Diakonie

Lebensqualität bis zuletzt

Lebensqualität bis zuletzt
Es mangelt an Auffangstationen für totkranke Menschen - manche verweilen keine zwei Wochen unter klinischer Aufsicht und sind dann wieder auf sich selbst gestellt.
Grunewald - Neben dem Martin-Luther-Krankenhaus eröffnete am 13. September ein Hospiz der Paul Gerhardt Diakonie. Neben ambulanter und stationärer Versorgung durch Pflegekräfte helfen hier auch Ehrenamtliche den Schwerstkranken. Die evangelische Trägerschaft hat sich dabei ihre Eigenständigkeit bewahrt und das Hospiz-Projekt aus eigenen Mitteln und Spenden realisiert.

In der Grunewalder Auguste-Viktoria-Straße 10 findet man seit Mitte September das Hospiz der Paul Gerhadt Diakonie. Die neue Einrichtung leistet zumindest einen kleinen Beitrag gegen die notorische Unterversorgung Pflegebedürftiger in der Hauptstadt.

Hier aufgefangen werden Menschen mit einer Lebenserwartung von weniger als einem Jahr, denen es unmöglich ist, in ihrem Zuhause zu bleiben. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann erkennt die Wichtigkeit des ambulaten Hospizdienstes und der Schwerstkrankenpflege an. Er dankt „der Paul Gerhardt Diakonie dafür, dass sie sich dieser Aufgabe annimmt und nicht nur in Wilmerdorf ein Hospiz errichtet hat, sondern parallel auch einen ambulanten Hospizdienst mit ehrenamtlichen Hospizbegleitern aufbaut.“ Die Versorgung von schwerstkranken Menschen und ihren Angehörigen ist Naumann zufolge „eine immer wichtiger werdende gesellschaftliche Aufgabe“.

Finanzierung konfessioneller Trägerschaften

Auch Kirchenkritiker können aufatmen: Nicht nur die Pflege-, auch die Finanzierungskosten des neuen Hospizes werden von der Evangelischen Kirche getragen. Das ist nicht ganz selbstverständlich. Wer aufmerksam die Finanzierungsstrategien konfessioneller Krankenhäuser und Kindergärten studiert, kommt häufig auf ein allzu weltliches Ergebnis: In den allermeisten Fällen finanziert nicht der liebe Gott den wohltätigen Dienst, sondern der Staat – zu 100 Prozent. Zunächst ändert das nichts an der für die Gesellschaft unerlässlichen Arbeit des Personals. Dass die Lorbeeren, die Verfügungsgewalt und das Hausrecht diametral zu 100 Prozent in den Händen der Kirche liegen, ist aber ein Kritikpunkt, der nicht unter den Tisch fallen darf.

Dagegen das Hospiz-Projekt der Paul Gerhardt Diakonie: „Die Bau- und Einrichtungskosten sowie später 10 Prozent der laufenden Kosten müssen aus Eigenmitteln der Paul Gerhardt Diakonie getragen werden.“ Dass die Pflegestelle in der Auguste-Viktoria-Straße und damit direkt beim Martin-Luther-Krankenhaus sitzt, heißt also nicht, dass es dem gleichen Finanzierungsmodell untersteht.

Die restlichen 90 Prozent zur Finanzierung der individuellen Pflege erfolgt klassisch durch die Krankenkasse oder – bei Menschen ohne Versicherung – durch Spenden und Notfallfonds.

Hospiz Paul Gerhadt Diakonie, Auguste-Viktoria-Straße 10, 14193 Berlin