RTL-Show "Ich bin ein Star – holt mich hier raus“

Wie ich den Dschungel beinahe lieben lernte

Wie ich den Dschungel beinahe lieben lernte
Wer ist der oder die Schönste im Dschungelcamp? V.l.: Aurelio Savina, Angelina Heger, Tanja Tischewitsch, Benjamin Boyce, Jörn Schlönvoigt, Maren Gilzer, Rebecca Siemoneit-Barum, Patricia Blanco und Walter Freiwald
Es gibt tatsächlich noch Menschen, die die gemeinhin als "Dschungelcamp" bezeichnete RTL-Erfolgsshow "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" bisher nicht länger als fünf Minuten verfolgt haben. Unser Redakteur Nikolaus Triantafillou gehörte dazu - bis zur aktuellen Staffel. Seine Eindrücke als Dschungel-Laie, mit einem besonderen Auge auf die Berliner Kandidaten, schildert er hier.

In den sozialen Medien kommt die laufende Staffel von „Ich bin ein Star“ (kurz: Ibes) nicht besonders gut weg. Die Kandidatinnen und Kandidaten werden als vorwiegend langweilig wahrgenommen und spannende ‚gruppendynamische Prozesse‘ – also Streit oder Flirts – halten sich nach Meinung der Experten in engen Grenzen.

Ich kann da nicht mitreden, denn ich habe den Vergleich nicht. Ich bin beinahe ein Dschungel-Frischling, habe die bisherigen Staffeln allenfalls mal fünf Minuten am Stück verfolgt. Doch vielleicht fällt so der unvoreingenommene Blick auf die Ausgabe vom Januar 2015 leichter. Denn jetzt bin ich dabei und weiß Bescheid, was elf Prominente – aus welcher Kategorie auch immer – im australischen Urwald treiben.

Ein respektabler Schauspieler sprach vor Kurzem anerkennend über die theatralischen Qualitäten von „Ibes“, über die Rollenverteilung, die wie auf einer Bühne funktioniert. Ein Teil der Fernsehzuschauer verfolgt die Show ohnehin auf einer Meta-Ebene, macht sich Gedanken über die Inszenierung der Teilnehmer, die von diesen selbst oder von RTL ausgeht. Es gibt kaum eine andere Unterhaltungssendung mit einem höheren Anteil an selbst berufenen Medienkritikern unter dem Publikum. Wir von den Medien sind da keine Ausnahme.

Die Berliner Bewohner und ihre Rollen

Die Rollenverteilung funktioniert gerade bei den vier eigentlich in Berlin wohnhaften Kandidaten ganz gut: GZSZ-Darsteller und Sänger Jörn Schlönvoigt aus Köpenick hat immer gute Laune, ist Everybody’s Darling, dabei aber fast zu brav. Angelina Heger, bekannt aus einer anderen RTL-Show, wurde sicherlich wegen ihres im Playboy bewiesenen Sex-Appeals gecastet, hat sich aber im Dschungel zuletzt zum Haupt-Problemfall mit Heimweh entwickelt. Ex-Glücksrad-Fee Maren Gilzer eignet sich schon aufgrund des Alters zur Camp-Mutti, entwickelt aber auch eine immer deutlichere Aversion gegen Enfant Terrible Walter Freiwald. Nur Casting-Experte Rolf Scheider muss noch etwas an seinem Profil feilen: Er schwankt momentan zwischen verständnisvollem Zuhörer und Tratschtante. Wobei das eine das andere ja auch in der Realität nicht ausschließt.

Kommen wir zurück zur Diskussion um Kandidatenauswahl und Langeweile. Dass im Dschungel selten wirklich spannende Persönlichkeiten dabei sind, ist nichts Neues. Da genügte schon bisher ein Blick auf die Teilnehmerlisten; Ausnahmen bestätigten die Regel. RTL legt Wert darauf, dass am Geschehen im Camp nichts inszeniert wird. Auch wenn man natürlich mit Spielen, bei denen die Kandidaten sich etwa selbst in eine Attraktivitätsrangliste einordnen sollen, etwas bei der Gruppendynamik nachhilft. Die Bewohner sind aber letztendlich hauptverantwortlich für die Show – wer sich am Bildschirm in die Beobachterrolle begibt, muss daher auch mal mit Leerlauf rechnen. Die Kommentare der Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich helfen über einiges hinweg – man kann den Sprüchen ihren Unterhaltungswert tatsächlich nicht absprechen.

Dennoch: Für mich als Dschungel-Newbie bleiben zwei Probleme. Der Zynismus von „Ibes“ geht manchmal zu weit. Wenn Walter Freiwald vor laufender Kamera um einen Job bettelt, dann ist das auch ohne hämische Kommentare schon an der Grenze. Auch wenn der Ex-RTL-Moderator sich seiner Funktion durchaus bewusst sein sollte und vieles tut, um im Camp und bei den Zuschauern nicht Schlönvoigts Rolle einzunehmen. In solchen Momenten hinterlässt der Voyeurismus der Sendung einen faden Beigeschmack. Und dann ist da noch das Zeitproblem: Obwohl die Quoten hinter den letzten Staffeln zurückbleiben, hat RTL die Sendelänge am Dienstag erhöht. Das sollte besser ein Einzelfall bleiben, denn jeden Wochentag bis Mitternacht im Dschungel – das muss nun doch nicht sein.

Wie ich den Dschungel beinahe lieben lernte, Bundesallee 23, 10717 Berlin
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