Ideen des Hausprojekts RathausStern

Von Polizei- zur KultWache

Ein zukünftiges Zuhause? Die Alte Polizeiwache im Rathauskiez.
Ein zukünftiges Zuhause? Die Alte Polizeiwache im Rathauskiez.
Rathauskiez - Nachdem die Initiative RathausStern für ihr Kiezcafé einen Geldpreis gewonnen haben, wächst die Hoffnung, dem Immobilienmarkt die alte Polizeiwache in der Rathausstraße 12 entziehen zu können. Die Chancen stehen nicht schlecht, schließlich wurde eine solche sozial verträgliche Alternative zur Gentrifizierung bereits von der "Burge" in Tempelhof gestemmt.

Im Bezirk Lichtenberg bewegt sich was. Das grüne Land hinterm Ostkreuz besticht durch eine gute Innenstadtanbindung, einen alten Stadtkern, viel Auslauf und jede Menge kieziger Geheimtipps. Es ist der Szeneort von morgen mit Immobilien von gestern – und damit ein potentieller Investorenschauplatz. Dass „Investition“ nicht gleichbedeutend mit „Immobilienhai“ ist, zeigt die Initiative RathausStern.

Die ungefähr 30-köpfige Gruppe sammelt Geld auf Basis von Direktkrediten und mithilfe des Miethäuser Syndikats, das sich für sozial verträglichen Wohnungsbau einsetzt, um dem Liegenschaftsfonds ein Gebäude in Lichtenberg abzukaufen. Es handelt sich um die alte Polizeiwache in der Rathausstraße. Die – macht man ein Auge zu – ungefähr sternförmig auf die alte Wache zulaufenden Dotti-, Rathaus- und Rudolf-Reusch-Straße dürften einen Beitrag zu Namensgebung der Initiative geleistet haben. Doch wichtiger als die Straßenformation dürfte das Konzept für RathausStern und seinen Namen gewesen sein. Aus der alten Feuer-, später Polizeiwache wollen sie die „KultWache“ schaffen, einen Gebäudekomplex bestehend aus einem Wohngebäude, einer Kita, einem Café und Werkstätten, um Kunstraum zu schaffen. Ein breites Unterfangen also, mit vielen künstlerischen, wohnlichen und nachhaltigen Zacken.

Ganzheitlich wohnen – sozial verträglich, kostenbegrenzt, ökologisch nachhaltig, künstlerisch wertvoll. Dieser Gedanke durchzieht die Kaufaktion und lässt auf einen gelingenden Ausgang hoffen. Fürsprecher gibt es schließlich. Schon im Juni 2013 hat die Initiative RathausStern die Förderhöchstsumme des Wettbewerbs „Neue Nachbarschaft“ eingestrichen, um ihr Kiezcafé damit aufbauen zu können.Als „stellvertretend und beispielhaft für eine neue Generation von Projektmachern, die in ihrer Stadt Verantwortung übernehmen und anstehenden Gentrifizierungsprozessen produktiv entgegentreten wollen“ ist das Projekt von der Jury gelobt worden.

Mindestens mit den Kita-Bauambitionen schaffen die RathausSterne richtungweisendes im Kiez. Zwar steht auf der Homepage des Liegenschaftsfonds, für den Kauf des Objekts sei „Konzept [erwünscht], das sowohl die Schaffung von preisgünstigem Wohnraum als auch die Errichtung und den Betrieb einer Kita vorsieht“. Aber ob beim Ausschreibungsverfahren tatsächlich die soziale Integrität des Projektes über dem Geld steht, bleibt fraglich, denn diese konzeptionellen Kriterien kommen frühestens in einer zweiten Phase des Verfahrens zum tragen – falls überhaupt.

Zumindest zeigen andere Beispiele in der Stadt die Machbarkeit eines solchen sozialen Hausprojektes. Anfang Oktober schaffte es die Initiative Burge, ihr Traumhaus in der Burgemeisterstraße in Tempelhof aufzukaufen. Damit hat die Immobilie dem spekulativen Immobilienmarkt endgültig Lebewohl gesagt und wird zur Zeit von den zukünftigen Mitbewohnern grundsaniert.

Mehr Infos über die KultWache RathausStern gibt es hier. Und Neuigkeiten über die Burge finden sich hier.

Von Polizei- zur KultWache, Rathausstraße 12, 10367 Berlin

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