Der Tabakatlas verrät

Warum keiner mehr raucht als wir

Warum keiner mehr raucht als wir
Der Tabakatlas nennt keine Grunde. Wir glauben aber, dass der lockere Umgang mit dem Rauchverbot in Clubs und Bars einen erheblichen Teil zum Studienergebnis beiträgt.
Berlin - Im Norden wird mehr gequalmt als im Süden - und Berlin ist Spitzenreiter. Doch laut aktuellem Tabakatlas könnte sich das bald ändern.

Berlin ist nicht nur Bundeshauptstadt, sondern auch die Hochburg der deutschen Raucher. Mehr als jeder dritte Mann (35,1 Prozent) und fast ein Viertel der Frauen kann nicht vom Glimmstängel lassen. Das zeigt der neue Tabakatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums, in dem Daten aus verschiedenen Erhebungen zusammengefasst werden. In ganz Deutschland raucht etwa ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung. Vor allem im Norden wird gern gequalmt. Die geringsten Quoten haben Baden-Württemberg (Männer: 26,9 Prozent) und Bayern (Frauen: 18,3 Prozent). Entsprechend verteilen sich auch die Todesfälle infolge von Tabakkonsum. Fast 23 Prozent aller männlichen Verstorbenen in Berlin und Bremen starben zuletzt aufgrund von Krankheiten, die auf das Rauchen zurückzuführen sind – etwa an Krebs- oder Herz-Kreislauferkrankungen. Bei den Berliner Frauen waren es rund elf Prozent.

Der Anteil der Raucher insgesamt ist indes leicht zurückgegangen. „Es gibt einen langsamen, aber stetigen Trend zum Nichtrauchen“, sagte die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Motler bei der Vorstellung des Tabakatlas am Dienstag in Berlin. Im ersten Tabakatlas 2009 beläuft sich die Raucherquote bei den über 15-Jährigen auf 25,7 Prozent, 2013 waren es noch 24,5 Prozent. Dabei zeichnen sich aber deutliche Unterschiede zwischen erwachsenen und jugendlichen Rauchern ab: gerade die Jungen greifen heute weniger häufig zur Zigarette. Unter den 12- bis 17-Jährigen rauchen demnach zehn Prozent, 2008 lag der Anteil noch bei mehr als 15 Prozent.

E-Zigarette als Einstieg für junge Raucher

Mortler wertete dies als Erfolg der Präventionsangebote sowie der Jugend- und Nichtraucherschutzgesetze. Zugleich mahnte sie, dass E-Zigaretten für die Jüngeren ein „attraktives Einstiegsfenster“ darstellen. Laut Tabakatlas probieren 12- bis 15-Jährige eher E-Zigaretten als Tabakzigaretten. Im kommenden Jahr sollen die Geräte daher auch unter das Jugendschutzgesetz fallen.

Die Autoren des Tabakatlas kritisierten, dass die Maßnahmen zur Einschränkung des Tabakkonsums in Deutschland zu den schwächsten der ganzen EU gehörten. Es könne nicht sein, dass die Industrie nach wie vor Außenwerbung schalten darf – das sei sonst nur noch in Bulgarien möglich. Auch fehlten drastische Tabaksteuererhöhungen. Dies habe etwa in Irland deutliche Wirkung gezeigt. Dort kostet eine Packung Zigaretten etwa 10 Euro, in Deutschland nur etwas mehr als 5 Euro. Eine massive Anhebung der Steuer sieht Mortler indes nicht für die nahe Zukunft – dem stünde der Koalitionsvertrag im Weg. Sie setzt auf ein baldiges Werbeverbot. 


Quelle: Der Tagesspiegel

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