Grüner Ganghofer Kiez

Beete auf Rollen

Beete auf Rollen
Die mobilen Gärten im Ganghofer Kiez haben vielleicht eine Zukunft - wenn nicht ständig die Pflanzen gestohlen werden. Zur Foto-Galerie
Mobile Gärten begrünen diesen Sommer den Kiez Ganghoferstraße. Der Umweltfreund Thomas Herr und die Künstlerin Gabrielle Maingy sammelten Einkaufswagen und bepflanzten diese Ende Juni gemeinsam mit Anwohnern. Inzwischen fehlt eine große Zahl der Kräuter und Blumen - aber das ist für viele der Hobby-Gärtner kein Grund zum Aufgeben.

Wer kennt das nicht? Auf Bürgersteigen und in Hinterhöfen stehen Einkaufswagen des nächstgelegenen Supermarkts, weil jemand keine Lust hatte, die Einkäufe nach Hause zu schleppen oder sich einen Spaß erlaubt hat. Solch verwaiste Transportgefährte können ihren Nutzen haben: Kinder veranstalten damit Rennen, diverse Gegenstände oder Müll können ein Stück leichter mitgenommen werden. Oder man bepflanzt sie.

Im Ganghofer Kiez hatten die Künstlerin Gabrielle Maingy und der Umweltaktivist Thomas Herr die Idee: Sie meldeten am 24. Mai einen Workshop beim Quartiersmanagement (QM) Ganghoferstraße an, sagt Tanja Henrich, eine Mitarbeiterin. Neun Wagen hatten die Initiatoren gesammelt. Dazu brauchten sie Erde, Pflanzen, Holzkisten und diverses Bastelmaterial. Mit der grünen Pracht konnte Thomas Herr selbst aushelfen, erzählt die Quartiersmanagerin. Denn der Naturfreund „ist im Nachbarschaftsgarten Bornsdorfer Straße tätig“, sagt sie.

Rasender Rosmarin

Einige Tage vor den großen Ferien war es dann so weit: Angemeldete Workshop-Teilnehmer und auch einige Passanten kamen zum von der evangelischen Brüdergemeine bereitgestellten Parkplatz, um an zwei Tagen die Wagen mit Flies zu bespannen, Erde einzufüllen und einen Garten mit Dill, Oregano, Margeriten und Rankpflanzen anzulegen, wie es auch die Leute vom Quartiersmanagement taten. Jeder Wagen bekam einen Paten, der sich um die Pflanzen und das individuelle Design kümmert. „Einige haben die Kästen bemalt, andere steckten Windräder in die Erde“, sagt Henrich.

Mobile Gärten

Wichtig sei gewesen, dass die „mobilen Gärten“ wegfahrsicher an Bäumen oder anderen fest verankerten Objekten auf der Straße angeschlossen wurden, meint Henrich. „Denn von den Blumen sind schon kaum noch welche da – und wir haben schon oft nachgepflanzt. Ohne Schloss wären auch die Wagen weg“, erklärt sie. Die Neuköllner scheinen ein pflanzenliebendes Völkchen zu sein, aber eine Patenschaft für eines der „rollenden Beete“ wäre doch ein positiverer Ausdruck dessen, als lange Finger nach dem Dill zu strecken.

Märkte und Ämter sind kein Problem

Zumindest vonseiten der Supermärkte scheint es keine Probleme zu geben: „Unser Hausmeister hat einmal bei einem Markt angerufen, ob sie ihren Wagen zurückhaben wollten. Dort hieß es, man könne die Vehikel zurückbringen, aber zum Abholen kämen sie nicht vorbei“, sagt die seit 2010 im QM tätige Frau. So sei nicht damit zu rechnen, dass ein Lebensmitteldiscounter den Rückbau eines der Beete fordere, sagt sie.

Auch das Ordnungsamt von Neukölln sei sehr kulant, sagt Henrich, „wenn ersichtlich ist, dass das Projekt temporär ist, man es abbauen kann und dass Bürger etwas zur Verbesserung des Kiezes geschaffen haben.“

Mobile Gärten 2.0 im kommenden Frühling?

Die rollenden Beete schmücken nun, leicht ausgedünnt, den Kiez. Es seien jedoch nicht so viele wie geplant, sagt die Frau vom QM. Deshalb sei die überschüssige Erde an andere bedürftige Projekte verteilt worden. Aber Interessierte könnten sich gerne melden. Dann gäbe es die Möglichkeit mit selber mitgebrachter Erde Tipps von den Workshop-Leitern Maingy und Herr zum Aufbau zu bekommen. Oder, fügt sie hinzu, das Projekt ginge im folgenden Frühjahr mit kleinen Verbesserungen in die zweite Runde, wenn sich genügend Hobby-Gärtner fänden.

Wer lieber eine Baumscheibe begrünt, könne sich ebenso beim QM melden. Dort werden dann professionelle Gärtner vermittelt, die den Bürgern zeigen, wie gepflanzt wird, ohne dass das Grünflächenamt den kleinen Garten zerstören muss. „Sie müssen nämlich immer an die Scheiben herankommen können. Einige Menschen bauen die Bäume vollkommen zu. Das müssen die Arbeiter dann wieder abtragen“, erklärt Henrich. Auf der Sonnenallee würde es sehr gut klappen, sagt sie. Besonders bei kleinen Geschäften nahe dem Existenzminimum hätte sie nicht mit solch starkem Interesse gerechnet, war aber positiv überrascht: „Ein Friseur und ein Handyladen haben jetzt begrünte Baumscheiben vor der Tür.“

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