Immobilienpreise an Flughafenstandorten

Tegel wird teurer, Schönefeld billiger

Tegel wird teurer, Schönefeld billiger
Wohnen in der Einflugschneise
Obwohl der Tegeler Flughafen noch nicht geschlossen ist, steigen in Nordberlin bereits die Immobilienpreise. Um Schönefeld herum hingegen ist der Wertverlust der Häuser in vollem Gange.

Wer in die jetzigen Einflugschneisen im Norden Berlins ziehen will, muss mit steigenden Immobilienpreisen rechnen. Da ab 3. Juni am Flughafen Tegel Ruhe herrscht, haben nicht wenige das Gebiet als möglichen Wohnort entdeckt. Nach der Meinung von Experten sind es solvente Kunden, die sich insbesondere für Einfamilienhäuser interessieren. Was die Umgebung des Flughafens BER in Schönefeld betrifft, gehen die Fachleute allerdings davon aus, dass die Preise für Immobilien teilweise stark sinken werden – besonders für Ein- und Zweifamilienhäuser.

Am Ufer der Havel im Spandauer Ortsteil Haselhorst erbauen Arbeiter an der Ruppiner-See-Straße zurzeit eine neue Zeile bunter Reihenhäuser. „Zu spät – verkauft“ ist auf einem Schild in einem Fenster zu lesen. Noch dröhnen hier die Maschinen im Landeanflug übers „Gartenviertel am Spandauer See“. Die Interhomes AG aus Bremen verzeichnet seit anderthalb Jahren eine sehr gute Nachfrage, heißt es dort. 280 Häuser sind schon verkauft, weitere 54 gingen im Moment in den Vertrieb. Manche Käufer entscheiden sich für eine Dachterrasse – in der Einflugschneise bislang eher etwas für die ganz Hartgesottenen. Die Preise für Eigenheime in Haselhorst sind schon angestiegen. Konnte man vor einiger Zeit ein Haus noch für 140.000 bis 150.000 Euro bekommen, muss man nach Auskunft von Interhomes mittlerweile schon 174.000 Euro bezahlen.

Nordberlin künftig garantiert lärmfreie Zone

Dieser Trend sei schon seit etwa zwei Jahren zu beobachten, sagt Dirk Wohltorf, ein Tegeler Immobilienmakler und Landesvorsitzender des Immobilienverbandes Deutschland (IVD). In Frohnau verkauft er heutzutage Häuser zum Teil zu Euro-Beträgen, die vor einem Jahrzehnt noch in Mark galten. Prinzipiell sind die Preise in Toplagen um 20 bis 30 Prozent angestiegen, in Ortsteilen wie Heiligensee oder Lübars immerhin um 10 bis 15 Prozent.

Allein der Flughafen sei jedoch nicht die Ursache, so Wohltorf. Auch die Angst vor der Inflation habe dazu beigetragen, dass mehr und mehr Menschen ihr Vermögen in Immobilien anlegen. Und genau in der bisherigen Einflugschneise befinden sich in Reinickendorf sowieso nur wenige Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser. Es zeichne sich aber ab, dass sich wegen der zukünftig verstärkt über dem Süden Berlins verlaufenden Flugrouten vor allem wohlhabende Klienten für Reinickendorf entscheiden, die bisher vorrangig an Grunewald und Zehlendorf Interesse zeigten. Denn der Norden der Stadt sei in Zukunft unter Garantie fluglärmfreie Zone.

Im bislang exklusiven südwestlichen Berlin, jedoch auch in Speckgürtel-Lagen wie Teltow, Stahnsdorf oder Kleinmachnow, tue sich wenig, so Wohltorf. Die Nachfrage sei verhalten, aber auch die Verkäufer hielten sich zurück. Zwar könne man von einem Absturz noch nicht reden, jedoch seien die Preise hier bereits um die 15 Prozent gesunken. Der Stadtökonom Gabriel Ahlfeldt geht davon aus, dass „in ungünstigen Fällen“ noch in vier Kilometern Entfernung von den Seiten der Start- und Landebahnen Wertverluste von über 20 Prozent zu erwarten seien.

Experten raten momentan zu schnellen Kaufentscheidungen

„Nach unserer Markteinschätzung wird es mit Schließung des Flughafens Tegel grundsätzlich zu weiteren Preiserhöhungen in den entlasteten Bereichen kommen“, heißt es auch vonseiten der Bausparkasse LBS-Nord. Gibt es bereits jetzt eine tendenzielle Steigerung bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern, rechnet man mit wesentlichen Marktpreisveränderungen hier erst dann, wenn mit der Beendigung des Flugbetriebs die Änderung wirklich spürbar wird. Kaufentscheidungen zur Kapitalanlage und Eigennutzung sollten deshalb auch angesichts der zurzeit noch preisgünstigen Zinssituation vorgezogen werden, so der Rat der Experten.

Vollkommen anders ist die Lage bei den Mietwohnungen. Hier sei bislang keine verstärkte Nachfrage erkennbar, so Christoph Wilhelm, der Sprecher der im Jahr 2004 privatisierten GSW, die einen Teil der direkt in der westlichen Einflugschneise befindlichen Großsiedlung Falkenhagener Feld besitzt. Die GSW erwarte „keinen großen Einfluss“ der Einstellung des Flugbetriebs. Die Gewobag mit großen Beständen in den flughafennahen Standorten Reinickendorf-West und Haselhorst erwartet angesichts eines großen Vermietungsstands und geringer Fluktuation ebenfalls keine immensen Veränderungen. Und als städtisches Unternehmen sei man auch in den Preissteigerungen bei Neuvermietungen limitiert, merkte eine Sprecherin an.

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