In den kommenden zwei Monaten kann es passieren, dass man im Bezirk Mitte Menschen begegnet, die mit emporgestreckten Nasen wie ferngesteuert dem Duft von verbranntem Brot entgegenmarschieren. Aus der Ackerstraße kommend wird der sich ab Freitag wie ein Schleier über den Kiez legen, und zwar Tag für Tag.
Doch um Brot geht es nicht. Danach riecht es nur beim Rösten von Kaffee. Und genau der steht in der Coffee Academy vom 3. August bis 23. September im Fokus. Zum einen trifft sich dann das „Who is Who“ der deutschen Kaffee-Szene zum Expertenaustausch, zum anderen können alle interessieren Kaffeeliebhaber auf etwa 180 Quadratmetern in die faszinierende Welt des anregenden Getränks eintauchen: es genießen, selber zubereiten und alles Wichtige darüber lernen – getreu dem Motto „Life is Long Enough for Hand-Made Coffee“.
Schließlich hätten die großen Kaffeeröster mit ihrem Wissen über Kaffee lange genug hinter dem Berg gehalten, findet Moritz Waldstein-Wartenberg, einer der Initiatoren. Das, was er mit zwei Geschäftspartnern und seinem Unternehmen Coffee Circle seit über zwei Jahren online betreibt, soll nun offline in einem Pop-up Café mit eigener Röststätte umgesetzt werden. „Wir wollen die Leute an das Thema Kaffee heranführen. Kaffee ist zwar sehr beliebt, doch die wenigsten kennen sich damit aus, wissen nicht, wie man Kaffee richtig zubereitet“, sagt der 29-Jährige.
Kaffeekochen will gelernt sein
Fünf Basics müsse man beim Kaffeekochen beachten: Wasser sei eine Komponente und sollte nur gefiltert verwendet werden. Die optimale Temperatur liege bei 96 Grad. Weiter ausschlaggebend für gut schmeckenden Kaffee sind Mahlgrad und Kontaktzeit: Bei feingemahlenem Kaffee wird nur kurz gebrüht, bei gröberer Struktur entsprechend verlängert. Und dann seien da noch die Bohnen, die dürften nicht zu alt und sollten möglichst frisch gemahlen sein.
In Punkto Zubereitung geht der Trend wieder zurück zum Filterkaffee. „In Europa passiert da in England und Skandinavien momentan ganz viel. Aber auch in Berlin gibt es immer mehr Cafés, die von Hand gebrühten Filterkaffee anbieten“, so Waldstein-Wartenberg und nennt als Beispiele The Barn in Mitte, CK Kaffee in Prenzlauer Berg sowie Chapter One in Kreuzberg. Und natürlich die Coffee Academy.
Dienstag und Donnerstag wird selber gebrüht
2 Euro wird ab Freitag hier eine frisch gebrühte Tasse Kaffee kosten. Die dafür verwendeten sortenreinen Bio-Bohnen stammen ausschließlich aus Äthiopien. Für 5 Euro kann man lernen, wie Espresso und Filterkaffee richtig zubereitet werden. Außerdem werden Workshops zum Thema Anbau und Ernte, Rösten und Verkosten – dem Cuppen – angeboten. Wie der junge Kaffee-Experte erzählt, gibt es über 800 verschiedene Geschmacksnuancen, bei Wein sind es gerade mal 400. So kann Kaffee auch mal ganz fruchtig nach Pfirsich oder Rhabarber schmecken.
Dienstag und Donnerstag stehen in der Coffee Academy ganz im Zeichen von Do-it-yourself. Neugierige bereiten ihre Kaffee-Spezialität beim Latte Art Tuesday unter Anleitung eines Baristas selbst zu. Und beim Go(o)d Shot Thursday erfährt man alles über einen perfekten Espresso-Shot. Die Maschinen stehen jeweils von 16 bis 18 Uhr zur Verfügung.
Eine soziale Komponente hat das Ganze natürlich auch: 10 Cent jedes bestellten Kaffees gehen an die Bauern in Äthiopien zurück. Dazu haben sich Waldstein-Wartenberg und sein Team folgendes System überlegt: Beim Kauf einer Tasse bekommt jeder Kunde eine Murmel, die er in ein Glas seiner Wahl werfen kann. Jedes Glas steht für ein Projekt in Afrika – Social Business nennt man so etwas.
Die Eröffnung der Coffee Academy wird am 3. August ab 14 Uhr in der Ackerstraße 169 in Berlin-Mitte mit einer großen Party gefeiert. Anschließend hat das Pop-up Café bis zum 23. September immer dienstags bis sonntags von 8.30 Uhr bis 18 Uhr geöffnet.