Straßenbenennung

Eine Edith-Kiss-Straße für Berlin

Edith Kiss bei der Arbeit.
Edith Kiss bei der Arbeit.
Mühlenstraße - Am 13. Februar 2014 erhält in Friedrichshain eine neue Straße den Namen der ungarisch-jüdischen Bildhauerin und Malerin Edith Kiss.  

Die feierliche Benennung findet am 13. Februar um 17 Uhr vor der Mercedes-Benz-Vertriebszentrale, Ecke Mühlenstraße 30 und der zukünftigen Edith-Kiss-Straße statt. Die Veranstaltung wird durch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und die Mercedes-Benz-Vertriebszentrale durchgeführt.

Die Bildhauerin und Malerin Edith Kiss aus Budapest wurde 1944 wegen ihres jüdischen Glaubens im Alter von 39 Jahren von den Nazis ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Im Daimler-Benz-Werk Genshagen musste Kiss später unter unmenschlichen Bedingungen und mit 1100 weiteren Zwangsarbeiterinnen Flugzeugmotoren montieren. Am 30.April 1944 gelang ihr die Flucht aus dem Todesmarsch bei Strasen an der Havel. Die Leiden der Deportation spiegelten sich häufig in ihren bildhauerischen und malerischen Werken. 1966 nahm sich Edith Kiss in Paris das Leben.

Streit um den Namen

Laut Medienberichten gab es um die Benennung dieser Straße noch im Herbst 2012 heftige Auseinandersetzungen zwischen Mercedes-Benz und den Bezirksverordneten von Friedrichshain-Kreuzberg. Der Konzern wünschte sich für die neue bundesweite Vertriebszentrale von Mercedes-Benz eine repräsentative Adresse. Zur Auswahl standen seitens des Konzerns zwei Namen: Bertha Benz, Ehefrau des Unternehmensgründers Carl Benz, und Baronin Mercédès Jellinek, Namenspatronin der Automarke. Doch die Grünen – die im Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg, die größte Fraktion sind und auch den Bürgermeister stellen – waren dagegen. Sie sahen „ihre Aufgabe nicht darin, Öffentlichkeitsarbeit für den Konzern zu machen.“

Zudem fanden sie es „empörend, dass Daimler ihnen so einen Vorschlag vorgebracht hat.“ Denn Bertha Benz sei schon deshalb nicht in Frage gekommen, weil sie zunächst eine Anhängerin des Nationalsozialismus war und mit Hitler persönlich korrespondierte. „Wir finden es gut, an die Geschichte der Zwangsarbeiter zu erinnern und Daimler mit den dunklen Seiten seiner Geschichte zu konfrontieren“, so die Piraten, die mit in der Kommission um die Straßenbenennung vertreten waren.

Letztendlich konnte sich der Vertreter von Daimler bei der Beratung um die Straßenumbenennung auf der Tagung der Kommission nicht durchsetzen. Nach einigem Hin und Her an Vorschlägen setzte sich ein Name durch – der von Edith Kiss.

Im Anschluss an die feierliche Benennung wird eine Vernissage der Ausstellung „Edith Kiss 1906-1966.“ im Friedrichshain-Kreuzberg-Museum stattfinden. Die Werkschau kann vom 14. Februar bis 13. März werktags von 09:00 bis 17:00 Uhr besucht werden. Das Museum zeigt zudem am 19. März 2014 um 19:00 Uhr Filme über Edith Kiss und ihre Freundin Ágnes Bartha.

Daimler AG - Friedrichshain, Mühlenstraße 30, 10243 Berlin

Telefon 030 26 94 0

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