Tierfreundliche Populationskontrolle

Was das Taubenherz begehrt

Ein gewohnter Anblick auf Berlins Straßen. Ein Modellprojekt hilft, die Zahl der Tauben in der Stadt auf artgerechte Weise zu minimieren.
Ein gewohnter Anblick auf Berlins Straßen. Ein Modellprojekt hilft, die Zahl der Tauben in der Stadt auf artgerechte Weise zu minimieren.
Spandau nimmt sich ein Herz und rückt der hohen Taubenpopulation mit betreuten Taubenschlägen zu Leibe. Die Einrichtung entlastet nicht nur die zweibeinigen Berliner - auch gefiederte Stadtbewohner scheinen das Angebot gerne anzunehmen.

Im Keller der Stadtbibliothek bedeckt eine Schutzfolie den Boden, an den Wänden reihen sich Regale mit kleinen Boxen aneinander. Ein Fenster dient den Tauben als Ein- und Ausflugsmöglichkeit. Von den einkehrenden Vögeln kann man sich jedoch nur schwer ein Bild machen – betritt ein Mensch ihr Domizil, suchen die Tiere rasch das Weite.

So müssen die Mitarbeiter des gemeinnützigen Vereins Cuba ihre täglichen Aufgaben im „Taubenkeller“ ohne tierische Gesellschaft verrichten. Jeden Tag wird die Bodenplane ausgewechselt und das Taubenfutter nachgefüllt. Der wichtigste Teil der Arbeit besteht jedoch in dem Entfernen der Taubeneier. Sie werden durch Gipsattrappen ersetzt und anschließend an hilfebedürftige Krähen verfüttert.

Bis zu einem Monat lang lassen sich die Tauben von den falschen Eiern in die Irre führen und brüten weiter. Erst nach langen Tagen des Wartens werfen sie die Imitate aus dem Nest und die Arbeit an einem neuen Gelege beginnt. Durch diesen relativ einfachen Trick kann die Taubenpopulation wirksam kontrolliert werden.

Erfolgreiches Konzept

Die Maßnahme wird deutschlandweit bereits in über 60 Städten angewandt. So finden etwa in Augsburg, Frankfurt am Main oder Saarbrücken die vermehrungsfreudigen Vögel Zuflucht im „betreuten Taubenschlag“. Nicht nur der Rückgang der Population macht das Konzept so erfolgreich. Auch die verminderte Verschmutzungsrate öffentlicher Straßen und Plätze gibt zahlreichen Kommunen Anlass zur Freude: Um bis zu 80 Prozent weniger Taubendreck kann hier verbucht werden. Der uneingeschränkte Zugang zu sauberem Wasser und artgerechtem Futter sorgt darüber hinaus für gesunde und weniger aufdringliche Vögel.

In Berlin zeigen sich die Bezirke trotz des nachweislichen Erfolgs noch zurückhaltend. Außer in Spandau finden sich betreute Taubenschläge an fünf Standorten in Reinickendorf. Der dort regierende Bürgermeister Frank Balzer ist von der Einrichtung überzeugt. Die Zahl der Tauben, die Verschmutzungen durch ihren Kot und die Klagen von Anwohnern des Bezirks seien deutlich zurückgegangen. Das Konzept scheint aufzugehen: Bald sollen auch am Kottbusser Tor und am Potsdamer Platz Taubenschläge für eine tierfreundliche Populationskontrolle sorgen.


Quelle: Der Tagesspiegel

Was das Taubenherz begehrt, Carl-Schurz-Straße 13, 13597 Berlin

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