Durch den Kiez

Oksana Kolenitchenko: Kind des Westens

Oksana Kolenitchenko: Kind des Westens
Oksana Kolenitchenko ist zusammen mit ihrem Mann Betreiberin des Clubs The Pearl in Charlottenburg. Stolz ist sie dort unter anderem auf die atmosphärische Beleuchtung. Zur Foto-Galerie
Clubbetreiberin, Agenturchefin, Influencerin, TV-Personality, Musikerin, Mutter – was macht diese Frau eigentlich nicht? Bei all ihrem geschäftigen Treiben ist Oksana Kolenitchenko auch überzeugte Charlottenburgerin. Wir haben sie in ihrem Kiez getroffen.

Draußen strahlt endlich die Wintersonne. Drinnen im The Pearl ist es zwar dunkler, aber Oksana Kolenitchenko ist trotzdem in ihrem Element. Gemeinsam mit ihrem Mann Daniel betreibt sie den zwischen Kantstraße und S-Bahn gelegenen Club seit bald fünf Jahren. Und am kommenden Sonntag dürfen dort endlich wieder die ganz Kleinen feiern: Der Family Fasching steht an, eine bunte Veranstaltung für die ganze Familie. „Das Event ist dafür da, sein inneres Kind wiederzuentdecken“, sagt Oksana – und freut sich auf die Kostüme, auf Artisten, LED-Shows und eine Zauberin in einer Plastikblase. Vor allem aber auf die großen Augen der Kinder, auch die ihrer eigenen.

Denn die Charlottenburgerin ist zweifache Mutter – eine Rolle, die ihr bei allem Drang zur Arbeit sehr wichtig ist. „Ich bin ein Arbeitstier“, sagt sie von sich – zieht aber die Grenzen dort, wo ihre Geschäftigkeit nicht mehr mit dem Familienleben vereinbar wäre: „Ich glaube, dass sich eine Karriere als Musikerin nicht so einfach verbinden lässt mit einer Familie und der Rolle einer liebenden Mutter.“ Oksana bekam schon mit 13 Jahren ihren ersten Plattenvertrag beim Label von Ralph Siegel und ging auf Tour. Seither verlief ihre Karriere im Musik-Business ein wenig Stop-and-Go. Inzwischen hat sie sich entschieden, diese nicht weiter zu verfolgen. Ihr liebstes Publikum hat sie ohnehin zu Hause: „Ich singe nach wie vor sehr viel für meine Kinder“, erzählt die 30-Jährige. Ein Kinder- oder Weihnachtslied aufnehmen – ja, das könnte sie sich noch vorstellen.

Beruflich steht an erster Stelle sowieso The Pearl. „High class nightlife“ verspricht dessen Webseite und tatsächlich hat sich der Club mit seiner mächtigen Soundanlage, den LED-Lichtern und der Decke, die vom Wald aus dem Film Avatar inspiriert ist, einen guten Ruf nicht zuletzt bei der Prominenz erarbeitet. Viele Namen von Gästen möchte Oksana aus Gründen der Diskretion nicht nennen, aber das Pearl sei unter anderem in der amerikanischen Hip Hop-Szene ein Begriff. So kommen deren Stars gerne mal in der Fasanenstraße vorbei, wenn sie in Berlin weilen. Doch es geht noch größer: „Mein absoluter Lieblingsgast war Justin Bieber“, erzählt Oksana. „Das ist ein verrückter Moment, wenn man selber gerade noch auf dem Konzert war und auf einmal steht er vor deinem Club und möchte dort Tanzen gehen.“

Die Decken-Deko im "Pearl" ist vom Film "Avatar" inspiriert, sagt Oksana Kolenitchenko.

Unterwegs zur ‚Kantstraßen-Mafia‘

Nach unserem Treffen im Club nimmt uns Oksana mit auf eine kleine Tour durch ihren Kiez. Bei nach wie vor freundlichem, aber kaltem Winterwetter laufen wir die Kantstraße entlang in Richtung Westen. Hier fühlt sich die gebürtige Moskauerin seit vielen Jahren heimisch, hier ist ihr Boulevard: „Die Kantstraße hat sich sehr verändert. Mittlerweile sind hier viele Galerien. Es gibt viele Restaurants und hochwertige Läden.“ Gerne geht sie etwa zu Rahaus – „mein absoluter Lieblingsmöbelladen“ – oder gegenüber zum Stilwerk. Auch ihr Lieblingsfriseur Flawless Beauty liegt nicht weit entfernt in der Goethestraße.

Vor allem aber kehrt das Ehepaar Kolenitschenko gerne in den Restaurants von The Duc Ngo ein, Chef der selbsternannten „Kantstraßen-Mafia“. Das Kuchi, Oksanas Lieblings-Sushi-Laden, Madame Ngo, das Funky Fisch und das Ryotei 893 – alle liegen in der Kantstraße, alle gehören Ngo. Und da die Kolenitschenkos sehr gerne asiatisch essen, ernähren sie sich fast ausschließlich von Ngos Speisen, wie Oksana scherzhaft sagt.

Ihre Verbundenheit mit der City West ist groß. Das liegt zum einen daran, dass Oksana und Daniel Kolenitchenko hier zu einer Zeit Erfolg hatten, als der in dieser Gegend noch nicht selbstverständlich war. „Wir haben den Westen mit aufgebaut“, sagt die Geschäftsfrau. „Wir haben in jungen Jahren viel riskiert und freuen uns, dass unser Konzept so gut aufgegangen ist.“ Neben dem Pearl gehört den Kolenitchenkos auch die Event-Location West View am Wittenbergplatz. Oksana leitet außerdem weiterhin ihre Agentur Vollblut Berlin, mit der sie Modelhostessen, ein von ihr selbst kreierter Begriff, für Messen und Präsentationen vermittelt.

Das 893 Ryotei hat an diesem Montagmittag geschlossen.

Der goldene Westen

Der andere Grund, warum sich Oksana im Westen so wohlfühlt, hat vielleicht mit ihrer Persönlichkeit zu tun. Hier kann sie so sein, wie sie ist. „Ich glaube, dass die Wessis sehr weltoffen sind. Ich glaube, dass wir wenig verurteilen und mehr akzeptieren“, so Oksana. Mit ihrem Äußeren und ihrem Auftreten sieht sie sich ansonsten manchmal mit Vorurteilen konfrontiert. Nicht dass sie diese ernsthaft entkräften will: „Ich bin gerne Tussi. Ich bin es aber auch authentisch“, sagt sie.

Langsam wird es kühl. Mit ihrer Smartphone-App bestellt Oksana einen Uber-Wagen, der uns zurück zum Club bringen soll. Wenig später kommt ein schwarzer Mercedes angerollt und nimmt uns mit zum Café an der Ecke Fasanenstraße. In der Welt des Internet und der sozialen Medien bewegt sich Oksana absolut selbstverständlich und bezieht darin auch ihre Familie ein. Als Fashionmamaberlin ist sie bei Instagram unterwegs, freut sich über Feedback und sieht sich auch als Inspiration: „Ich versuche zu motivieren, dass man etwas aus seinem Leben macht. Nicht nur in der Mutterrolle aufgeht oder nur Workaholic ist.“ Mit der Wiederbelebung ihres Fashion MamaBlogs will sie bald noch mehr dazu beitragen.

Immer wieder ist Oksana auch im Fernsehen zu sehen. RTL folgt den Kolenitchenkos etwa bei ihrer Mission, in Los Angeles eine Dependance des Pearl Clubs zu eröffnen. „Ich glaube, die Leute finden es spannend, eine Geschichte von jemandem zu begleiten“, sagt Oksana bei einem Latte Macchiato zum Abschluss im Café BagCo. Die Öffentlichkeit an ihrem Privatleben teilhaben zu lassen findet sie unproblematisch; während ihrer Schwangerschaft war die Bild für eine Home-Story da. Doch was würde sie nicht machen? „Publicity geht bei mir nicht vor Authentizität“, so Oksana. „Ich bin eine arbeitende Mutter, die seit elf Jahren mit ihrem Mann zusammen ist. Ich achte darauf, dass es immer mit meinem Business zu tun hat.“

Der Family Fasching findet am Sonntag, 11. Februar, von 15 bis 19 Uhr im The Pearl statt. Ein Teil der Einnahmen kommt Laughing Hearts e.V. zugute, einem Verein, der sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt. Weitere Informationen zum Programm und zur Verfügbarkeit von Karten bekommst du auf der Webseite von Family Event Berlin.

Foto Galerie

The Pearl, Fasanenstraße 81, 10623 Berlin

Telefon 030 31518890

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Donnerstag ab 18:00 Uhr
Freitag und Samstag ab 21:00 Uhr

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