Inforoute eingeweiht

Wie Besucher in die Platte gelockt werden sollen

Wie Besucher in die Platte gelockt werden sollen
Eine Möglichkeit, die Platte attraktiver zu machen: farbliche Umgestaltung. Zur Foto-Galerie
Friedrichsfelde-Süd - Wie wird ein Wohnviertel aus Plattenbauten auch für Besucher attraktiv? Im Bezirk Lichtenberg hat man die einst verschmähte industrielle Bauweise nun zum Thema eines Spazierwegs mit Infotafeln gemacht. Am Mittwoch wurde dieser eingeweiht.

Wer sich für die Geschichte des Plattenbaus interessiert, für den ist Friedrichsfelde-Süd der ideale Ort. Schließlich befindet sich hier mit der Splanemannsiedlung nicht nur das erste in industrieller Bauweise errichtete Wohngebiet Deutschlands. Vielmehr erstrecken sich nördlich und westlich dieser ‚Urahnen‘ viele deutlich höhere Plattenbauten verschiedener Typen. Nach der Wende wurden die meisten von ihnen mit Hilfe von Fördermitteln saniert und sind bei ihren Bewohnern durchaus beliebt. Anders sieht es mit der Attraktivität der Gegend für Besucher aus. Zwar liegen der Tierpark und Schloss Friedrichsfelde ganz in der Nähe, doch der im Volksmund Hans-Loch-Viertel genannte Kiez wirkt ansonsten kulturell und aus touristischer Sicht öde.

Die Platte, die kaum einer erkennt

Diesen Zustand wollte das Bezirksamt mit Hilfe von erfahrenen Stadtplanern ändern. Dazu wurde das herausragende Merkmal von Friedrichsfelde-Süd nun zum Gegenstand einer 2,7 Kilometer langen „Inforoute Platte“. Auf dem Weg durch das Hans-Loch-Viertel, vom U-Bahnhof Tierpark zum U-Bahnhof Friedrichsfelde, können sich Interessierte ab sofort auf 15 Tafeln über verschiedene Typen der Plattenbauweise aus verschiedenen Zeiträumen informieren. So ist die in den späten 1920er Jahren entstandene Splanemannsiedlung für nicht Eingeweihte nur schwer als Platte zu erkennen. Sie wirkt zunächst wie eine gut gepflegte, kleine Reihenhausgegend. Nur ein paar Meter entfernt, auf der gegenüberliegenden Seite der Sewanstraße, sieht es ganz anders aus. Dort informiert eine Infotafel über die Wohnungsbauserie P 2/11, einen massiven Riegel elfstöckiger Gebäude, der von der Hausnummer 241 bis 255 reicht. Auf anderen Tafeln werden auch die sogenannten „Gesellschaftsbauten“ und die für die Bewohner geschaffenen Freiräume zwischen den Blöcken gewürdigt.

Bei der an der Starttafel auf dem Heinrich-Dathe-Platz vorgenommenen Einweihung der Route ließ der für Stadtentwicklung zuständige Bezirksstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) erwartungsgemäß nichts auf das Viertel kommen. „Wir wollen zeigen, dass man auf die Platte nicht herunterblicken kann“, so Nünthel – und das läge nicht nur an der Höhe der Bauten. Wie auch manch anderer Redner pries er den industriellen Wohnungsbau als potenzielle Antwort auf die aktuelle Herausforderung, möglichst schnell günstigen Wohnraum zu schaffen.

Die vom Bezirksamt in Kooperation mit den vertretenen Wohnungsgesellschaften und mit Unterstützung aus dem Programm Stadtumbau Ost geschaffene Inforoute trägt sicher dazu bei, die Platte noch salonfähiger zu machen. Ob man die gesamte Strecke in einem Rutsch ablaufen will, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

Auch Platte, aber die Infotafel fanden wir nicht: die Splanemann-Siedlung in Friedrichsfelde-Süd.

Foto Galerie

Wie Besucher in die Platte gelockt werden sollen, Dathepromenade, 10319 Berlin
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