Der Kampf geht weiter

Streit um den DDR-Knast am Alex

Streit um den DDR-Knast am Alex
Von außen wirkt das Gebäude harmlos, im Hof birgt es eine spannende Geschichte: Hier befindet sich das ehemalige Volkspolizeigefängnis.
Alexanderplatz - Direkt an der Ausgeh- und Flaniermeile der ehemaligen DDR steht das ehemalige Volkspolizeigefängnis Keibelstraße. Während andere hier ihrem Vergnügen nachgingen, wurden in nächster Nachbarschaft Menschen wegen "Republikflucht" verhört und gefoltert. Eine Initiative möchte an der Stelle eine permanente Gedenkstätte errichten, der Senat ist dagegen.

Von außen sieht man dem Gebäude das Grauen nicht an. Das Haus wurde 1928 von Philipp Schäfer für die Karstadt‑Verwaltung gebaut. Die strenge vertikale Struktur der Fassade ist angelehnt an die US-amerikanischer Hochhäuser in Chicago oder New York. Heute teilen sich Polizei, Berliner Immobilienmanagement (Bim) und – seit 2010 – die Senatsbildungsverwaltung für Bildung das Gebäude.

Zwei Rentnerinnen, die seit 40 Jahren in einer Plattenbausiedlung direkt gegenüber dem Polizeigebäude leben, antworten auf die Frage, ob sie damals etwas von den Häftlingstransporten mitgekriegt hätten: „Ja, die fuhren sie in den Hof. Dort war das Gefängnis, aber da blieben sie nicht lange – nur ein, zwei Tage, dann wurden sie nach Rummelsburg oder nach Hohenschönhausen gebracht“, erzählt eine der Frauen. Ihre Freundin ergänzt: „Das war vorne sowas wie das Bürgeramt heute: Wir gingen vorne rein, um unsere Ausweise zu verlängern oder wenn wir Anträge stellten.“ 

Vom Gefängnis zur Gedenkstätte

Das eigentliche Gefängnis im Hof des heutigen Polizeipräsidiums steht seit 1996 leer. Der Zellentrakt zwischen der Keibel- und der Bernhard‑Weiß‑Straße ist weitgehend erhalten. Bildungsstaatssekretärin Claudia Zinke erklärte 2011, dass die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung sich als Mitnutzerin des Gebäudekomplexes aktiv für die Aufarbeitung der Geschichte des Hauses einsetze. Sie beauftragte die Robert-Havemann-Gesellschaft, hierfür ein Konzept für einen Schülerlernort vorzulegen.

Weil bisher nichts geschah, haben ehemalige Häftlinge der DDR‑Volkspolizei am 22.Juli 2014 eine Initiative gegründet, die den Ort mit Führungen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Seminaren – ähnlich wie im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen – für die Öffentlichkeit zugänglich machen will. Die Initiative um den ehemaligen Häftling und Schauspieler Rainer Dellmuth wirbt bei Mitgliedern des Berliner Abgeordnetenhauses und dem Berliner Senat um Unterstützung.

Der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, setzt sich für das Vorhaben der Initiative ein und lehnt die Pläne der Bildungsverwaltung ab, die das Gefängnis nur für ausgesuchte Gruppen und an bestimmten Tagen öffnen will. In Hohenschönhausen müsse er jedes Jahr Besucher wegen Überfüllung abweisen, gerne würde er daher Besucher an das Polizeigefängnis in Mitte verweisen können. Im Oktober 2014 ist eine öffentliche Diskussionsveranstaltung im Abgeordnetenhaus zum Thema geplant. Dann will die Senatsverwaltung ihr Konzept vorstellen.

Dellmuth verspricht zudem, den Druck auf die Senatsverwaltung zu erhöhen und plant im Herbst weitere Aktionen gegen das Vorhaben der Bildungsverwaltung. Welche, wolle er noch nicht verraten, aber zum 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls könne es seiner Meinung nach nicht angehen, dass der Zugang zum ehemaligen Stasi-Gefängnis nach so langer Zeit noch immer der Öffentlichkeit verwehrt wird.

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Bernhard-Weiß-Straße 6, 10178 Berlin

Telefon 030 902275050

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