Insel der Jugend

Party machen ohne Lärm

Anwohner der Insel Stralau fordern mehr Ruhe auf der Insel der Jugend.
Anwohner der Insel Stralau fordern mehr Ruhe auf der Insel der Jugend.
Es darf weiter gefeiert werden auf der Insel der Jugend. Doch die Anzahl der Konzerte ist beschränkt. Und der Geräuschpegel darf das Surren eines Rasenmähers nicht überschreiten.

In Zukunft soll es ruhiger werden auf der Insel der Jugend. „Aber das heißt nicht, dass dort keine Veranstaltungen mehr stattfinden können“, sagt Martin Kleinlosen. „Sie müssen nur beantragt werden“, fügt der Fachbereichsleiter beim Umwelt- und Naturschutzamt von Treptow-Köpenick hinzu. Wenn im Spreepark, im Treptower Park oder auf der Insel besondere Events stattfinden sollen, muss dafür beim Amt ein Antrag gestellt werden – an allen Orten zusammen darf dabei an insgesamt 18 Tagen im Jahr die 70 Dezibel-Grenze nicht überschritten werden. Das entspricht der Lautstärke eines Rasenmähers. Nach Kleinlosens Meinung sei das machbar.

Für Victoria Heinz vom Verein „Kulturalarm“, der auf der Insel seit zwei Jahren einen Veranstaltungsort mit Biergarten und Bootsverleih betreibt, sieht das anders aus. Aus diesem Grund hat sie für den bevorstehenden Sommer auch noch kein Konzert geplant. „Das hat keinen Sinn, seitdem direkt an der Bühne gemessen wird.“ Der Messpunkt für ein verplombtes Gerät befindet direkt nebenan, bei einem Kinderheim des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks. Das Bundesemissionsschutzgesetz schreibt vor, dass immer beim nächsten Nachbarn gemessen werden muss. Doch das Umweltamt hat über 20 Jahre gebraucht, um zu analysieren, wo dieser nächste Nachbar wohnt. Vorher wurde auf der anderen Spreeseite gemessen, auf der Halbinsel Stralau. „Da gab es kein Problem bei den Konzerten“, sagt Victoria Heinz.

Erst beschweren, dann bereuen

Dennoch beschwerten sich die Anwohner aus den vielen Stralauer Neubauten immer wieder. Nun gelten sie als Spielverderber, weil sie den Krach des traditionsreichen Inselclubs verbieten wollen. Aber die Lärmbeschwerde kam vom Kinderheim nebenan. Den Mitarbeitern dort tut es nun leid. Eigentlich sei der Kulturverein auf der Insel ja eine Bereicherung mit seinem Angebot, das sich auch an Familien richtet. „Wir können die Verlegung des Messpunktes nicht mehr rückgängig machen“, sagt Fachbereichsleiter Kleinlosen jedoch.

Schon im vergangenen Jahr gab es Lärmbeschwerden rund um die Halbinsel Stralau, als im Spreepark im Plänterwald mehrtägige Techno-Festivals stattfanden. Die Veranstalter hatten die Richtlinie prompt überschritten. Weit überschritten. „Da stehen noch Bußgelder aus“, erklärt Kleinlosen vom Umweltamt.

Alle an einen Tisch

Wenn auf der Insel der Jugend keine Veranstaltung stattfindet, dürfen nur noch 55 Dezibel gemessen werden. Das ist etwa so leise wie Vogelgezwitscher. Doch kontrolliert wird nur nach Beschwerden und dann auch nicht immer mit einem Messgerät. Es hängt demnach von den Nachbarn ab. Im nahe gelegenen Lokal Zenner im Treptower Park wird auf der Terrasse oft zu lauter Schlagermusik getanzt. Wie eine Mitarbeiterin berichtet, habe es mindestens seit einem Jahr keine Beschwerde aus Stralau gegeben. Und Tobias Trommer, 45, vom Bürgerforum Stralau, das sich um Probleme in der Gegend kümmert, sagt: „Ich würde es sehr schade finden, wenn es kein Programm mehr gibt auf der Insel der Jugend.“

Allerdings gebe es beim Bürgerforum unterschiedliche Meinungen dazu – sogar eine Lärmaktionsgruppe wurde ins Leben gerufen. „Eine Lösung wäre ein runder Tisch aus Anwohnern, Clubs und den Ämtern mehrerer Bezirke.“


Quelle: Der Tagesspiegel

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