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Top 10: Internationale Bräuche zu Ostern

Auch wenn Corona die Welt stillgelegt hat, werden wir Ostern feiern. Vielleicht kann man den einen oder anderen internationalen Brauch auch hier übernehmen? Wenn nicht, für den österlichen Smalltalk schadet Wissen über falsche Hasen und Aberglauben nie...

Alternative Osterhasen

Alle Jahre wieder kommt die Frage auf: Wieso bringt ausgerechnet ein Hase die Eier an Ostern? Während wir also glauben, der Hase sei ein Symbol für neues Leben und verkünde als Bote Gottes die Auferstehung Christi, setzen die Australier auf den eierbringenden Bilby. Hasen und Kaninchen waren in Australien eine echte Plage und so bewarben Naturschützer ab den 1990er Jahren den Großen Kaninchennasenbeutler, wie der Bilby übersetzt heißt, als Osterhasen-Ersatz. Mit Erfolg! In Schweden werden die Eier seit jeher von Osterküken versteckt. Daher wird die Deko im Norden auch eher durch bunte Federn bestimmt.

Osterwasser

Hierzulande kennt man es nur vereinzelt noch, dass Frauen am Ostersonntagmorgen sich in einem Bach oder Fluss waschen, um schöner und fruchtbarer zu werden. In Polen geht es weit brutaler zu, denn dort erhalten die Frauen die Dusche nicht freiwillig: Die Männer geben alles, um ihre Auserwählte nass zu machen. Im Mittelalter drangen sie dazu sogar ins Schlafzimmer ein, heute spielt sich die Wasserschlacht auf der Straße ab – allerdings könnte die Ausgangssperre das ja wieder ändern. In Ungarn müssen die Herren erst mit einem Gedicht um Erlaubnis fragen, bevor sie die Damen abduschen. Dafür bekommen sie zum Dank ein rotes Ei.

Ostereierschlacht oder Feuerwerksschlacht

In Bulgarien werden nach der Messe am Ostersonntag die liebevoll gefärbten Eier zur Waffe. Denn hier werden sie nach anderen Familienmitgliedern geworfen. Zum Glück sind die auch in Bulgarien hart gekocht. Wessen Ei am Ende unbeschädigt geblieben ist, der wird im kommenden Jahr am erfolgreichsten sein. Auf der griechischen Insel Chios geht es ebenso kriegerisch zu: Statt Ostereier werden Feuerwerkskörper geschossen – aber nicht auf die eigene Familie, sondern auf das verfeindete Dorf. Oha.

Purzelbäume und Eiertrudeln

Am Ostersonntag geht es für die Waliser hoch hinaus. Zum Sonnenaufgang stehen sie dann auf einem Hügel und schlagen drei Purzelbäume – aus Freude über die Auferstehung oder weil sie es geschafft haben, am frühen Morgen schon so sportlich zu sein… anschließend geht es zur Frühmesse. In anderen Teilen Großbritanniens werden nur die Ostereier die Hügel hinuntergerollt. Das wiederum gibt es auch in Brandenburg: das Eiertrudeln. Im Mittelalter ließen Kinder reicher Familien die Eier einen Hügel hinunterrollen, wo die Kids armer Familien sie auffingen. In Perleberg muss übrigens heute noch derjenige, dessen Ei am wenigsten gerollt ist, alle anderen Eier einsammeln und zurückbringen.

 

Osterdrachen

Auf Haiti werden nicht die Eier bunt gefärbt, sondern Kinder bauen bunte Drachen. Dazu sammeln sie wochenlang Stöcke, Bindfäden und Plastiktüten, die dann kunstvoll zu einem Winddrachen zusammengebaut werden. An Karfreitag steigen die Drachen dann auf. Weniger friedlich treiben es derweil die Erwachsenen: Bei den Oster-Raras werden mit Trommeln und Rasseln bis Ostersonntag die Dämonen vertrieben. Die lauten Umzüge werden von Tänzern und Akrobaten begleitet.

Tote Heringe

Auch in Irland gibt es Ostersonntagsprozessionen, deren Finale auf einer großen Wiese stattfindet. Hier wurden kleine Gruben ausgehoben. In die legen die Menschen tote Heringe. Damit wird das Ende der Fastenzeit eingeläutet, in der bekanntlich auf Fleisch verzichtet werden soll und der Höhepunkt der Woche der (freitägliche) Fisch war. Der Hering ist übrigens weltweit ein beliebter Speisefisch…

Neue Kleidung

Du brauchst eine Ausrede, um dich an Ostern ganz neu einzukleiden? Dann übernimm doch einfach die istrische Tradition, an Ostersonntag ein bisher ungetragenes Outfit anzuziehen. Auf der Halbinsel an der nördlichen Adria steht die neue Kleidung für den Neuanfang, der mit der Auferstehung Christi beginnt. In einigen Regionen Bulgariens wird der Neue-Kleider-Brauch ebenso hochgehalten.

Mückenschaukel

In Lettland gibt es im Sommer noch mehr Mücken als an unseren Seen. Deshalb gibt es den Brauch, sich vor Mückenstichen zu schützen, indem man an Ostern schaukelt. Dafür gibt es eine spezielle Osterschaukel, die anschließend verbrannt werden muss, sonst wirkt der Zauber nicht. So wird nämlich verhindert, dass die Hexen schaukeln und alles zunichte machen. Ein zweiter Effekt wird dem Osterschaukeln zugesprochen: Vieh und Getreide werden in dieser Saison prächtig gedeihen.

Verbrennungen

Ja, klar, Osterfeuer kennt wohl jeder. Die sollen die Auferstehung und das Licht Gottes symbolisieren. Hierzulande werden auch Kerzen am Ostersonntag am Feuer angezündet und heimgetragen. Früher wurde das Feuer im Herd nur karfreitags gelöscht; um es wieder zu entzünden, brauchte man besagte Kerze. Aber mit Verbrennungen meinen wir hier Vodoo-ähnlichen Zauber, der in Mexiko zelebriert wird. In den Straßen hängen Figuren aus Pappmaché, die auch gut und gern Menschen aus dem wahren Leben darstellen wie unbeliebte Politiker. Die Figuren werden dann Ostersamstag verbrannt und der Sieg des Guten über den Teufel gefeiert. In Spanien nimmt man dafür einfache Strohpuppen.

Rätselbriefe

In Dänemark gibt es seit gut 500 Jahren die Gækkebreve oder auch Narrenbriefe. Dabei geht es kreativ zu: Für den Brief wird nicht nur das Blatt kunstvoll ausgeschnitten und bemalt, in der Mitte wird zudem ein kleiner Vers verfasst. Wer kein Dichter ist, darf auch ein bekanntes Gedicht zitieren. Unterschrieben ist der Brief nur mit Punkten. Die Empfänger müssen raten, von wem der Brief ist und wenn sie es nicht schaffen, bekommt der Absender, der sich dann zu erkennen gibt, ein Schoko-Ei geschenkt.

 

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