Interview

Abfindungen im Steuerrecht

Abfindungen im Steuerrecht
Steuerberater und Dipl. Wirtschaftsjurist Sven Weigel.
Wer behält im Dschungel der vielen Steuerregelungen schon noch den Überblick? Sven Weigel ist Fachmann und kennt sich besonders mit den steuerlichen Vorteilen bei Abfindungen aus.

Sie arbeiten eng verflochten mit einer Rechtsanwaltskanzlei zusammen, die sich auf das Thema Arbeitsrecht spezialisiert hat. Welche Synergien ergeben sich dort?

S.W.: „Spätestens nach einer Kündigung und vor Auszahlung einer Abfindung fragen sich meine Mandanten, was nach Abzug sämtlicher Abgaben und Steuern eigentlich von ihrer Abfindung übrig bleibt. Gibt es Vergünstigungen und unter welchen Voraussetzungen? Auf diese und andere Fragen können wir Antworten geben, denn anders als im Arbeitsrecht wird steuerrechtlich nicht jeder als ‚Abfindung‘ bezeichnete und gezahlte Betrag auch als Abfindung anerkannt.“

Welche steuerlichen Vorteile gibt es für Abfindungen?

S.W.: „Es gibt vor allem die Fünftelregelung für Einkünfte, die über mehrere Jahre erwirtschaftet wurden, aber nur in einem Jahr besteuert werden. Diese Regelung ist für Laien ziemlich schwer zu verstehen.“

Welche besonderen Voraussetzungen verlangt denn das Steuerrecht?

S.W.: „Eine Voraussetzung ist, dass die Entlassungsentschädigung zu einem Verlust von Einnahmen führen muss, mit denen der Arbeitnehmer rechnen  konnte. Zahlungen des Arbeitgebers, die bereits erdiente Ansprüche abgelten, sind weder Abfindungen noch Entschädigungen und können dementsprechend nicht ermäßigt besteuert werden. Zu diesen zählen rückständiger Arbeitslohn, anteiliges Urlaubsgeld, Urlaubsabgeltung und auch Weihnachtsgeld. Keine Entlassungsentschädigung liegt darüber hinaus vor, wenn der Arbeitnehmer selbst kündigt. Des Weiteren muss es durch die Zahlung zu einer ‚Zusammenballung‘ von Einkünften in einem Veranlagungszeitraum kommen. Eine solche ist dann gegeben, wenn der als Entschädigung gezahlte Betrag größer ist als der Betrag, der dem Arbeitnehmer in diesem Kalenderjahr bei Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses ohnehin zugeflossen wäre. Sind alle Voraussetzungen erfüllt und für den Arbeitgeber nachprüfbar, ist der Arbeitgeber verpflichtet, die sogenannte Fünftelregelung anzuwenden. Ein besonderer Antrag des Arbeitnehmers ist nicht erforderlich.“

Wie kann man sich am einfachsten die Vergünstigung sichern?

S.W.: „Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine solch hohe Abfindung ansetzen, dass der bis zum Jahresende wegfallende Arbeitslohn überschritten wird. Noch einfacher ist es, wenn der Arbeitnehmer zum Jahresende ausscheidet und ihm die Abfindung sofort ausgezahlt wird. Ist dies nicht der Fall und wird die Abfindung im folgenden Jahr gezahlt, müssen zur Anwendung der ermäßigten Besteuerung im selben Jahr die Einnahmen des Vorjahres überschritten werden. Zu den Einnahmen im Jahr der Zahlung der Abfindung gehören auch Lohnersatzleistungen wie z. B. das Arbeitslosengeld.“


Quelle: kompakt

WEIGEL - ZIEGLER Steuerberatungsgesellschaft-mbH, Glockenturmstr. 1, 14053 Berlin

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