Berliner Newcomer

Auf einen Drink mit… KID BE KID

Auf einen Drink mit… KID BE KID
Die Musikerin Kid be Kid ist ein wahres Multitalent: Sie spielt drei Instrumente und singt gleichzeitig.
Wir ziehen durch die Bars der Stadt und laden uns Berliner Newcomer als Trinkgäste ein. In Neukölln treffen wir die Sängerin Kid be Kid, die auf der Bühne drei Instrumente gleichzeitig spielt, privat aber überhaupt kein Multitasking beherrscht.

Kennst du diese Straßenmusikanten, die gleichzeitig Mundharmonika und Zieharmonika spielen, dazu singen und trommeln? Noch cooler ist Kid be Kid. Zu ihrer One-Woman-Performance gehören Klavier, Synthesizer, Beat Box und Gesang. Daraus entsteht ein fesselnder Musikstil, der fast schon ein eigenes Genre begründet. Obwohl die gebürtige Berlinerin gerade auf Tournee ist, nimmt sie sich Zeit für ein Interview mit uns.

Wir treffen uns in der Bar Erika und Hilde, die passenderweise ein Klavier hat und genau an der Grenze liegt zwischen Treptow, wo Kid be Kid geboren ist, und Neukölln, wo die Newcomerin heute wohnt. Ihre Wohngemeinschaft umfasst sieben Leuten auf zwei Etagen. „Ich wohne in meiner WG aus Überzeugung, ich finde das geil. Wir mögen das Konzept und kochen oft gemeinsam“, erzählt die Sängerin.

Ursprünglich wollte die Berlinerin Jazzmusikerin werden– gegen den Wunsch ihrer Eltern, obwohl die selbst Berufsmusiker sind. Kid be Kid durfte zwar schon als kleines Kind Klavier spielen, doch es sollte nur ein Hobby bleiben. Geklappt hat das nicht so richtig: Als junge Frau zog sie nach Dresden, weil sie einen der wenigen Plätze für ein Jazzstudium ergattern konnte. Hier entwickelte sie sich musikalisch weiter und baute mit befreundeten Musikern ein Kollektiv in der Undergroundszene auf. Zurück in Berlin spielte sie dann schnell in den angesagtesten Undergroundclubs der Stadt wie das Mensch Meier. Zwar liebt Kid be Kid es zu tanzen, privat geht sie aber gar nicht so oft Feiern. Lieber trifft sie sich mit Freunden in Bars.

QIEZ: Welcher Cocktail wärst du, wenn du hier auf der Karte stehen würdest?

Kid be Kid: „Wäre der genießbar? Vermutlich ist da zu viel Mix drin. Nee, keine Ahnung. Ein Cappuccino vielleicht.“

Hast du schon mal in der Bar jemanden angesprochen? Als Flirt oder freundschaftlich?

Kid be Kid: „Klar, sehr oft sogar. Und das sowohl als auch.“

Die Sängerin Kid be Kid beim Interview

Entspannte Atmosphäre beim Interview im Erika und Hilde.

Die junge Musikerin sagt das, als ob es etwas Selbstverständliches wäre, fremde Menschen anzusprechen. Einen konkreten Anmachspruch hat sie aber nicht, was sie sagt, entscheidet sie je nach Situation. Schüchtern ist die Berlinerin also schon mal nicht. Auch auf der Bühne improvisiert sie lieber, als nur ein Standardprogramm abzuspulen: „Ich erfühle Stücke immer wieder neu. Einzelne Teile der Songs können kürzer oder länger, lauter oder leiser, schneller oder langsamer sein als auf dem Album.“

Wie kam es dazu, dass du Beatboxing mit Klavier kombiniert hast?

Kid be Kid: „Vor drei Jahren habe ich viel rumprobiert mit YouTube-Videos und es mir autodidaktisch beigebracht. Davor habe ich mit Loops gearbeitet, also unverändert wiederholte Sequenzen. Damit bin ich unter dem Namen Loop Motor auf Festivals und in Clubs aufgetreten. Als Ausgleich zu dem actionreichen Projekt habe ich zu Hause wieder mehr Klavier geübt. Dort kam dann die Idee: Wie klingt eigentlich das Klavier mit Beatboxing? Naja, und es klang ziemlich geil.“

Das findet nicht nur die vielseitige talentierte Musikerin selbst, sondern auch ihre Fans sind begeistert. Gerade hat Kid be Kid ihr erstes Album Sold Out veröffentlicht, das sie nun bei deutschlandweiten Konzerten präsentiert.

Du spielst drei Instrumente gleichzeitig: Ist das nicht furchtbar anstrengend?

Kid be Kid: „Ja, das ist schon anstrengend. Beim Konzert sammle ich alles, was ich habe, für die sehr hohe Energieballung zusammen. Das Kunststück dabei ist, trotzdem entspannt zu bleiben, Musik zu machen und nie zu verkrampfen. Die Menschen im Publikum lauschen bei meinen Konzerten jedem Ton. Da geht es nicht um Party, sondern um eine tiefe Stimmung.“

Hast du ein Ritual vor der Show?

Kid be Kid: „Ich putze mir immer die Zähne vor dem Auftritt, damit ich eine gute Mundflora habe. Das ist beim Beatboxing sehr wichtig. Es ist gut, wenn nichts klebt und nervt, sondern alles frisch ist.“

Ihr Künstlername entstand übrigens nach einer eintägigen Ideensammlung im Bett. Kid be Kid soll eine Referenz sein auf ihre Verspieltheit und ihre minimalistischen Songs, die auf ein oder zwei Aussagen runtergebrochen werden können. Als Musikerin bemüht sich darum, die einfache Sicht eines Kindes auf das Leben anzunehmen.

Die Sängerin sitzt auf der Couch.

Klavier mit Gesang und Beatboxing: Kid be Kid singt experimentellen Jazz.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Kid be Kid: „Ich werde weiter an meiner Musik forschen und schauen, wohin es mich verschlägt. 2019 werde ich eine EP rausbringen und eine Doku über das Behind the Scenes eines Newcomers auf Tour veröffentlichen. Diese Doku soll sehr ehrlich sein und nichts beschönigen. Und ich werde auf ein paar Festivals spielen, auf die ich mich schon freue.“

Wir trinken aus und bedanken uns für das spannende Gespräch. Zum Abschluss gibt Kid be Kid uns noch eine Kostprobe ihrer Musik auf dem – etwas verstimmten – Klavier in der Bar. Und auf einmal wird es runderhum ganz leise…

Wer Kid be Kid live erleben will, kann das beim Surff-Festival in Berlin, das von 21. bis 27. Januar 2019 stattfindet.

 

Erika und Hilde, Weigandufer 9, 12045 Berlin

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