Durch den Kiez

Langston Uibel: „Berlin ist sehr kiezig"

Langston Uibel: „Berlin ist sehr kiezig"
Im Restaurant Kuchi starten wir unseren Spaziergang durch den Kiez mit dem Schauspieler Langston Uibel.
Vom Kindersoldaten zum Fußballprofi waren es für Langston Uibel nur ein paar Karriereschritte. Der junge Schauspieler, der gerade in "Dogs of Berlin" zu sehen ist, zeigt uns, warum er Charlottenburg mag und erklärt, was er als Kanzler ändern würde...

Kaum jemand passt so gut in das moderne Berlin wie Langston Uibel: Er ist in London aufgewachsen (Top-Zweisprachigkeitsgarantie), entdeckte schon als Kind seine Leidenschaft für die Schauspielerei und kennt sich in Sachen Food aus (ja, er hatte sogar mal einen eigenen Foodtruck… dazu später mehr). Seit er 2006 mit der Familie nach Berlin zog, lebt der heute 20-Jährige im Westend. Abgesehen davon, dass er von der Schauspielerei nicht lassen konnte und sowohl im Kino (Hanni & Nanni 3) als auch in TV-Serien mitspielte, war seine Jugend gaaaanz unaufgeregt: Er ging zur Schule und spielte auf gutem Niveau Fußball, was ihm immerhin beim Casting zu Dogs of Berlin zugutekam. Als Profifußballer Raphael Bou’Penga wird er dort in die dunklen Machenschaften der Berliner Unterwelt verwickelt. In der Netflix-Produktion spielt Langston Seite an Seite mit bekannten Schauspielgrößen wie Fahri Yardim, Felix Kramer und Anna Maria Mühe. Ein Glücksfall! Bei der Vorbereitung auf die Rolle hat Langston auch seinen kleinen Bruder um Rat gefragt. Pele Uibel, dem als deutschen Junioren-Meister eine große Karriere im modernen Fünfkampf prophezeit wird, weiß bestimmt, was es heißt, zwischen sportlichem Wettkampf und Erwartungshaltungen die Nerven zu behalten: „Um auf so einem hohen Niveau Sport zu machen, braucht es absolute Hingabe und Disziplin – ähnlich wie in der Schauspielerei. Da konnte ich mir von meinem Bruder schon etwas abschauen“, meint Langston, der aber weiterhin mit seinem Vater eher die Liebe zum Fußball teilt und bekennender Hertha-Fan ist.

Bühne und Film

Als erstes führt uns Langston ins Asia-Restaurant Kuchi auf der Kantstraße. Hier reden wir über seine Anfänge in der Schauspielerei. Seine erste Rolle war gleich ziemlich harter Tobak für einen Achtjährigen. Im ausgezeichneten Kurzfilm The String Puppet spielte Langston einen Kindersoldaten. Aber er beruhigt uns: „Es hat sich während des Drehs nicht so brutal angefühlt, wie es im Film aussieht. Das Erschießen haben wir nicht gedreht, das wurde im Nachhinein gemacht.“ So blieb Langston dann auch den düsteren, sozialkritischen Rollen treu wie im Drama Freistatt, in dem er einen Jugendlichen in einem Erziehungsheim spielt, oder auf der Bühne des Deutschen Theaters, wo er Teil des Herr-der-Fliegen-Ensembles war. Apropos Bühne: Aufgeregt ist er, wenn er sich fertige Filmszenen ansieht, in denen er mitgespielt hat, auf der Bühne stört ihn Lampenfieber nicht: „Es ist immer die Frage, ob man Nervosität schlimm findet oder nicht. Ich finde, das ist ein gutes Zeichen.“

 

Im Kant Kino ist Langston zwar gerade nicht zu sehen, dafür aber in der Serie "Dogs of Berlin".

 

Politik aus Überzeugung

Auf seine Hautfarbe will Langston bestimmt nicht reduziert werden, allerdings ist die hiesige Filmlandschaft (oder auch ganz Deutschland?) noch nicht so entspannt, wie die britische Filmindustrie, in der sich Colour-Blind-Castings mehr und mehr durchsetzen. Viele seiner Rollen haben also meist noch einen Bezug zu seinen äußerlichen Merkmalen. Für Langston scheint das aber kein Grund zu sein, wieder nach London zurückzukehren, überhaupt wirkt er nicht wie ein Mensch, der vor Problemen davonläuft. Im Gegenteil: Als politisch engagierter Mensch setzt sich Langston allgemein für Chancengleichheit ein. Politik war auch in der Schule sein Lieblingsfach, neben Geschichte und Geographie… also „alles was mit Menschen zu tun hat.“ Derzeit überlegt er tatsächlich, neben der Schauspielerei ein Politikstudium zu beginnen. Und was würde er als Erstes machen, wenn er Bundeskanzler wäre? „Das Bildungssystem modernisieren“, erklärt Langston. Natürlich motzen alle Schüler über ihre Schulzeit, Langston war aber nicht einfach nur unzufrieden mit dem Schulsystem und seinem Direktor: Seiner Meinung nach fehlt in Deutschland das Verständnis für moderne Berufsbilder. Für ihn war immer schon klar, dass er Schauspieler werden wollte, während die meisten Lehrer das sicher noch immer für einen Flausenberuf halten.

Lieber Dokus gucken statt Abfeiern

Vor allem in High Society durfte Langston neben Emilia Schüle und Katja Riemann jüngst beweisen, dass ihm Komödien ebenso liegen wie harte Dramen. Im Privatleben liebt er es eindeutig entspannt. Wenn er ausgeht, dann weniger zum Kaffeetrinken oder Abfeiern, eher um Freunde in einer Bar zu treffen oder sie zu Hause zu besuchen. Darum mag er auch Charlottenburg so gern: „Es ist ruhig, aber gleichzeitig so zentral. Kein Ausgehviertel, aber ich muss auch nicht unbedingt da wohnen, wo immer so viel los ist. Und es ist einigermaßen grün und schön sauber.“ Auf die Frage, mit wem er gern mal Essen gehen würde, nannte er in einem anderen Interview Michelle und Barack Obama. Politik scheint also wirklich ganz seins zu sein. Rate mal, was er noch gerne in seiner Freizeit macht: politische Dokus gucken. „Viele Dokus sind aber total trashig. Nur weil eine Sendung eine Doku ist, muss sie nicht zwangsläufig lehrreich sein“, erklärt er lachend.

 

Wir spazieren die Kantstraße hinunter - die Langston aus seiner Kindheit noch weniger modern kennt.

Kein Vollblut-Influencer

Als wir den Kudamm hinunter spazieren, gesteht uns Langston, dass er eigentlich kaum shoppen geht. Krass, schließlich kommt er auf Instagram immer super-stylisch daher: „Ich habe mittlerweile alles, was ich brauche“, meint er trocken, „zum Beispiel Klamotten von meinem Vater oder so. Ich wachse ja nicht mehr“, sagt er. Immerhin können wir ihm noch entlocken, dass er (ein wenig) eitel ist. Für eine richtig gute Rolle würde er aber selbstverständlich auch zunehmen. Was eine gute Rolle für ihn ausmacht? Sie darf nicht zu offensichtlich sein, damit sie ihn interessiert: „Je detaillierter und tiefer man in die Rolle und in das Milieu eintauchen kann, desto mehr Spaß macht es.“ Während er die Schauspielerei sehr ernst nimmt, ist der ganze Social-Media-Kram für ihn nur Spielerei. Das ist zwar fast altmodisch, aber doch sympathisch.

Berlin, du kannst so hässlich sein

Wir landen auf dem abgesperrten, kitschigen Breitscheid-Weihnachtsmarkt, nicht gerade Langstons Wunschziel. Weihnachtsmärkte mag er nicht besonders. Zum Glück ist es noch nicht so voll wie nach Sonnenuntergang. Wir kommen ohne Schubser gut durch die schmalen Gassen. „Die Unfreundlichkeit und Rücksichtslosigkeit in Berlin nervt mich, das hat nichts mit Berliner Schnauze zu tun. Wenn jemand auf der Straße neben dir zusammenbrechen würde, würde das keinen interessieren. Das ist für mich ein Zeichen einer schwachen Gesellschaft“, sagt Langston. In seiner Geburtsstadt London sei das anders, dort seien die Menschen freundlicher. Dennoch schlägt sein Herz für unsere Hauptstadt, auch, weil man hier einfach alles machen kann und sich keiner daran stört: „Dabei hat man nicht das Gefühl, als würde man in einer Metropole leben. Berlin ist sehr kiezig.“

Auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz.

London oder Berlin

Es gibt Zeiten, da fliegt er jede Woche nach London – auch um seinem Vater zu helfen, der die Dalston Jazzbar betreibt. Dort legt Langston manchmal als DJ auf, wenn sich die Bar um Mitternacht in einen Club verwandelt. In der Bar fühlt er sich wohl, schließlich zählt Jazz zu seinen Lieblingsmusikgenres. Eigentlich hört er alles quer durcheinander, wenn er ehrlich ist: „Meine Lieblingsmusikerin ist Amy Winehouse – da trifft alles Schöne zusammen, Pop, Hip Hop und R&B“, schwärmt er. Als Entschuldigung für seinen breiten Musikgeschmack könnte man anführen, dass sein Vater aus Jamaika stammt, eine Insel die für Rhythmus pur steht. Ok, der Übergang hinkt… Dieses Jahr war Langston das erste Mal selber auf Jamaika. Einen Monat lang reiste er um die Insel und besuchte unter anderem die Schwester seiner Oma, die immer noch dort lebt.

Jamaika oder Japan

In Berlin lebt er seine jamaikanische Seite am Herd aus, wenn er Curry Chicken kocht. Ansonsten schwärmt er für den Rindfleisch-Spieß im El-Reda in Moabit oder Charlottenburgs beste Falafel im libanesischen Imbiss Zaím Falafel auf der Kantstraße, wo er schon früher nach der Schule oft anzutreffen war. Aber auch asiatisch mag er gerne: nicht nur im Kuchi. Eine Zeit lang betrieb er mit alten Schulfreunden den japanischen Foodtruck Yamen Ramen und verkaufte Ramen-Suppe auf Events. Gescheitert sind sie nicht an ihren kulinarischen Ansprüchen: Am Ende fehlte es an der Zeit für die strengen Behördenauflagen… Aber wir sind sicher, dass uns Langston Uibel nicht zum letzten Mal mit einem verborgenen Talent überrascht –  auf der Bühne, der Leinwand oder im wahren Leben.

Vom Savigny- bis zum Breitscheidplatz und zurück: Das war unsere Tour durch den Kiez in Charlottenburg mit Langston Uibel.

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