Interview

Viele Irrtümer im Erb- und Familienrecht

Rechtsanwältin Eva-Maria Fritzsch erklärt im Gespräch, wer im Todesfall in einer Familie erbt und warum es aus juristischer Sicht auch noch Sinn macht zu heiraten, wenn man bereits 30 Jahre ohne Trauschein zusammenlebt.

Wenn der Mann stirbt und Ehefrau und Kinder hinterlässt, erbt dann die Frau alles?

E.-M.F.: „Nein. Wenn kein Testament vorliegt, tritt gesetzliche Erbfolge ein, d. h. im Falle der gesetzlichen Güterform der Zugewinngemeinschaft erben Frau und Kinder jeweils die Hälfte.“

Angenommen, es gibt keine Kinder, erbt die Ehefrau dann alles?

E.-M.F.: „Das kommt darauf an, ob es noch Eltern oder Geschwister gibt, diese haben ggf. Anspruch auf ein Viertel.“

Kann man das durch ein Testament zugunsten der Ehefrau unterbinden?

E.-M.F.: „Zum Teil: Eltern haben einen gesetzlichen Pflichtteilsanspruch, können also nicht durch Testament ganz ausgeschlossen werden, wohingegen Geschwister nicht pflichtteilsberechtigt sind.“

Wenn meine Partnerin und ich schon mehr als 20 Jahre unverheiratet zusammenleben, erbt sie dann nach mir?

E.-M.F.: „Nur, wenn Sie ein Testament zu ihren Gunsten gemacht haben. Ansonsten tritt gesetzliche Erbfolge ein, und sie erhält nichts.“

Ändert sich daran etwas, wenn wir gemeinschaftliche Kinder haben?

E.-M.F.: „Nein.“

Wenn meinem Ehepartner etwas zustößt und eine Operation ansteht, werden meine Kinder und ich dann gefragt?

E.-M.F.: „Nein, allein die Tatsache, dass man Ehegatte oder Kind des Betroffenen ist, reicht keineswegs. Man sollte unbedingt einen Notar aufsuchen und eine Vorsorgevollmacht beurkunden.“

Hat es juristisch irgendeinen Sinn, noch zu heiraten, wenn man schon 20 oder 30 Jahre zusammenlebt und die Kinder erwachsen sind?

E.-M.F.: „Ja, natürlich: Zum einen entstehen wechselseitige Rentenanwartschaften durch die Eheschließung, zum anderen hat jeder Ehegatte gegenüber dem anderen einen Erbschaftsteuerfreibetrag in Höhe von 500.000 Euro gegenüber jeweils 20.000 Euro bei Unverheirateten.“

Kann man denn heute durch Eheverträge schon Unterhaltspflichten usw. ausschließen?

E.-M.F.: „Wenn keine kleinen Kinder da sind, kann man sowohl den nachehelichen Unterhalt als auch etwaige Rentenansprüche komplett ausschließen. Die Angst vieler, im Falle einer Scheidung finanzielle Nachteile zu haben, ist also bei kluger vertraglicher Regelung völlig unbegründet.“


Quelle: kompakt

Fritzsch Eva-Maria, Schloßstraße 26, 12163 Berlin

Fritzsch Eva-Maria

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