Rachs Restaurantschule

Jagdfieber am Gendarmenmarkt

Die 31-jährige Eylem ist eine von Rachs zehn Restaurantschülern. Im Roten Jäger hat sie eine Perspektive.
Die 31-jährige Eylem ist eine von Rachs zehn Restaurantschülern. Im Roten Jäger hat sie eine Perspektive. Zur Foto-Galerie
Seit Anfang März hat das neue Ausbildungsrestaurant Roter Jäger unter Schirmherrschaft des Sternekochs und Restauranttesters Christian Rach am Gendarmenmarkt eröffnet. In der Berliner Jägerstraße geht "Rachs Restaurantschule" damit in die zweite Runde. Ab Montag, dem 16. April, läuft die aktuelle Staffel an. Das Lampenfieber unter den Schülern steigt. 

Mit der weißen Jacke sieht Eylem wie eine ganz gewöhnliche Köchin aus. Doch am Montag werden voraussichtlich Millionen Deutsche die 31-Jährige über den Bildschirm flimmern sehen. Die Mainzerin ist eine von zehn Teilnehmern, die in Rachs Restaurantschule eine Ausbildung und damit eine große Chance erhalten. Von 15. Januar bis zur Eröffnung des Roten Jägers am 5. März waren Kameras die ständigen Begleiter der zusammen gewürfelten Gruppe. „Die Schüler sind alle sehr speziell. Was andere aussortieren, haben wir aufgefangen“, erklärt Restaurantleiter Jens Scholz. Die meisten Auszubildenden hatten Probleme, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Manche waren kriminell, andre drogenabhängig, depressiv oder hatten einfach viel Pech. Christian Rach will mit seinem Ausbildungskonzept ein Zeichen setzen, dass jeder auch eine zweite, wenn es sein muss auch dritte Chance verdient habe.

Zunächst bekamen die Restaurantschüler viel graue Theorie vermittelt. „Wir haben ganz unten bei den Basics angefangen. Das ist ein Stück Fisch, das ein Stück Fleisch“, denkt Scholz grinsend an die blutigen Anfänge zurück. „“Und wir wollten den Schülern zu Beginn das Bewusstsein für die Produkte und Wertschätzung gegenüber Leben und Lebensmittel vermitteln“, ergänzt er. In der Lehrküche üben die Schüler weiterhin fleißig und knobeln neue Gerichte aus. In Bottichen dampft angesetzter Soßensud. Noch läuft nicht alles wie geschmiert. Drei Monate reichen eben nicht, um eine vollständige Ausbildung zu ersetzen. „Mal dauert es fünf Minuten länger. Das sind noch keine perfekten Servicekräfte oder Köche“, betont Scholz. Doch die Teilnehmer sind auf einem guten Weg. Serviceleiterin Janina Otter steht ihnen dabei mit Rat und Tat  zur Seite. Zudem betreuen und begleiten die beiden Küchenchefs Helge Sanct-Johannis und Christopher Müller sie intensiv.

Multikulturelle Gruppe und Küche

Wie ein roter Faden zieht sich das Motto Jagd durch das gesamte Restaurant. Hirschbilder und Geweihe zieren die weißen Wände. Auf der Speisekarte wird mit Begriffen aus dem Jäger-Jargon gespielt. Ein dreigängiges Mittagsmenü vegetarisch, mit Fleisch oder Fisch kostet moderate 11,50 Euro. Deutsche Küche mit multikulturellen Einflüssen kommt auf den Tisch. „Rachs Favorit sind Königsberger Klopse, asiatisch angehaucht, etwa mit indischen Gewürzen“, verrät der Restaurantleiter.

Von den elf Schützlingen sind noch zehn im Betrieb. Eine Teilnehmerin hat die Restaurantschule verlassen. Ein Schüler  hat einen Praktikanten-, ein andrer einen Arbeitsvertrag erhalten. Acht der Teilnehmer stehen nun in einem Ausbildungsverhältnis. Der 26-jährige Micha, eigentlich gelernter Florist, ist einer davon. Er hatte nie die Möglichkeit, in seinem eigentlichen Beruf tätig zu sein und bekam vom Arbeitsamt den Vorschlag, sich zu bewerben. Prompt hat es geklappt. Mit einem kurzen „Hart aber herzlich“, bewertet die angehende Fachkraft im Gastrogewerbe den Lehrmeister Rach. „Für mich ist der eine richtige Autoritätsperson. Ich bewundere ihn total“, beschreibt Koch-Azubi Eylem. Fast schon „ehrfürchtig“ sei sie ihm anfangs begegnet, wurde in seiner Anwesenheit immer nervös. „Das kann an dann im Fernsehen bestimmt gut sehen!“, lacht sie.

Die Ruhe vor dem Sturm

Als „großes Glück“ bezeichnet Eylem es, von Anfang an bei der Entstehung dabei gewesen zu sein. „Der rote Jäger ist unser Baby.“ Wie sich das entwickelt, bleibt abzuwarten. Schirmherr Rach werkelt auch nach den Dreharbeiten viel im Hintergrund. Einmal pro Woche kommt er von Hamburg nach Berlin. „Das Unternehmen gemeinsam auf die Erfolgsspur zu bringen“, sieht Jens Scholz als Herausforderung. Immerhin muss sich das Restaurant selbst tragen. Für konstruktive Kritik jeglicher Art sei man dankbar. Noch findet das Team Zeit zum Durchatmen. „Der Rote Jäger liegt an der unbelebten Seite des Gendarmenmarkts. Hierher verirrt sich wenig Laufkundschaft.“, erklärt Scholz. Wenn die zweite Staffel der wohl berühmtesten Restaurantschule Deutschlands anläuft, dürfte es mit der Ruhe vorbei sein. Im Innenbereich finden 120 Gäste Platz. Wenn bald die „Rach-Touristen“ antanzen, wie Jens Scholz es nennt, dürfte es eng werden. Zum Jagdfieber gesellt sich darum langsam Lampenfieber. Scholz rät den „Fernseh-Stars“, trotz des Trubels auf dem Teppich zu bleiben. Jetzt gilt es, sich im harten Restaurantalltag zu beweisen. Dafür bleibt nur „Waidmanns Heil“ zu wünschen.

Jeden Montag um 21.15 Uhr können in sechs Folgen die Restaurantschüler in der RTL-Serie „Rachs Restaurantschule“ begleitet werden. Am Montag, 16. April startet die Serie ausnahmsweise mit einer Doppelfolge bereits um 20.15 Uhr.

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Roter Jäger, Jägerstraße 28, 10117 Berlin

Telefon 030 80 49 33 66

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täglich von 10:00 bis 01:00 Uhr

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