Jagdschloss Glienicke

Ende des Baustopps in Sicht

Neuigkeiten im Streit um die Fassade des Jagdschlosses Glienicke. Seit einiger Zeit geht es um den Erker aus den Sechzigerjahren: Der Senat will ihn haben, der Bezirk aber nicht zahlen. Jetzt wird er durch ein Gutachten dazu verpflichtet.

„Die Holzköpfe haben sich durchgesetzt“, so Norbert Schmidt (CDU), der Stadtrat für Stadtentwicklung in Steglitz-Zehlendorf. Er ist wütend, besonders auf den Chef des Landesdenkmalamtes, Jörg Haspel, aber auch auf den Senat. Sie haben bereits vor Langem beschlossen, dass am Jagdschloss Glienicke der Sechzigerjahre-Anbau aus Stahl und Glas vom Architekten Max Taut wiederentstehen soll. Der Bezirk sträubte sich. „Wir wollten uns nicht an dieser schändlichen Tat beteiligen“, so Schmidt. Darum hatte er auf ein Rechtsgutachten auf Ebene des Bezirks gehofft. Das sollte Klarheit darüber bringen, ob der Bezirk sich weigern darf, die Bauaufträge zu erteilen. Das Resultat wurde am Dienstag in einer Bezirksamtssitzung veröffentlicht: Steglitz-Zehlendorf muss sich darum kümmern, dass der Sechzigerjahre-Erker rekonstruiert wird. Es wird also bald wieder gebaut am Jagdschloss – wann, ist allerdings nicht klar.

Der Streit währt nun schon viele Monate und auch über Wannsees Grenzen hinaus. Ginge es nach dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf, so wären die Fassade und eine Freitreppe vom Hofbaumeister Albert Geyer aus dem 19. Jahrhundert rekonstruiert worden. Doch für den Taut’schen Anbau liegt bereits eine Baugenehmigung vor, seit sich der Vorgänger von Schmidt 2011 mit dem Denkmalamt auf den Wiederaufbau geeinigt hatte. Als Schmidt die Geschäfte im August 2011 übertragen wurden, erklärte er die Einigung für hinfällig – und der Bezirk veranlasste einen Baustopp.

Bei sofortiger Wiederaufnahme der Bauarbeiten wäre das Schloss im Herbst bezugsfertig

Spaziergänger schauen seitdem auf eine große Plane aus Plastik an der Fassade, dahinter klafft ein riesiges Loch. Ausflüglern geht das so langsam auf die Nerven. „Das gibt’s nicht: Die bauen ja immer noch!“, sagt der Zehlendorfer Volker Riede, als er vom Fahrrad abgestiegen ist. „Das sollte doch schon vor einem Jahr fertig sein.“

Da, wo seit Monaten die weiße Plastikplane hängt, stand einmal der Erker von Taut, bis er durch die Folgen eines Feuers im Jahr 2003 in einem solchen Ausmaß beschädigt wurde, dass er abgebaut werden musste. „Auch die Taut-Variante muss komplett neu gebaut werden“, so Schmidt. „Man hätte nichts Denkmalgeschütztes abreißen müssen, um die historische Fassade wieder aufzubauen.“ Laut dem Denkmalschutz ist das aber nicht möglich: Tauts Fassade ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes Glienicke und gelte als Symbol für die Zeit des kalten Krieges. Die Mauer befand sich direkt hinterm Jagdschloss.

Laut Christina Petersen, der beauftragten Architektin, gilt dieses Argument nicht: Wenn sich die Umstände ändern, könne sich in einzelnen Fällen auch der Bau ändern. Dieser Spielraum sei in der Unesco-Charta enthalten. Den langwährenden Stillstand an der Baustelle findet sie unerträglich. Man müsse die Fassade jetzt schließen. „Wenn wir jetzt loslegen, wäre das Schloss im Herbst bezugsfertig“, so Petersen.

Vergabe der Bauaufträge soll zügig wiederaufgenommen werden

Dass das funktioniert, darauf hofft auch die Senatsbildungsverwaltung. Sie ist die Bauherrin, weil sie in dem Schloss eine sozialpädagogische Bildungseinrichtung betreibt. Ständig habe man dort Veranstaltungen absagen müssen, weil Räumlichkeiten ohne Fassade nicht zu nutzen seien, so ein Sprecher der Bildungsverwaltung. „Jeden Tag entstehen dadurch Kosten.“ Schadensersatzforderungen gegenüber dem Bezirk seien geprüft worden. Sie sollten jetzt aber erneut überdacht werden. „Wir freuen uns vor allem über ein absehbares Ende“, so der Sprecher.

Die Vergabe der Bauaufträge werde schnell fortgeführt, sagt Michael Karnetzki (SPD), der Bezirksstadtrat. Im Anschluss an die Vergabe werde es noch zehn bis zwölf Wochen dauern, bis der Taut’sche Erker wiederaufgebaut sei. Stadtrat Norbert Schmidt hingegen fühlt sich im Stich gelassen. Im Senat habe man ihm auf die Schulter geklopft mit den Worten: „Bleib’ hart in dieser Frage“. Aber kaum jemand habe gegenüber dem Denkmalchef Position bezogen. Selbst der Regierende Bürgermeister hätte lieber die historische Fassade gewollt, habe sich jedoch nicht dafür eingesetzt.

Lesen Sie hier mehr zum Jagdschloss Glienicke:


Quelle: Der Tagesspiegel

Schloss Glienicke, Königstraße 36, 14109 Berlin

Telefon 030-8054000

Webseite öffnen
E-Mail schreiben


Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr

Weitere Artikel zum Thema

Sehenswürdigkeiten
Taut-Fassade fertiggestellt
Am ersten November wurde die restaurierte Fassade des Jagdschloss Glienicke der Öffenlichkeit präsentiert. Lange hatte […]
Freizeit + Wellness | Sehenswürdigkeiten
Top 10: Fabrikgebäude im Wedding
Der Wedding, wie wir ihn heute kennen, ist ohne seine Industriegeschichte undenkbar. Heute ist produzierendes […]
Sehenswürdigkeiten | Ausflüge + Touren | Kultur + Events
So schön sieht Berlin zu Weihnachten aus
Es ist Weihnachten und Berlin wird zum Meer aus Lichtern und Besinnlichkeit. Diese Instagram-Bilder bringen […]