Friedenau, Schöneberg
007-Gegenspieler Michael Pink

Bond-Bösewicht aus Friedenau

Bond-Bösewicht aus Friedenau
Wer hätte gedacht, dass ein Friedenauer einmal zum Gegenspieler für James Bond wird? Schauspieler Michael Pink hat es mit dieser Rolle ins große Hollywood-Kino geschafft.
Michael Pink ist ein drahtiger Mann und hat das hagere Gesicht eines Schurken. Das hat dem 35-jährigen Schauspieler eine Nebenrolle im neuen James Bond-Streifen "Skyfall" eingebracht, wo er wild kämpft und um sich schießt. Dabei sieht der Alltag des Friedenauers sonst ganz anders aus …

Der Wehrdienstverweigerer und Familienvater Pink beherrscht tödliche Tritte und Schläge und weiß, wie man nach einem Schuss in die Extremitäten authentisch zu Boden stürzt. Zur Anwendung kommen seine Kampftechniken aber nur im Film. Wenn er nicht dreht oder im Synchronisationsstudio steht, bringt er gern seine kleine Tochter in den Kindergarten und sitzt in einem gut-bürgerlichen Café, in dem im Hintergrund Jazzmusik läuft.

In den nächsten Wochen könnte diese ruhige Idylle etwas gestört werden. Gut möglich, dass demnächst Autogrammjäger und Presse hinter ihm her sind und er als deutscher Schurke weltweite Bekanntheit erlangt wie zuvor bereits die Schauspieler Götz Otto, Gottfried John oder Clemens Schick.

Handlanger von Javier Bardem

Vor knapp einem Jahr drehte Pink in den Pinewood Studios in London, in denen traditionell jeder 007 aufgenommen wird. Zunächst wurde er von Regisseur und Oscarpreisträger Sam Mendes nur für eine Woche gebucht. Doch nach und nach kamen immer mehr Szenen dazu, denn er überzeugte gleich bei seinem ersten Auftritt, für den er ganze 15 Stunden lang warten musste. Pinks Geduld zahlte sich aus und er erhielt weitere Szenen als Handlanger des Bösewichts Raoul Silva, der von Javier Bardem verkörpert wird.

Trotz der vielen Drehauftritte kennt der Wahl-Schöneberger den Inhalt des neuen Bond-Filmes nicht. Man hat ihm nur die Szenen aus dem Drehbuch kopiert, in denen er mitspielt. Der Rest ist, passend zum Filmthema, streng geheim. Erst bei der Premiere am 30. Oktober 2012 im Theater am Potsdamer Platz hat auch Pink, der für den Film wochenlang mit Stuntmännern probte, erfahren, worum es eigentlich genau geht.

Bekannt wurde der gebürtige Kärntner, der in Wien Schauspiel studierte und vor neun Jahren nach Berlin kam, vor allem durch eine Internetserie namens Moabit Vice, einer Parodie auf die legendäre Actionserie Miami Vice. Später trat er in einem Video des Musikers Frauenarzt auf, der mit dem Song „Das geht ab – wir feiern die ganze Nacht“ einen Überraschungshit landete. Plötzlich wurde Pink selbst in der Kita seiner Tochter von Leuten angesprochen.

Von Bösewichten und heiteren Songs

Obwohl Pink mittlerweile oft im Fernsehen zu sehen ist, wie bei Soko Kitzbühel, Küstenwache oder letztes Jahr in einer Hauptrolle im Tatort, liebt er nach wie vor Independent-Produktionen. Neulich saß er in der Jury eines Festivals für Trashfilme. Seine zweite Leidenschaft neben der Schauspielerei gilt seiner Band. Vor kurzem spielte Pink mit seinem Partner und Gitarristen auf einer Benefiz-Veranstaltung zur Krebsprävention bei Kindern.

Wenn die beiden proben, passiert das oft in Pinks gediegener Altbauwohnung in Schöneberg. Inmitten von frisch gewaschener Wäsche, Kinderzeichnungen und Kaffeeduft singt Pink dann fröhlich heitere Songs, die dem Bild des Profi-Bösewichts ferner nicht sein könnten.


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Bond-Bösewicht aus Friedenau, Sieglindestraße, 12159 Berlin

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