Interview

Jannik Schümann: Aus der Klinik zu Keira Knightley

Jannik Schümann: Aus der Klinik zu Keira Knightley
Er wird mit jedem Jahr besser: Jannik Schümann erobert nun den internationalen Filmmarkt.
Wenn er irgendwo auftaucht, gerät die Damenwelt ins Schwärmen. Das ist nicht immer von Vorteil für einen Schauspieler, der so viel mehr kann als gut aussehen. Wir trafen Jannik Schümann zum Gespräch…

Der gebürtige Hamburger gehört zu der angesagten jungen Schauspielgarde, die momentan die spannenden Filme und Klatschseiten untereinander aufteilt. Mit dabei sind Emilia Schüle, Jannis Niewöhner, Sonja Gerhardt, Hannah Herzsprung… und eben Jannik Schümann, der schon als Kind vor der Kamera stand. Spätestens seit er in Homevideo (2011) als Henry einen Mitschüler mit einem Video erpresst hat, weiß die Filmwelt, was sie an ihm hat. Immer achtet der 27-Jährige darauf, nicht in der Nur-Schön-Falle zu landen. Er spielt Manipulatoren, eine Transsexuelle, eiskalte Teenager… Seit zwei Jahren führt wirklich kein Weg mehr an ihm vorbei: Jugend ohne Gott, High Society, Tatort und natürlich Charité.

Sein erster internationaler Einsatz bringt ihn ans Set von Niemandsland – The Aftermath und an die Seite von Keira Knightley. „Eine Szene hatte ich ja leider gar nicht mit ihr zusammen“, gesteht er und lacht: „Aber ich durfte fünf Tage neben ihr in der Maske verbringen.“ Das hat Eindruck gemacht, denn die ernste Schönheit, die man aus den historischen Filmen kennt, hat nichts mit der echten Keira gemein. „Sie ist total lustig, ironisch und jung – irgendwie die perfekte Freundin von nebenan.“ Tja, Jannik nun eine Affäre mit ihr anzudichten, wäre zu weit hergeholt… überhaupt: Er schafft es tatsächlich, gerüchtefrei in Sachen Liebe zu bleiben. Er habe einen sehr guten Berliner Freundeskreis, erzählt er uns. So wie die alle dicht halten und nichts über Janniks Privatleben rauslassen, kann das nur stimmen.

Gegen Rechts

Für Niemandsland – The Aftermath, wo er einen Jungen aus einem Nazi-Geheimbund spielt, musste Jannik sich wieder einmal mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen. Die Frage, wie er sich damals verhalten hätte, stellt er sich oft, aber eine befriedigende Antwort darauf kann er nicht finden. Wichtiger ist ja auch, wie er sich heute verhält. Als Schauspieler mit einer großen Reichweite in den sozialen Netzwerken ist er sich seiner Verantwortung sehr bewusst. „Es ist wichtig, für seine Überzeugung geradezustehen und zu bedeutenden Demos und zum Zusammenhalt gegen rechte Gesinnungen aufzurufen.“ Die Unteilbar-Demo hat ihm sehr bewusst gemacht, wie krass die Zeiten sind, in denen wir heute leben. „Dass wir wieder für Freiheit und Gleichberechtigung auf die Straße gehen müssen, das macht Angst.“ Aber seinen Optimismus will er sich nicht nehmen lassen und so sieht er auch die Möglichkeiten, mit Filmen etwas zu bewirken oder Menschen zum Nachdenken anzuregen.

 

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Ein Beitrag geteilt von Jannik Schümann (@jannik.schuemann) am Mär 29, 2019 um 1:34 PDT

Neue Heimat

In Berlin hat Jannik nun ein Zuhause gefunden, und auch wenn er sich nicht mehr vorstellen kann, zurückzuziehen, bleibt Hamburg immer seine Heimat. Als er 2010 nach dem Abi in die Hauptstadt zog, wollte er Abstand nehmen zu seinen Lieben: „Ich bin ein totaler Familienmensch, wenn ich geblieben wäre, hätte ich die Abnabelung nicht geschafft.“ Das Freiheitsgefühl, das Verrückte, das Laute, das Bunte hier will er nicht mehr missen. Mittlerweile studiert er sogar hier an der Humboldt Universität Anglistik und Medienwissenschaften – auch kein sichereres zweites Standbein: „Deshalb habe ich mir das nicht ausgesucht“, Jannik lacht. „Ich wollte zwischen den Drehs etwas zu tun haben, um nicht im Kopf einzuschlafen oder in ein schwarzes Loch zu fallen.“ Und er macht es ordentlich, Prüfungen inklusive. Zuverlässigkeit und Bodenständigkeit sind selbstverständlich für ihn, er kommt aus einer Handwerker-Familie: Seine Brüder und sein Vater sind Maurer. Wie gut für uns, dass er den Weg in die Glamour-Welt trotzdem gefunden hat.

Niemandsland – The Aftermath startet am 11. April 2019 bundesweit in den Kinos.

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