"Boa"

Ist Boatengs Magazin schon meisterlich?

Ist Boatengs Magazin schon meisterlich?
In der ersten Ausgabe des Magazins "Boa" präsentiert uns Jerome Boateng 'sein' Deutschland.
Berlin diskutiert vor allem über Jerome Boatengs Vorwürfe an Marzahn und Weißensee, doch was steht noch drin in der neuen Zeitschrift des Bayern-Stars? Wir haben „Boa“ probegelesen …

Seine Töchter dürfen nicht in die zwei doch recht unterschiedlichen Berliner Stadtteile Weißensee und Marzahn – durch diese in anderen Medien verbreitete Aussage von Jerome Boateng wurden viele Hauptstädter auf dessen neue Zeitschrift Boa aufmerksam. Sie stammt aus einem Doppelinterview mit Boateng und Herbert Grönemeyer, das in der ersten Ausgabe des Testimonial-Magazins erschienen ist. An manchen Orten habe man als Mensch mit anderer Hautfarbe „immer etwas zu befürchten“, sagt der in Berlin aufgewachsene Profifußballer darin. Zu seinen Aussagen haben sich inzwischen schon Lokalpolitiker aus den betroffenen Bezirken geäußert; ein Marzahner Fußballtrainer lud Boateng via BZ in die Gegend ein.

Die Diskussion ist zweifellos wichtig, doch uns hat auch interessiert, was die Erstausgabe von Boa noch zu bieten hat. Für sogenannte Testimonial-Magazine wie Boa geben Prominente ihren Namen und ihr Gesicht und sind in meist begrenztem Umfang in redaktionelle Entscheidungen eingebunden. Texte schreiben sie jedoch eher selten. Bekannte Beispiele sind Barbara (Schöneberger), Guido (Kretschmer) oder Joko Winterscheidts JWD. Außer im Interview taucht Jerome Boateng in ’seinem‘ Heft noch als Produktempfehler und Model auf – und natürlich auf dem Titel sowie nach sieben Seiten Werbung im Vorwort, hier The Message genannt. Für die Promotion war er ebenfalls im Einsatz und verkaufte Boa höchstpersönlich in einem Späti am Mariannenplatz.

 

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Ein Beitrag geteilt von Jerome Boateng (@jeromeboateng) am Nov 12, 2018 um 3:22 PST

 

Sneakers, Shindy, Caro Daur

Ansonsten geht es im Magazin um „Sport, Musik, Style und das Leben“, wie es Boateng im Vorwort ankündigt. Das trifft es schon ganz gut. Dass der Fußballspieler Street Style und Hip-Hop-Kultur schätzt, ist bekannt und wird auch in der Erstausgabe deutlich. Es gibt eine Fotostrecke mit Sneakern und Sportwagen, die Story der weltweit operierenden Graffiti-Crew 1Up, von deren Mitgliedern selbst erzählt, sowie die starke Reportage über den Rapper Shindy und dessen Probleme mit Bushido und dem Abou Chaker-Clan. Generell haben uns die längeren Texte überzeugt.

Es dürfte gerne noch mehr davon geben, denn es überwiegen die kurzen Happen. Die sind wohl an die Generation Social Media gerichtet, die erkennbar auch zu der Zielgruppe von Boa gehört. Eine Modestrecke mit der bekannten Bloggerin Caro Daur, neun Kurzweisheiten von DJ Khaled oder die Berliner Influencerin Wana Limar, die sich kritisch mit ihrem Smartphone auseinandersetzt, deuten in diese Richtung. Falsch ist daran per se nichts. Ob es aber für eine gedruckte Zeitschrift taugt, muss sich zeigen. Wir hätten lieber noch eine tolle Story mehr gelesen – wie die über die Guerilla-Köche in South Central LA.

Visuell setzt Boa auf viele halb- und ganzseitige Fotos, bei den Überschriften auf große Typografie, ein bisschen „in your face“ eben. Das sieht nicht hässlich aus, aber auch nicht übermäßig originell. Besser in dieser Hinsicht, zumindest inhaltlich, ist der Rausschmeißer auf der letzten Seite: die Wahrheiten dieser Ausgabe, prägnante Sätze zu den wichtigsten Themen des Heftes. Da sind wir doch mal gespannt wie es weitergeht mit Boa. Die Grundlagen sind da, Luft nach oben auch – wie beim FC Bayern eben.

„Boa“ erscheint voraussichtlich alle zwei Monate bei Territory aus dem Hause Gruner & Jahr und kostet 4,90 Euro.

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