Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Jan Dimog: Weltenbummler im Florakiez

Jan Dimog: Weltenbummler im Florakiez
Journalist, Autor, Filmemacher: Jan Dimog.
Der Journalist und Filmemacher ("Countdown Afghanistan") reist jobbedingt sehr viel - von Istanbul über Kabul bis Schardscha in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Umso wohler fühlt er sich in seinem beschaulichen Zuhause in Pankow.

Wir treffen uns im gemütlichen Café Pakolat im Helmholtzkiez. Der Wahl-Pankower Jan Dimog steht einfach zu sehr auf das Bohnengold hier. Er hat sich gleich mit einer frisch gemahlenen Portion Kaffee eingedeckt, an der er immer wieder begeistert schnuppert. Zuhause ist der Autor seit Ende 2009 im Florakiez, in dem er sich sehr wohl fühlt. „Ich hoffe, die Durchmischung der Bevölkerung bleibt erhalten“, sagt Dimog. „Hier wohnen auch Alteingesessene, es gibt Kiezpenner, das Skurrile. Außerdem tut sich gerade viel und man kann eine Menge entdecken.“ Neulich sei er lustigerweise auf Brafinette gestoßen, einen Laden für Brafitting. Im vergangenen Herbst habe die kleine smarte Buchhandlung Disko eröffnet und im Café Paula könne man eine der besten Schoko-Birnen-Tartes essen. In Niederschönhausen empfiehlt er das Kino Blauer Stern, nur an guten Bars mangle es in der Gegend noch. Aber dafür könne man dann ja auch ruhig mal nach Neukölln fahren.

Kreuzberg – Afghanistan – Pankow

Neben seiner Ausbildung zum Print-Journalisten bei Gruner & Jahr und zahlreichen Stationen als freier Autor (taz, ddp, Jahreszeitenverlag) hat Jan Dimog 2011 an der privaten Master School Drehbuch in Berlin sein Repertoire erweitert. Zu der Zeit entstand bereits die Ideenskizze zu seinem ersten Dokumentarfilm „Countdown Afghanistan“, der im November diesen Jahres auf Arte gezeigt wurde (produziert von filmbüro süd). Darin werden sehr authentisch Afghanen porträtiert, die auch nach dem Abzug der westlichen Truppen für Frieden, Bildung und Gleichberechtigung kämpfen wollen – selbst wenn sie dabei um ihr Leben bangen müssen.

Wie er zu dem Thema kam? Jan Dimog war selbst von 2006 bis 2009 vor Ort und hat in Afghanistan Freundschaften geschlossen. Er war Redaktionsleiter der ISAF, der Wiederaufbaumission unter NATO-Führung, davon anderthalb Jahre im Norden des Landes und rund zweieinhalb in Kabul stationiert. „Ich habe nie unmittelbar Anschläge oder Attacken miterlebt“, sagt er über die Gefahren vor Ort. „Ich war ja auch kein trainierter Kriegsreporter – wir haben viel Schreibtischarbeit erledigt und mit afghanischen Journalisten zusammengearbeitet. Eine Krankenhauseröffnung hier, eine Gouverneursrede da, im Grunde war das sehr banal, aber dort vor Ort zu arbeiten, war schon spannend.“ Vor seinem Auslandsaufenthalt wohnte Dimog lange auf der Kreuzberger Oranienstraße. Das kam nach seiner Rückkehr nicht mehr in Frage, „viel zu trubelig“, sagt er lächelnd, „Das pure O-Straßen-Leben kann einem schon mal zu viel werden.“ Dann schon lieber etwas gediegener in Berlins Norden.

Ins Pakolat mitgebracht hat er seinen rund 360 Seiten starken „Architekturführer Istanbul“ (erschienen im Verlag DOM publishers), der im Oktober mit dem Architektur- und Designpreis Iconic Award 2014 in der Kategorie „Kommunikation“ ausgezeichnet wurde. Dieses ganz besondere, im Mai erschienene Buch führt den Leser mal erfrischend anders an die Millionenmetropole am Bosporus heran. Es liefert einen Spaziergang durch rund 2.600 Jahre Architekturgeschichte – mit zahlreichen Hintergrundinfos, Porträts und Interviews mit Einheimischen. „Die Arbeit daran war für mich auch eine Art Bildungsmaßnahme. Ich wusste beispielsweise nicht, dass die Deutschen während der Nazi-Zeit viel in der Türkei gebaut haben“, erzählt Dimog.

Während der anderthalb Jahre dauernden Recherchephase war er häufig in Istanbul. Wir wollten natürlich wissen, wo man seiner Meinung nach unbedingt gewesen sein sollte. „Im Hotel Pera Palas in Beyoglu“, empfiehlt der Journalist. „Hier hat Agatha Christie ihren Klassiker ‚Mord im Orientexpress‘ geschrieben. Und man kann den wohl teuersten Cappuccino weit und breit trinken, er schmeckt aber auch.“ Aktuell arbeitet er – wieder gemeinsam mit Architekt und Ingenieur Hendrik Bohle – am „Architekturführer Vereinigte Arabische Emirate“, der Ende 2015, Anfang 2016 erscheinen wird. Dafür ging es erst kürzlich für eine erste Expedition ins Emirat Schardscha, die nächste Reise steht für Februar an. „Das Schöne am Zurückkommen nach Berlin ist die Erdung in der Kiezmentalität“, meint Dimog. „Ich finde es super, dass der Kiez wie eine Kleinstadt für sich funktioniert, mit eigenem Lieblingsfleischer und Tante-Emma-Laden um die Ecke.“

Weitere Infos zu Jan Dimog sowie zu seinem Film „Countdown Afghanistan“ findest du hier.

Café Paula, Florastr. 14, 13187 Berlin

Telefon 0173-6171427

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Mo-Fr 8.30-19 Uhr, Sa, So 11-19 Uhr

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