18. Jüdisches Filmfestival

In dreißig Filmen um die Welt

Beeindruckender Jungschauspieler: Muatasem Mishal in Joel Fendelmans Film "David".
Beeindruckender Jungschauspieler: Muatasem Mishal in Joel Fendelmans Film "David".
Heute startet das 18. Jüdische Filmfestival. Knapp zwei Wochen lang wird in Berlin und Potsdam ein facettenreiches Programm mit Produktionen aus Deutschland, Israel, den USA oder auch Frankreich gezeigt. Wir stellen ihnen einige Höhepunkte des Festivals vor.

Mit einer weisen Katze hat man es im Film „Le Chat du Rabbin“ zu tun. Das gefräßige Haustier verspeist einen Papagei und beginnt daraufhin nicht nur zu sprechen, sondern widmet sich auch dem Studium des Talmud. In den vergangenen zehn Jahren hat Joann Sfar in fünf Comics das aufregende Leben der theologisch versierten Katze festgehalten. Nun ist der 2011 herausgekommene und beim französichen Publikum äußerst erfolgreiche Film auch in Berlin zu sehen.

An die Kenntnisse des Jerusalemer Talmudgelehrten Eliezer Shkolnik reichen die Fertigkeiten eines wissbegierigen Stubentigers nicht heran. Der 2011 in Cannes uraufgeführte Film „Footnote“ erzählt auf bitterböse und originelle Weise vom Schicksal des Wissenschaftlers. Jahr für Jahr wird er bei der Verleihung des „Israel“-Preises von der Akademie der Wissenschaften übergangen. Spätestens mit der Einberufung seines Sohnes Uriel Shkolnik in die Akademie ist der Stoff für eine große akademische Tragödie gegeben.

Wege zwischen den Religionen

Bis zum 17. Juni bringt das Jüdische Filmfestival ein abwechslungsreiches Programm auf die Leinwand. 30 Filme werden im Berliner Kino Arsenal und im Potsdamer Filmmuseum präsentiert. Erzählt wird auch die Geschichte des kleinen Brooklyners Daud (Muatasem Mishal). Der strebsame Sohn des Imams findet in Joel Fendelmans erstem Spielfilm „David“ eine Thora, die achtlos auf einer Parkbank liegengelassen wurde. Auf der Suche nach dem rechtmäßigen Besitzer landet er fälschlicherweise als Schüler im Klassenraum der Synagoge. Mit viel Sensibilität und leisem Humor schafft es Fendelman in seinem Film, die jüdisch-arabische Verständigung in die Hände eines kleinen Jungen zu legen.

Zärtlich gehen auch Peter Rosen bei seinem Portrait des Geigers Jascha Heifetz – „God’s Fiddler“ – und Duki Dror bei der filmischen Spurensuche „Mendelsohn’s Incessant Visions“ vor. Letztere Dokumentation berichtet über Leben und Werk des zu Lebzeiten umstrittenen Architekten Erich Mendelsohn.

Bilder eines Lebens

Auch der Zusammenhalt zwischen den Generationen spielt eine tragende Rolle im Festival. In „Life in Stills“ zeichnet Tamar Tals den Protest von Miriam Weissenstein nach. Die 96-Jährige betreibt mit dem „Photohouse“ das älteste Fotogeschäft in Tel Aviv und hat gemeinsam mit ihrem Mann auf mehr als einer Million Bilder die Geschichte Israels festgehalten. Nun soll ihr Geschäft Platz machen für ein mehrgeschossiges Neubauprojekt. Gemeinsam wollen Weissenstein und ihr Enkel den Abriss verhindern.

Der Film „Die Wohnung“ erzählt ebenfalls die Geschichte einer Großmutter-Enkel-Beziehung. Arnon Goldfinger geht darin dem Leben von Gerda Tucher nach, seiner aus Berlin stammenden und 70 Jahre in israel lebenden Großmutter. Nach deren Tod erfährt Goldfinger von ihrer Freundschaft zu einem hochrangigen SS-Offizier – eine Entdeckung, die ihrem Enkel keine Ruhe mehr lässt. Seine Spurensuche hat der Regisseur in einer bewegenden Familiendokumentation festgehalten.

Poesie der Vielfalt

In diesem Facettenreichtum könnte der größte Reiz des Jüdischen Filmfestivals liegen. Es überlässt sich ganz dem Unvorhersehbaren und scheint damit einer deutlichen Grundströmung des jüdischen Kinos zu entsprechen. Ganz im Sinne des Surrealismus treffen verschiedene Realitäten aufeinander, um sich schließlich im Feld der Poesie stimmig miteinander zu vereinen.

Heute wird das 18. Jüdische Filmfestival um 18.30 Uhr im Hans Otto Theater in Potsdam eröffnet. Mit dabei sind unter anderem der Brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und der Kinoexperte Knut Elstermann (RadioEins). Musikalisch wird die Gala von Max Raabe und dem Palast Orchester begleitet. Bis zum 17. Juni läuft das Programm im Berliner Arsenal und im Filmmuseum Potsdam.

Weitere Infos: www.jffb.de


Quelle: Der Tagesspiegel

Kino Arsenal - Institut für Film und Videokunst e.V., Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin

Bis zum 17. Juni wird im Arsenal die Vielfalt des jüdischen Kinos präsentiert.

Bis zum 17. Juni wird im Arsenal die Vielfalt des jüdischen Kinos präsentiert.

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