Zwischen Chillout und Jobberatung

Die Jugend ändert sich beim Kaffee

Alles frisch im Jugendcafé, selbst ein Name muss noch aus der Mitte des Publikums erwachsen.
Alles frisch im Jugendcafé, selbst ein Name muss noch aus der Mitte des Publikums erwachsen.
Frankfurter Allee - Im noch namenlosen Jugendcafé in der Frankfurter Allee 205 können junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren nach Tipps für die Zukunft oder einer Tasse Kaffee fragen. Jobbörse meets Chillout-Area, möglichst selbstverwaltet.

Ende November hat ein Jugendcafé in Lichtenberg seine Türen geöffnet. Was das bedeutet? Nun, zunächst einmal, dass vor der Türe bleibt, wer über 27 ist. Gehört man aber noch nicht zum alten Eisen, wartet Lichtenbergs neuester Jugendtreff mit einem beeindruckend selbstständigen Konzept auf. Hier trifft sich, wer eine Runde Billiard spielen möchte, wer auf einen Kaffee dem Familienstress zu entgehen versucht und wer Beratung braucht.

Ein Jugendberater turnt – schnieke getarnt mit Tablett und Kellnerschürze – durch die Räumlichkeiten. Wer gar nicht mehr weiter weiß, fragt ihn um Rat – wird er nicht zur Hilfe gerufen, bleibt der vermeintliche Kellner beim Getränkeservieren. Ein super Konzept, adelt es den vermeintlich notorisch aufdringlichen Pädagogen doch zum lässigen Barkeeper mit offenem Ohr. Ansonsten bequatscht man seine Probleme einfach unter sich, von Schüler zu Student, von Schulabbrecher zu Azubi. Schließlich ist nicht jeden Abend Tag der offenen Tür an der Uni, nicht immer sind die Jobaussichten und -voraussetzungen klar ersichtlich. Manchmal braucht man vielleicht einfach einen Leidensgenossen. Doch wo findet man die, wenn Kulturzentren und Jugendtreffs nur noch Euphemismen für Sedativzentralen der Perspektivlosigkeit sind – in denen eine undefinierbare Jugendschicht, jedenfalls nicht deine Klassenkameraden und nicht einmal deine Freundesfreunde bis zur Besinnungslosigkeit abhängen?

Bei knapper werdenden Mitteln Selbsthilfe leisten

Die Jugend musste lernen, sich selbst zu helfen, wie die jugendlichen Initiatoren schon 2011 feststellten. Bei knapper werdenden öffentlichen Fördermitteln, politischen Durchführbarkeitshürden und wegfallenden „coolen“ Jugendtreffs wollten einige organisationsbegabte Schüler nicht mehr auf Veränderung im Kiez warten, sondern sie herbeiführen. Dass Ausstattung und Planung des Jugendcafés weitestgehend in Schülerhand lagen, merkt man auch – durchstrukturierte Mind-Maps beleuchten Hintergründe, Trägerschaften und Zielvorstellungen des Cafés. Das ist anschaulich wie bei einer guten Power-Point-Präsentation in der Schule und versprüht den sympathischen Charme von Semi-Professionalität. Damit spiegelt es die Herangehensweise des (noch namenlosen) Cafés selbst: Selbermachen, einfach ausprobieren. Zwar springen diverse Lichtenberger und Berliner Politiker und Sponsoren gerne als Schirmträger und bereitwillige Unterstützer auf – doch dass das Jugendcafé ein weitestmöglich selbstverwaltetes ist, sollte besser nicht aus den Augen verloren werden.

„The Youth is starting to change, together, together, together …“, so schallt es nahezu unendlich wiederholend in einem Song von MGMT. Das Jugendcafé Lichtenberg ist das perfekte Beispiel dafür: Die Jugend fängt bei sich an und übernimmt die Eigeninititative, das ist doch schon mal ein erster Schritt in eine bessere Zukunft. Egal, ob es um den nächsten Ausbildungsplatz oder nur um die nächste Billiardrunde geht.

Das Jugendcafé befindet sich in der Frankfurter Allee 205, nahe der U-Bahnhaltestelle Magdalenenstraße. Ab dem 8. Januar hat das Café regelmäßig mittwochs, donnerstags und freitags geöffnet.

Die Jugend ändert sich beim Kaffee, Frankfurter Allee 205, 10365 Berlin

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