Jugendpsychiatrie in Friedrichshain

Junge Seelen gut umsorgt

Kind im Krankenhaus
Es geht um Depressionen, Spielsucht oder Essstörungen: Das Klinikum im Friedrichshain bietet ein umfangreiches therapeutisches Angebot für Drei- bis 18-Jährige. Auch eine eigene Schule gehört zu der Jugendpsychiatrie.

Jugendliche sehen sich heute einer Vielzahl von Herausforderungen gegenüber: Schulischer Leistungsdruck, Alkoholkonsum, Computerspielsucht und Drogenabhängigkeit. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Vivantes Klinikum im Friedrichshain können solche Probleme behandelt werden. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche zwischen drei und 18 Jahren, die unter seelischen Störungen leiden.

Bei kleinen Kindern geht es zum Beispiel um die Früherkennung von Lese- und Rechtschreibschwäche oder eine Depression, die als Faulheit ausgelegt wird. Bei Älteren stehen Angsterkrankungen, Autismus, Leistungsstörungen und Abhängigkeiten wie Cannabis- oder Computerspielsucht im Vordergrund. Im letzten Fall haben die Betroffenen sehr wenige Sozialkontakte, kennen sich aber mit technischen Geräten hervorragend aus und können irgendwann Realität und Rolle nicht mehr auseinanderhalten.

Zentral gelegen

Der Schwerpunkt der Klinik liegt auf der Behandlung solcher Abhängigkeiten. Dazu können die Patienten bis zu sechs Monate stationär aufgenommen werden. 70 Betten, verteilt auf vier Stationen und eine Tagesklinik, stehen zur Verfügung. Im Keller gibt es sogar eine eigene Schule. Im Hof hinter der Klinik, unmittelbar vor dem Abhang des Bergs im Volkspark Friedrichshain, stehen den jungen Patienten ein eigener Sportplatz und eine Spielfläche zur Verfügung.

Die Klinik im Friedrichshain ist das Ergebnis einer Fusion der bisherigen Kinder- und Jugendpsychatrien von Vivantes in Hellersdorf und Reinickendorf. Die Zahl der Betten ist dabei nicht verringert, das Personal sogar leicht aufgestockt worden. Der entscheidende Vorteil ist die zentrale Lage: Das Einzugsgebiet besteht aus Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und dem Berliner Südosten, insgesamt 1,2 Millionen Menschen leben in diesem Gebiet. Früher galt es schon als Erfolgserlebnis, wenn die Patienten überhaupt den Weg in die Klinik gefunden haben. Das fällt jetzt wesentlich leichter.

Pflichtversorgung inmitten warmer Farben

Im Unterschied zur anderen großen Berliner Jugendpsychiatrie am Charité-Campus Virchow-Klinikum wird bei Vivantes allerdings keine Spitzenforschung betrieben, sondern die sogenannte Pflichtversorgung sichergestellt. Über 50 Prozent der Jugendlichen kommen aus eigenem Antrieb. Die Eltern spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle, viel wichtiger sei der Druck der Altersgenossen. Bei Kleinkindern üben vor allem Jugendamt, Gericht oder die Großeltern Druck auf die Eltern aus, mit ihren Kindern die Psychiatrie aufzusuchen.

Die Gänge und Zimmer der neuen Klinik sind in warmen, roten und gelben Farben gestrichen. Es gibt Aufenthaltsräume für die Jugendlichen und eigene, speziell gestaltete Zimmer für Mütter, die hier mit ihren Kleinkindern für einige Zeit wohnen können. Die Türen der Zimmer für Jugendliche öffnen sich nach innen, damit sie wohnlicher wirken. Falls ein Bewohner die Tür von innen mit einem Möbelstück blockiert, kann aber der komplette Türrahmen mit einem einfachen Handgriff ausgehebelt werden.


Quelle: Der Tagesspiegel

Weitere Artikel zum Thema