Förderung für Hochbegabte

Die Insel-Akademie

Der Fähranleger der Insel Scharfenberg, auf der sich auch ein staatliches Gymnasium mit Internat befindet.
Der Fähranleger der Insel Scharfenberg, auf der sich auch ein staatliches Gymnasium mit Internat befindet.
Neun Tage lang beschäftigten sich auf der Insel Scharfenberg im Tegeler See hochbegabte Schüler aus Berlin mit Themen wie Mobilität, Globalisierung und Diplomatie. Beim Paddeln oder Fußball kam jedoch auch der Spaß nicht zu kurz.

Die Schwarmintelligenz von Thunfischen hilft den Tieren, wichtige Entscheidungen zu treffen. Fußballroboter werden durch den Befehl „OnFwd (OUT_AB,75)“ nach vorne bewegt. Und ein Katalysator sorgt in Brennstoffzellen von Motoren dafür, dass die Teilchen einander finden.

Unter dem Motto „Alles, was die Welt bewegt“ fanden in diesem Jahr die fünf Kurse der Berliner Junior-Akademie „Humboldt am Scharfenberg“ statt. Neun Tage lang lernten 60 Schüler der 5., 6. und 7. Klassen auf der Schulfarminsel Scharfenberg im Tegeler See Neues über Fortbewegung, Mobilität und Globalisierung. Sie entwickelten Transportszenarien für das Jahr 2050, besichtigten Berliner Forschungseinrichtungen und stellten im Rollenspiel UN-Verhandlungen zwischen Lateinamerika, Afrika, Asien und Europa nach.

Weiterhin widmeten sie sich der Musik, es entstanden Fernsehbeiträge und die Rhetorik wurde geschult. Die körperliche Betätigung kam nicht zu kurz: Paddeln, Yoga und Entspannungsübungen sorgten für einen Ausgleich. Am Freitag wurden die Resultate des Inselaufenthalts im Audimax der Humboldt-Universität den Eltern und Förderern vorgestellt.

Verbindung von Lernen und Freizeit

„Um Himmels willen, die Kinder lernen in den Ferien!“ So würde häufig auf Förderangebote im Sommer reagiert, sagt Hans-Jürgen Werner. Er ist Pädagogischer Koordinator am Humboldt-Gymnasium in Berlin-Tegel, unterrichtet dort Physik, Mathematik und Informatik und leitet seit 2008 die Berliner Junior-Akademie. Er möchte eine Atmosphäre schaffen, „in der die Kinder sein dürfen, wie sie sind“. Für ihn heißt das: Spaß zu haben am Lernen und danach mit dem Fußball herumzubolzen. Eine Trennung zwischen dem „lernenden Kind“ und dem „spielenden Kind“ findet er falsch. Auch außerhalb der Junior-Akademie gebe es viele Kinder, die in den Ferien ganze Bibliotheken durchlesen oder im Urlaub extrem interessiert an Neuem seien. „Es ist ein kontinuierlicher Lernprozess“, sagt Werner.

„Bis zu 32 Meter ist die Wasserrakete geflogen“, berichtet der 13-jährige Eric vom Otto-Nagel-Gymnasium in Biesdorf begeistert, abhängig vom Wasser-Luft-Verhältnis in der Plastikflasche. Die Junior-Akademie steht Schülern offen, die entweder von ihrer Schule, einem Psychologen oder einem Förderverein für Hochbegabte empfohlen werden oder in einer sogenannten „Schnellläufer-Klasse“ sind. „Stresslos“ seien die Tage gewesen, sagt Eric: „Wie Ferien, nur dass man dabei etwas lernt.“ Wie bei allen Schülern war es Eric selbst überlassen, wann er mitschreibt und wann er nur zuhört. Am besten fand er die im Kontrast zu Schulklassen deutlich kleineren Lerngruppen. So war es möglich, im Kurs jederzeit nachzufragen und „auch mal abzuschweifen“, wenn etwas spannend war. Auch schwierige Themen, wie zum Beispiel die Solarzelle, konnten sie so im Detail besprechen und Zusammenhänge herstellen. In der Schule bleibe oft nur Zeit für Verständnisfragen.

Weniger Finanzmittel zur Verfügung

„Hochbegabte Schüler lernen sehr komplex und sprunghaft“, meint Hans-Jürgen Werner. „Sie möchten ganz viel wissen und weiten ein Gebiet schnell aus.“ Große Gruppen und ein linearer Aufbau der Lerninhalte sei für sie eher kontraproduktiv. In der Junior-Akademie waren bislang zwei Kursleiter für eine Gruppe von zwölf Kindern da. Dieses Jahr war es nur einer, denn man musste auf die Hälfte der Mittel verzichten.

Die Finanzierung der Junior-Akademie wurde in diesem Jahr aus Sondermitteln der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft des Landes Berlin bestritten. Die kursübergreifenden Angebote Musik, Akademie-TV und Rhetorik kamen mit Hilfe zusätzlicher Spenden zustande. Für 2013 planen die Organisatoren eine Kooperation mit Studierenden der Professional School of Education an der HU, um wieder zu einem besseren Betreuungsverhältnis zu kommen. Ab 2014 soll das Budget der Junior-Akademie dann im Landeshaushalt verankert werden.


Quelle: Der Tagesspiegel

Schulfarm Insel Scharfenberg, Insel Scharfenberg, 13505 Berlin

Der Fähranleger der Insel Scharfenberg, auf der sich auch ein staatliches Gymnasium mit Internat befindet.

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