Nachhaltigkeit

Jyoti: Faire Mode aus Indien und Neukölln

Jyoti: Faire Mode aus Indien und Neukölln
Die Auslage im Jyoti-Store in Neukölln beinhaltet eine kleine Auswahl der Produkte.
Fast Fashion und Folklore-Mode, nein danke: Das Label Jyoti aus Neukölln setzt auf schlichte Schnitte und Teamarbeit über zwei Länder hinweg. Wir waren im Store und haben uns erklären lassen, wie ihre handgefertigte Mode den Weg von Südindien fair nach Berlin findet.

Der Neuköllner Schillerkiez ist ein kulinarisches Schlaraffenland, so viel ist bekannt. Doch eher selten würde man den Kiez mit Mode in Verbindung bringen. Genau hier findest du aber in der Okerstraße in einem ehemaligen Coworking-Space das Label Jyoti (Hindi für aufgehendes Licht), das sich seit 2015 zur Aufgabe macht, faire Mode für Frauen, Kinder und Männer „Made in Indien“ zu verkaufen. Gestartet wurde die Marke bereits 2010, jedoch lag der Fokus da noch auf Kuscheltieren und Taschen.

„Alles hat als Schnapsidee angefangen“, scherzt Gründerin Jeanine, als wir sie im Laden beziehungsweise Designraum besuchen. Neben den schlicht geschnittenen roten, blauen und erdtönigen Kleidern, Röcken, Hosen, Hemden, Taschen und Schmuck stehen hier auch die Arbeitsplätze der Jyoti-Crew mit Nähmaschine bereit. Das heißt für dich: Sollten die Hosenbeine zu lang sein, bekommst du diese kleinere Änderung ohne Aufpreis gleich vor Ort. „Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf die Produktion, sondern es geht auch darum, dass der Kunde das Stück auch gerne und lange trägt“, sagt Jeanine.

Nach dem Abi nach Indien

Der Kontakt nach Indien war Zufall, erklärt die junge Frau. Nach dem Abi machte sie ein soziales Jahr und arbeitete für eine NGO (nicht staatliche Organisation), die sich insbesondere für die Rechte von Frauen einsetzt. Zurück in Deutschland ließ sie daraufhin ihre Idee vom Medizinstudium fallen und studierte Internationale Beziehungen und Völkerrecht in Dresden. Der Kontakt nach Indien blieb jedoch weiterhin bestehen und ihren Kommilitoninnen gefielen die mitgebrachten bunten Stoffe so gut, dass sie darin eine Chance witterte, um den kennengelernten Frauen in Indien eine langfristige Perspektive und Selbstbestimmung bieten zu können.

Mit Hilfe der NGO formierten sich einige Interessierte in Chittapur und eine befreundete Schneiderin aus Deutschland flog nach Indien, um die nötigen Fertigkeiten zu übermitteln. Das ist nun acht Jahre her: „Mittlerweile sind die elf Frauen, die für uns arbeiten Vollprofis und bilden neue Kolleginnen selbst aus.“ Sie würden die Arbeitsabläufe, wenn nötig, auch selbst optimieren. Das Design, die Prototypen und die Schnitte wiederum stammen aus Berlin und werden den Frauen vor Ort vorgestellt, wobei zum Beispiel Ayesha, Halima oder Rizwana laut Jeanine auch Änderungsvorschläge machen können. „Es geht uns um Teamarbeit“, so Jeanine weiter. Jede Frau bekomme ein fixes Gehalt, habe Urlaubsanspruch und werde am Gewinn beteiligt. „Sowieso gehen 100 Prozent des Gewinns von Jyoti zurück nach Indien, um beispielsweise Workshops mit Englischkursen anzubieten.“

Elf Näherinnen arbeiten aktuell in der Nähwerkstatt in Chittapur in Südindien.

Zusammenarbeit mit Familien für mehr Transparenz

200 Schritte seien notwendig, damit ein T-Shirt beim Endverbraucher landet. Ein Shirt von Jyoti besteht laut Jeanine aus 100 Prozent Baumwolle. Diese wird von einer der acht Weberfamilien, mit denen das Label zusammenarbeitet von Hand gewebt. „99 Prozent unserer Kleidung ist handgewebt. Daher stammt auch unser ganz eigener Look. Wir arbeiten mit Kleinstproduzenten zusammen, um nachvollziehen zu können, dass jeder der webt, färbt oder das Garn herstellt auch fair bezahlt wird.“ Die Personalkosten und die Stoffkosten seien ihre größten Ausgabequellen, so koste beispielsweise der Stoff fair gehandelt fast sechsmal so viel wie konventionelle Stoffe. Das merkst du natürlich auch im Endpreis. Ein T-Shirt kostet hier 49 Euro, ein Kleid fängt bei 100 Euro an und ein Männerhemd bekommst du für 89 Euro.

Bei der Produktion nutzt das Unternehmen Jyoti die Zero-Waste-Methode, um möglichst wenig Verschnitt mit den neuen Stoffen zu produzieren. Das heißt, es sollen keine Stoffreste übrig bleiben; ist das doch der Fall, werden daraus beispielsweise Kissenhüllen oder Kuscheltiere gefertigt. Jeanine ist sich bewusst, dass Portugal eigentlich die Fair-Mode-Produktionsstätte schlechthin ist und auch näher an Deutschland liegt, aber sie betont, wie essenziell die Bevölkerung in Indien von der Kleidungsindustrie abhängig ist. „Es ist nicht wichtig, wo produziert wird, sondern wie. Wenn ein T-Shirt für 3,50 Euro verkauft wird, dann können nicht gleichzeitig Menschenrechte eingehalten werden.“

Beim Durchstöbern merken wir, dass die Stoffe schön dünn sind, aber auch recht griffig, was nicht unbedingt jeden anspricht. Ein großes Plus ist, dass Frauen bei Produkten von Jyoti immer Taschen vorfinden, ob im Kleid oder Rock. Das ist Jeanine sehr wichtig, denn nicht jede Frau habe Lust auf eine Handtasche. Im Neuköllner-Laden findest du einige wenige Prototypen und Stücke mit kleinen Fehlern, daher werden hier auch häufig Prozente gegeben. Dabei stammen 90 Prozent des Absatzes aber laut Jeanine von Onlineverkäufen. Die Kleidungsstücke werden meist nur in geringer Stückzahl produziert – von ihrem Jumpsuit-Bestseller (116 Euro) wurden 100 Stück gefertigt – das bedeutet natürlich, das dir mit dem gleichen Outfit nicht viele in Berlins Straßen entgegen kommen werden.

Jyoti Fair Works, Okerstraße 45, 12049 Berlin

Mobil 0176 610 677 31

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