Immanuel Krankenhaus

Neu in Wannsee: Der kälteste Ort der Stadt

Neu in Wannsee: Der kälteste Ort der Stadt
Eisige Temperaturen mitten im Sommer? Hört sich wie ein Paradoxon an, existiert aber in der neuen Kältekammer am Wannsee.
Kannst du dir vorstellen, bei Temperaturen von minus 110 Grad zu chillen? Die neue Kältekammer am Kleinen Wannsee ist der perfekte Ort, um genau das mal auszuprobieren. Wir waren vor Ort ...

Kältetherapie ist schon seit Urzeiten ein erfolgreiches Heilmittel. Jeder kennt das Gefühl, wenn man einen kalten Eisbeutel auf eine schmerzhafte Schwellung oder Entzündung legt. Aber echt extreme Kälte, wie du dir sie so gar nicht vorstellen kannst, kannst du jetzt in einem Krankenhaus am Wannsee zur Linderung der Beschwerden erleben. Unter dem Motto „ein natürlicher Weg zu mehr Lebensqualität“ bietet die Therapie eine Alternative oder Begleitung zur medizinischen Behandlung von chronischem Schmerz.

Am 11. Juni diesen Jahres wurden die Türen der renovierten Kältekammer im Immanuel Krankenhaus Berlin zum ersten Mal geöffnet. Seit 1989 befindet sich in der Spezialklinik für Rheumatologie, Orthopädie, Osteologie und Naturheilkunde ein Raum für Ganzkörper-Kältetherapie, aber die rund 300 000 Euro neue Anlage ist ästhetisch viel moderner und technisch viel fortgeschrittener als die letzten beiden Kammern.

Die Kältekammer im Immanuel Krankenhaus am Wannsee.

Neu entwickelte Technik im "Croyair -110°" von "Mecotec".

Linderung von Schmerz

Ein Aufenthalt in der Kältekammer am Wannsee ist Patienten mit rheumatischen Erkrankungen sowie Atemwegs- und Hauterkrankungen empfohlen. Muskel- und Gelenkentzündungen werden durch die Kälte spürbar gelindert und danach kann man sich viel freier und leichter bewegen. Deswegen ist die sogenannte „Kryotherapie“ besonders beliebt bei Sportlern, um angespannte Muskeln zu lösen oder Verletzungen zu lindern.

Wirksam ist die Kälte aber nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist. Das allgemeine Wohlbefinden der Patienten wird durch die Therapie deutlich verbessert. Patienten, die unter SAD (Schmerz, Angst und Depressionen) leiden, berichten, dass die Kälte bei der Linderung der Anspannung hilft. „Wer nie mit dauerhaftem Schmerz gelebt hat, kann es sich wahrscheinlich nicht vorstellen“, sagt Physiotherapeutin Vanessa Dettmers, „aber wenn man jahrelang unter Schmerzen ständig gelitten hat, kriegt man so ein Glücksgefühl, endlich davon befreit zu sein.“

Marc Stempel erhält Behandlung in der Kältekammer am Wannsee.

Marc Stempel bei seiner Behandlung in der einzigen Akutklinik der Stadt.

Bist du bereit?

Ohne Vorbereitung darf man die Kammer aber nicht betreten. Mindestens zwei Stunden vor dem Eintritt muss man aufs Duschen verzichten, damit keine Feuchtigkeit auf der Haut liegt, die eventuell frieren könnte. Außerdem muss man die körperfernsten Stellen vor der Kälte schützen: Handschuhe, Socken, Mundschutz und eine Mütze werden benötigt. Andere dicke Kleidung muss man aber nicht tragen: Ein Badeanzug reicht.

Damit der Körper sich an die Kälte gewöhnen kann und nicht alles auf einmal schockgefrostet wird, müssen die Patienten zuerst in eine Vorkammer mit minus 60 Grad treten, bevor sie in die vier Quadratmeter große Hauptkammer mit minus 110 Grad hereinkommen können.

Während des dreiminütigen Aufenthalts im Croyair -110° von Mecotec müssen sich die Patienten langsam bewegen. Ermutigt werden sie von dem Physiotherapeut, der den Patienten sagt, wie viel Zeit schon vergangen ist, zum Beispiel „zwei Minuten geschafft!“ Und nach dem Austritt aus der Kammer sollte man sich für zwei Minuten weiter bewegen.

In der Regel sind zehn Anwendungen erforderlich, damit man eine echte Wirkung bemerken kann. Das reicht für ein Jahr, dann kann man mit der Kryotherapie in die nächste Runde starten.

Handschuhe im Immanuel Krankenhaus Berlin.

Dicke Handschuhe muss man tragen, um die Finger vor der Kälte zu schützen.

Spürbare Wirkungen

Gabriele Kaufmann aus Rudow, die die Kältekammer jedes Jahr seit 2008 als stationäre Patientin benutzt, erzählt von ihrer Erfahrung: „Dank der Therapie sind meine Gelenke nicht so steif wie zuvor und ich kann mich jetzt viel besser bewegen“, und demonstriert mit sichtbarem Glück, wie flexibel ihre Beine sind. Ein verbessertes Wohlbefinden bemerkt sie auch schon: „Jetzt spüre ich jeden Tag mehr Lebensfreude, und deswegen würde ich einen Besuch in der Kammer auf jeden Fall empfehlen.“

Marc Stempel ist auch ein großer Befürworter der Kältekammer. „Das erste Mal, als ich die Kammer ausprobiert habe, hatte ich schon ein bisschen Angst vor solchen Temperaturen“, sagt er, „aber jetzt zögere ich nicht: Ich gehe einfach rein.“ Der Reinickendorfer war vor fünf Jahren in der Kammer, kam aber dieses Jahr wieder zurück, weil seine Hand komplett geschwollen war. Er konnte die Tür nicht mehr öffnen, richtig schreiben oder Dinge gut halten. Nach mehreren Anwendungen der Kammer fällt ihm die Bewegung offenbar wieder viel leichter: Er kann sogar einen Stift halten und einen Satz für mich aufschreiben.

Bei anderen Patienten sind die Wirkungen ebenso sichtbar. „Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass wir 95 Prozent der Schmerzpatienten mit der Kältetherapie helfen können“, erklärt der leitende Physiotherapeut Frank Ruppenthal.

Und die Behandlungsmethode wird immer beliebter: Jeden Tag nutzen durchschnittlich 90 bis 100 Patienten die Kammer, laut Jenny Jörgensen von der Pressestelle des Immanuel Krankenhauses Berlin. Traust du dich die Kammer am Wannsee zu testen? Für alle, die die Kammer als ambulante Patienten austesten möchten, kostet jede Anwendung 20 Euro. Mit ärztlicher Verordnung als stationärer Patient hast du kostenlosen Zugang zur Therapie.

Immanuel Krankenhaus Berlin, Königstraße 63, 14109 Berlin

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