Brandenburger Kamel auf dem Weg der Genesung

Ein blauer Gips ziert Lailas Bein

Kameldame Laila führt ihren neuen himmelblauen Gipsverband vor. Bis jetzt hat sich noch niemand darauf verewigt. Vielleicht wäre sie zu einer Verbandsverschönerung bereit, wenn man sie, wie hier im Bild, mit einer Karotte locken würde.
Kameldame Laila führt ihren neuen himmelblauen Gipsverband vor. Bis jetzt hat sich noch niemand darauf verewigt. Vielleicht wäre sie zu einer Verbandsverschönerung bereit, wenn man sie, wie hier im Bild, mit einer Karotte locken würde.
Ob es der Patientin stinkt, dass so ein Aufheben um ihr kleines Missgeschick gemacht wird? Was auch immer der Grund ist: Kameldame Laila zeigt sich wenig beeindruckt von der Masse an Journalisten und dem Blitzlichtgewitter, das sie beim Krankenbesuch in der Zehlendorfer Pferdeklinik erwartet.  Prompt lässt sie Dampf ab. Dieser entfaltet sich von dem Misthäufchen, das Ihre Waffe gegen allzu naseweise Journalisten ist. Die Damen und Herren der Presse gehen auf gebührenden Abstand.

Der Kamelstute Laila wurde das linke Bein eingegipst. Sie befindet sich seit dem 22. April bei Christoph Lischer, dem Direktor der Pferdeklinik an der Freien Universität in Behandlung. Zu dem gebrochenen Bein kam sie in einem Brandenburger Zuchtbetrieb für Kamele. „Wie das genau passiert ist, hat keiner gesehen“, berichtet Lischer. „Wahrscheinlich ist sie auf der Weide in ein Erdloch getreten.“

Einen Monat lang muss Laila in der Pferdebox noch ausharren. Die Beine vertreten darf sie sich nur zur Gehprobe – oder, wie an diesem Tag, zum Krankenbesuch. Mit ihren zwei Jahren ist Laila noch sehr jung, aber sie weiß, was sie will. Als ein Pfleger sie am Freitag auf den Hauf führen will, rührt sie sich nicht. Sie beäugt nur in Ruhe das Treiben, während der Mann sich am Führstrick abmüht.

„Heute will sie nicht so ganz“, meint der Pfleger. Noch einmal geht er es an, die Kamelstute  aus ihrer Box zu bekommen. Er hat wieder kein Glück. „Haben wir noch Karotten?“, will er von seinen Kollegen wissen.

Das Außergewöhnliche ist hier schon fast Routine

Für Lischer, 51, ist das Kamel nicht die erste exotische Patientin. Inzwischen hat er schon so einige Wildtiere operiert: Alpakas zum Beispiel und auch Lamas – selbst einem Braunbären hat er bereits das Bein verarztet.

Bei Laila dauerte die OP etwas über eineinhalb Stunden. Dabei wurde die gleiche Technik angewandt wie auch bei Pferden. Mittels eines Krans befördert man das Tier behutsam auf einen gepolsterten OP-Tisch, nach dem Eingriff erholt es sich in der Aufwachbox, einem Verschlag mit hohen gepolsterten Wänden. So konnte Laila in aller Ruhe wach werden und sich dabei nirgends stoßen.

Seit der Operation trägt Laila einen leuchtend blauen Gips zur Schau. Insgesamt sechs Wochen sollte der dran bleiben, damit das Bein nicht zu sehr belastet wird. Es erinnert ein wenig an ein neugeborenes Kamelfohlen, wenn die Stute mit ihrem gegipsten Bein über den Hof der Tierklinik stakt. Jedes Mal, wenn sie einen Schritt macht, gibt der Gips ein schlurfendes Geräusch von sich. Schmerzen habe sie aber nicht, versichert Lischer. Überhaupt habe sie sich recht problemlos auf den Gips einstellen können. „Sie hat alles überraschend gut verkraftet“, sagt Lischer. Sie könne sich sogar hinlegen.

Wenn alles nach Plan läuft, kann Laila die Pferdeklinik in vier Wochen hinter sich lassen und wieder über die Weiten Brandenburgs galoppieren. Bis dahin vergnügt sie sich mit ihrem Kurschatten: Dem Haflinger in der Nachbarbox.


Quelle: Der Tagesspiegel

Klinik für Pferde, Allgemeine Chirurgie und Radiologie, Oertzenweg 19 b, 14163 Berlin

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