Geheimer Kiezliebling

... und die Kantstraße kann doch was!

... und die Kantstraße kann doch was!
Wirklich schön ist die Kantstraße auf den ersten Blick nicht, aber ein zweiter lohnt sich!
Die grundehrliche Kantstraße wird oft als hässliche Stiefschwester des strahlenden Kudamms verkannt. Das ist unfair, denn hier tut sich einiges, sogar in Sachen Restaurants, Lifestyle und Hochgenuss. Augen auf und los!

Warum liegt der Haupteingang des Hotels Waldorf Astoria eigentlich auf der Hardenberg- und nicht auf der Kantstraße? Wir vermuten dahinter einen Komplott, den der Kudamm initiiert hat, um die Kant nicht zur Luxusadresse aufsteigen zu lassen. Aber der Kant ist das so ziemlich egal, denn die bodenständige Straße ist ein paar Meter weiter ja längst ein edler Design-Hot-Spot und eine Anlaufstelle für solvente Schöngeister. Das Stilwerk zieht nicht nur internationales Publikum an, sondern auch Berliner, die etwas auf sich halten. Selbst die anspruchsvollen Kulturschaffenden der Hauptstadt fühlen sich in der Kantstraße wohl, egal ob sie bis in die Morgenstunden im Schwarzen Café die Weltlage diskutieren, in der legendären Paris Bar vergangenem Glanz hinterherjammern oder im Prachtbau des Delphi Filmkunst genießen. Schulter an Schulter macht sich ja bekanntlich direkt neben dem alten Kino das Theater des Westens um den kulturellen Ruf der Kant verdient und zeigt, dass Hollywoodfilme auf die Bühne gehören. Mit im geistvollen Komplex befindet sich das Quasimodo, der entspannte Club ohne Hipsterzwänge.

Chinatown und Asiameile

So weit so gut…: Warum hadert der Savignyplatz also eigentlich mit seiner Lage? Hier tut sich zwar der Himmel auf und zeigt die Weite aller Möglichkeiten, aber keines der dort ansässigen schnieken Lokale oder keine der gut situierten Bars möchte mit der Kantstraße etwas zu tun haben. Stattdessen lässt man wachsen, was das Grünzeug hält. Egal, der beherzte Flaneur lässt das Feld der Vorurteile hinter sich und schlendert einfach weiter. Schon wenige Meter später wird er dafür reichhaltig belohnt. Hier beginnt nämlich das Land der aufgehenden Sonne. Japanische, aber auch koreanische, taiwanische, vietnamesische und chinesische Gastronomen tischen ordentlich auf. Vor fast 30 Jahren wollte einer der chinesischen Einwanderer den West-Senat davon überzeugen, an der Kantstraße Chinatown erblühen zu lassen, aber die Beamten winkten ab. Gewachsen ist die Gemeinde dennoch. Neben den Restaurantklassikern wie Good Friends und Do De Li gibt es hier auch jüngere Asia-Hits wie das Lon Men’s Noodlehouse, das Saigon Cuisine, das Dao, das Selig oder den Streetfood-Imbiss Son Kitchen.

Internationale Küche

Bevor du jetzt sagst, was soll ich da, ich stehe nicht auf Asia, lies einfach weiter: Auf der Kantstraße kannst du internationale Gaumenfreuden genießen. Italienisch? Klar, jede Menge Ristorante warten mit Pizza und Pasta auf, im kleinen Simela gibt es die Pizza sogar glutenfrei. Türkisch? Von schnell aufpoppenden Imbissen bis zum hoffentlich Longtime-Klassiker Mezem ist alles da. Österreicher? Natürlich gibt es hier sogar ein echtes Wiener Beisl. Russisch? Arabisch? Mexikanisch? Ja. Ja. Ja, klar. Nicht alles ist super, aber ein pures Top-Angebot kann ja nicht einmal der Kudamm vorweisen.

Das Imperium des The Duc Ngo

King of the Road ist aber The Duc Ngo, der vietnamesische Selfmade-Gastronom hat sich ein wahres Imperium aufgebaut. Angefangen mit dem kleinen Kuchi (einen Ableger gibt es in Mitte), hat er den vielseitigen Geschmack der Hauptstädter bestens im Griff. Für Fischliebhaber eröffnete er jüngst das Funky Fisch, nebenan widmet man sich im Halbdunkeln des 893 Ryotei dem Sharing-is-Caring-Prinzip, Nudelsuppenfans vereinen sich vor einer großen Schüssel Pho im französisch-vietnamesischen Madame Ngo. Das nennt man wohl erfolgreich integriert. Natürlich hat die asiatische Community noch einiges mehr zu bieten als Essensausgaben, so haben sich etliche chinesische Nippesläden auf der Kant angesiedelt, kleine und riesige Asiamärkte erfüllen alle anderen Wünsche und mit Boomki und Japan Bonsai buhlen gleich zwei Läden um Bonsai-Liebhaber.

Alles außer Mode

Apropos kleines Grün: Der florale Lieblingsdesigner der High Society Kian Shams-Dolatabadi hat sich die Kantstraße auserwählt, um sich mit Kians Garden auch dem einfachen Volk zu öffnen. Hier werden Blütenträume wahr und das zum fairen Preis. Die Mode überlässt die Kant der kreuzenden Wilmersdorfer Straße, aber man kann ja auch mal für andere Dinge Geld ausgeben. Wir lieben zum Beispiel den Schnäppchenbuchladen Langer Blomquist (auch bekannt als modernes Antiquariat), die frische Vielfalt bei Mitte Meer und die spielfreudige Angebotsfülle in Heidis Spielzeugladen – um nur einige zu nennen.

Modernes Design als Lichtermeer

Das absolute Highlight präsentiert die Kantstraße aber erst ganz zum Schluss – kurz bevor sie den Staffelstab an die Neue Kantstraße übergibt: das Bocci 79. Im ehemaligen Gerichtsgebäude und Grundbuchamt präsentiert die edle Designfirma Bocci Ideen, Entwürfe und Prototypen, die so atemberaubend schön sind, dass man sie am liebsten mitnehmen würde. Ein strahlendes Erlebnis bester Leuchtkunst und ein letzter guter Grund, die Kantstraße von Anfang bis Ende wertzuschätzen.

 

Ein von @kediraignis_berlin geteilter Beitrag am Mär 7, 2018 um 12:19 PST

Besser als ihr Ruf

Wir wollen nicht leugnen, dass es auf der Kantstraße durchaus Läden gibt, die den schlechten Ruf verursacht haben. Billige Maniküren, Ramschgeschäfte oder merkwürdige Stores, deren Konzept niemandem ganz klar ist. Nun wird es Zeit, mit den Klischees aufzuräumen. Es wird noch einige Wochen dauern, bis man keine mitleidigen Blicke mehr erntet, wenn man sich als Bewohner der Kantstraße zu erkennen gibt. Gaaanz bald heißt es dann bewundernd: „Kantstraße? Wie hast du da bloß eine Wohnung bekommen!“

Schwarzes Café, Kantstraße 148, 10623 Berlin

Telefon 030 3138038

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