Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Five Floors Under

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Tief unter dem Olympiastadion versteckt sich ein goldener Ort zum Trauern und Feiern. Zur Foto-Galerie
Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und noch jede Menge mehr. Diesmal wird es tief unter dem Olympiastadion besinnlich.

Das Leben ist endlich. Das ist ein trauriger Fakt. Ich gehe wirklich sehr ungerne auf Beerdigungen. Alle tragen schwarz, alles ist still – ich glaube, wenn ich mal nicht mehr da bin, möchte ich, dass meine Asche irgendwo verstreut wird, wo ich es im Leben geliebt habe. Und dazu soll getanzt und gesungen werden. Falls es den Gästen nicht zu merkwürdig erscheint.

Wie kann eine Trauerfeier ein Geheimtipp sein? In dem sie im Olympiastadion stattfindet! Ich habe das wirklich nicht gewusst, dass es unter dem Stadion eine Kapelle gibt und musste das zu einem sehr traurigen Anlass erfahren. Freimut Fitzek, der Vater meines Ex-Freundes Sebastian, ist friedlich eingeschlafen. Eigentlich wie man es sich wünscht. Kurz vorher war ich noch zur Vorstellung seines Buches Bittere Felder geladen. Ein bewegender Moment. Ein Mann über achtzig Jahre, der sich seinen Lebenstraum erfüllt hat – ein Buch zu veröffentlichen, an dem er so lange gearbeitet hat.

Und er hatte noch eine große Leidenschaft. Den Fußball! Es hätte ihm sicher nicht gefallen, dass zu seinem Tod so ein Aufwand betrieben wird, er war ein bescheidender Mensch. Der Ort allerdings wäre genau nach seinem Geschmack gewesen.

Ökumenischer Andachtsraum

Der Andachtsraum. (c) Gerlinde Jänicke
Fünf Etagen unter dem Olympiastadion befindet sich seit 2006 die Kapelle, auf einem goldenen Oval stehen Bibelverse in 18 verschiedenen Sprachen. Sie ist ein ökumenischer Andachtsraum für katholische und evangelische Christen. Während der WM haben die Spieler unserer Nationalelf hier vor dem Spiel gegen Argentinien gebetet.

Das sind alles Neuigkeiten für mich, die ich sehr spannend und interessant finde. Auch, wenn der Anlass fürchterlich traurig ist. Ganz witzig finde ich auch, dass Kaffee und Kuchen danach im Hause serviert werden, im rustikalen und schmucklosen Stadion-Restaurant mit fantastischem Blick auf das Spielfeld.

In der Kapelle darf natürlich nicht nur getrauert werden. Am 6. Oktober 2006 wurde der kleine Alexander hier getauft – er kam zur Welt, als Deutschland während der WM gegen Italien spielte. Die erste Trauung fand im Juni 2007 statt. Die Kapelle, die sich nur durch Spenden finanziert, ist schon wirklich etwas Besonderes. Gute Atmosphäre. Trotz aller Tränen, die ich an diesem Tag vergieße.

Das, wenn man das so sagen kann, Schönste an dem ganzen Tag, ist der Moment, als ich das Lokal verlasse und im menschenleeren Stadion stehe. Der Wind weht mein Gesicht trocken, die Sonne scheint nach einem wilden Regenguss und die schöne Energie des Stadions scheint wirklich in mich hineinzufließen, ich könnte stundenlang hier stehen. Ich denke, ich werde wiederkommen. Die Ruhe ist, bis auf ein paar Touristen mit Kameras, so unfassbar schön auf so einem großen Raum, dass ich automatisch an Yogastunden denke, zumindest eher als an grölende Massen und all die Dinge, die das Olympiastadion in seinen vielen Jahren schon erlebt hat.

Ruhe in Frieden, lieber Freimut. Vielleicht war es ja nicht wirklich der Wind, der meine Tränen getrocknet hat, sondern eine letzte Umarmung.

Foto Galerie


Quelle: externe Quelle

Olympiastadion, Olympischer Platz 3, 14053 Berlin

Olympiastadion

Nächtlicher Glanz: Olympiastadion Berlin

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