Karl-Marx-Allee und Hansaviertel

Gemeinsam Weltkultur?

Gemeinsam Weltkultur?
Die Punkthäuser gehören zu den Wahrzeichen des Hansaviertels, das mehrere Bürgerinitiativen gemeinsam mit der Karl-Marx-Allee fürs Weltkulturerbe vorschlagen wollen. Zur Foto-Galerie
Das Hansaviertel im ehemaligen West-Berlin und die Karl-Marx-Allee im Osten sollen sich gemeinsam für die Aufnahme ins UNESCO-Weltkulturerbe bewerben. Diese Forderung an den Senat kommt von mehreren lokalen Initiativen, die von Politikern unterstützt werden. Grund: Zwischen den beiden Gebieten bestünde ein unmittelbarer Bezug.

Karl-Marx-Allee und Hansaviertel, die zu Zeiten des Kalten Krieges das Wetteifern zwischen Ost und West auf städtebaulicher Ebene symbolisierten, sollen nun gemeinsam Weltkulturerbe werden. Drei Bürgerinitiativen aus den zwölf Kilometer voneinander entfernten Quartieren machen sich für diese Idee stark und haben namhafte Fürsprecher in der Politik gefunden: die früheren Senatoren Thomas Flierl (Linke) und Volker Hassemer (CDU) sowie die beiden Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD), Mitte, und Franz Schulz (Grüne), Friedrichshain-Kreuzberg, stehen hinter dem Plan. Die ehemaligen Symbole für eine  geteilte Stadt und des „konfrontativen Städtebaus“, so Flierl, wirkten heute durch ihre „gemeinsame Geschichte“ zusammenführend.

Wettbauen in Ost und West

Am Freitag unterzeichneten die Initiativen in der Akademie der Künste am Pariser Platz eine gemeinsame Erklärung. Darin wird der Senat aufgefordert, einen Aufnahmeantrag auszuarbeiten. Für den früheren Kultursenator Flierl stellen die beiden Siedlungen den gemeinsamen „genetischen Code“ des Berliner Städtebaus dar. Dem sozialistischen Ost-Deutschland gelang mit der Karl-Marx-Allee Anfang der 50er Jahre das erste große repräsentative Zeichen, das sinnbildlich für die Rekonstruktion stand. Der West-Berliner Senat konterte mit dem Bau des Hansaviertels im Rahmen der Interbau 1957. „Die Strukturen sind baukulturell aufeinander bezogen“, sagte Flierl – „das wollen wir mit einem Welterbetitel deutlich machen, nur Berlin war zugleich Ost und West.“

Berlin hat bereits mehrere Stätten, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören: Die Museumsinsel, sechs Großsiedlungen der Moderne aus dem Zeitraum von 1913 bis 1934 sowie Teile der preußischen Schlösser- und Gärtenlandschaft. Aus der Senatskanzlei verlautete in der vergangenen Woche, die Hauptstadt werde den Jüdischen Friedhof in Weißensee für die Liste des Weltkulturerbes vorschlagen. Berlin stehen zwei Vorschläge zu, die von der Kulturministerkonferenz geprüft werden.

Es bleibt nur noch wenig Zeit

Die deutsche Antragsliste für die Unesco muss bis 2014 vollständig sein. Doch neuen Bewerbern läuft die Zeit davon: Die Abgabefrist für Vorschläge an die Kultusministerkonferenz läuft nur noch bis zum 1. August. Die Begründung der Bewerbung müsse wohl durchdacht sein, sagte Dagmar Tille, die sich bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung um das Verfahren kümmert. „Zehn Jahre Vorlauf“ seien für die Ausarbeitung des Antrags üblich, „um im ersten Anlauf erfolgreich sein zu können.“ Flierl forderte die Angestellte postwendend dazu auf, sich ernsthaft mit dem Antrag zu befassen. Antje Pieper von der Initiative händigte der Senatsvertreterin eine Dokumentensammlung aus. Dabei handle es sich um das Resultat einer sechs Jahre währenden Auseinandersetzung mit den beiden Baudenkmälern. Mittes Bürgermeister Hanke lobte das „zivilgesellschaftliche Engagement“. Die Initiative habe „gute Argumente“ für den Vorschlag vorgebracht.

Die Quartiere bieten laut der Initiative auch für viele junge Leute Anschauungsunterricht – selbst aus dem bis heute geteilten Korea kämen die Besucher. Eine Verdeutlichung der ideologisch-politischen Blockkonfrontation anhand des Städtebaus, das „kann nur Berlin leisten“, so Flierl. Das Hansaviertel wurde zur Bauausstellung 1957 von Star-Architekten wie Oscar Niemeyer, Alvar Aalto oder Walter Gropius im Tiergarten entworfen, die Karl-Marx-Allee in drei Etappen: ab 1949 die Laubenganghäuser nach Plänen von Hans Scharoun, ab 1952 die Zuckerbäckerbauten nach Plänen von Richard Paulick, die sich an die sowjetische Architektur anlehnten, und das stilprägende Hochhaus an der Weberwiese von Hans Henselmann und zuguterletzt die modernistischen Bauten wie das Café Moskau. Geld fließt durch den Status als Weltkulturerbe nur indirekt: In der Regel sorgt die Aufnahme in die Liste für Renommee und damit mehr Besucher.

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Quelle: Der Tagesspiegel

Gemeinsam Weltkultur?, Karl-Marx-Allee 69B, 10243 Berlin

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