Polizei erhöht Kontrollen

Keine Chance für Raser und Rotlichtfahrer

Keine Chance für Raser und Rotlichtfahrer
Achtung, Radarfalle!
Temposünder und "Ampelüberfahrer" sollten sich besser am Riemen reißen. Die Polizei hat die Zahl ihrer Radarkontrollen im letzten Jahr deutlich erhöht und Statistiken beweisen: Immer mehr Verkehrssünder rauschen in die Falle.

Bei 802.000 Autofahrern machte es: Zoom! Sie wurden im vergangenen Jahr von den 22 zivilen Radarwagen der Polizei geblitzt. Das sind 21 Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir haben den Überwachungsdruck erhöht“, sagte der Leiter der Verkehrspolizei, Markus van Stegen, dem Tagesspiegel. Ein Brief ging an 662.000 Autofahrer raus, das ist ein Anstieg um 28,5 Prozent. Der Rest hatte Glück, da die Polizei für geringe Überschreitungen nicht zur Verantwortung zieht oder da Autokennzeichen unleserlich waren. Weil zu hohes Tempo im Jahr 2011 die Ursache von mehr als 3000 Unfällen war, will die Polizei Autofahrer dazu bringen, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.

62 Lasergeräte hat die Polizei, die Zahl der Einsätze mit ihnen wurde um zehn Prozent auf 19.700 gesteigert. Von den dabei gemessenen 12 Millionen Autos waren 824.000 zu schnell unterwegs, also etwa 7 Prozent.

Nur fünf digitalisierte Radarfallen

Zusätzlich blitzen die stationären Geräte, und zwar ebenfalls öfter als im Vorjahr. Die am 1. November an der Kreuzung Bundesallee / Güntzelstraße in Betrieb genommene erste Berliner Digitalanlage hat bereits alle Vorhersagen übertroffen. In den Monaten November und Dezember wurden dort 9382 Raser ertappt. Dabei ist der Standort bekannt, seit Jahren steht dort ein Ampelblitzer. Die neue Anlage aber erfasst sowohl Rotlichtfahrer als auch Temposünder. „Alle, die bei Gelb durchhuschen wollen, erwischen wir“, meint Polizeidirektor van Stegen. Denn diese Fahrer drücken ordnungswidrig aufs Gaspedal statt auf die Bremse – der Beleg kommt per Post. Die digitalen Daten werden direkt von der unauffälligen Säule auf der Mittelinsel der Bundesallee in die Bußgeldstelle in Mitte übermittelt, die Briefe dort vollautomatisch erstellt.

Aber längst nicht alle Geräte arbeiten auf diesem technischen Niveau. Die meisten der 17 Ampel-Überwachungen funktionieren noch mit altmodischen Schwarz-Weiß-Filmen. Die Polizei sorgt sich bereits, weil auch der letzte weltweit existierende Hersteller dieser Filme die Produktion einstellt. Doch im Doppelhaushalt für die Jahre 2012/2013 steht pro Jahr lediglich Geld für die Digitalisierung von zwei Ampel-Überwachungsanlagen zur Verfügung.

Nur die fünf Tempo-Blitzer in der Stadt sind schon digitalisiert. Vier davon wurden in den Jahren 2005 und 2006 an der Schildhornstraße in Steglitz, der Scharnweberstraße in Reinickendorf, der Seestraße in Wedding und der Frankfurter Allee in Lichtenberg aufgestellt. Hier wurden im vergangenen Jahr mehr als 100.000 Autofahrer erwischt, 2009 waren es 90.000. Anfangs hieß es, dass sich die Autofahrer die Standorte schnell merken würden. Doch weit gefehlt!

Der „beste“ Blitzer

Die meisten Temposünder erwischte der „Schwarzblitzer“ im Britzer Tunnel an der Stadtautobahn. 2011 wurden dort 148.000 Überschreitungen gemessen, 110.000 Fahrer bekamen Post von der Bußgeldstelle. Der Rest befand sich in der Toleranzzone. Die Polizei zieht bis Tempo 100 noch 3 Stundenkilometer ab. Erlaubt sind hier in der Regel 80 Stundenkilometer. 96 Prozent der Strafzettel bezogen sich auf Überschreitungen um bis zu 20 Stundenkilometer. Auch Berlins Rekordraser 2011 wurde hier geblitzt, mit mehr als Tempo 200.

Ein Knöllchen kostet an den Tempoblitzern durchschnittlich 16,50 Euro. Die technisch komplizierte und deshalb teure Anlage im Britzer Tunnel hatte ihre Kosten von 1,4 Millionen Euro bereits in den ersten sieben Betriebsmonaten 2010 eingespielt. Seit Anfang 2011 bringt sie Geld in die Kassen. Die neueste Anlage an der Bundesallee hat sich bereits nach zwei Monaten ausgezahlt. Doch weitere Blitzer wollen in Berlin nur die Grünen, Anfang 2011 hatten alle anderen Parteien im Abgeordnetenhaus dagegen gestimmt.

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