Nachbarschafts-Projekt "Grüne Tore"

(Pflanzen-)Kunst im Kiez

"Brandenburger Törchen": Das zweite der "Grünen Tore" und seine stolzen Bauherren aus dem Kiez um die Neue Steinmetzstraße.
"Brandenburger Törchen": Das zweite der "Grünen Tore" und seine stolzen Bauherren aus dem Kiez um die Neue Steinmetzstraße. Zur Foto-Galerie
Das Kiez-Projekt "Grüne Tore" verbindet im Schöneberger Norden die Begrünung des urbanen Raumes mit dem Gedanken der "Sozialen Plastik" - und bringt dabei ganz verschiedene Menschen aus der Nachbarschaft zusammen.

Diesem Ehepaar liegen das demokratische Kunstverständnis eines Joseph von Beuys und ihr Schöneberger Kiez gleichermaßen am Herzen: Als vor knapp zwei Jahren vom Bezirk und dem Quartiersmanagement Schöneberger Norden ein Projekt für die gesellschaftliche Belebung der Straßen rund um die Goebenstraße ausgeschrieben wurde, entwickelten Thomas E.J. Klasen und seine Frau Sofia Camargo ihre Idee der „Grünen Tore“.

In nachbarschaftlicher Gemeinschaftsarbeit entstehen dabei aus Pflanzen, Erde und Stützkonstruktionen aus Holz oder Eisen lebendige Kunstwerke. Über die Gestaltung der begrünten Objekte entscheiden die Teilnehmer ganz demokratisch: „Zwar bringen wir einige der Pflanzen selber mit, doch das tatsächliche Aussehen der „Grünen Tore“ ergibt sich durch die beigesteuerten Blumenspenden und den übergeordneten Willen der Gruppe“, erklärt Klasen. Auch der Begriff der „Tore“ sei in diesem Zusammenhang eher symbolischer Natur.

Im Einsatz für die Kunst im urbanen Raum

In ihrer nicht-kommerziellen Arbeit haben die Brasilianerin Camargo und ihr Mann bereits viele Erfahrungen gesammelt: Seit Jahren initiieren die beiden Künstler in verschiedenen deutschen Städten und Berliner Bezirken kreative Nachbarschafts-Projekte, zum Beispiel die „Lichtergalerie“. Doch auch im Ausland wurde das Paar – etwa mit dem brasilianischen Projekt „Crê-ser“ – bereits aktiv. „Mit unseren Aktionen wollen wir die allen Menschen in den Menschen innewohnende Kreativität wecken – ohne dabei durch ein besonders kopflastiges Konzept interessierte Bürger abzuschrecken“, erklärt Klasen. Ob jung oder alt, bildungsfern oder studentisch – alle Anwohner seien zum Mitmachen eingeladen.

Gemeinschaftsarbeit im Kulmer Kiez

Mit Aushängen in der Nachbarschaft machen die Initiatoren auf ihr aktuelles Projekt und anstehende Pflanzaktionen aufmerksam. Mit großem Erfolg. Mehr als 150 Helfer hätten sich seit Mai 2011 an der Aktion der „Grünen Tore“ beteiligt. Dabei würden durch das gegenseitige Kennenlernen immer wieder neue Beziehungen innerhalb des Kiezes entstehen. „Bei der Arbeit an den Toren kommen Studenten, ältere Migrantinnen oder Bauarbeitern miteinander ins Gespräch.“ Gestern erst hätte eine Studentengruppe die Patenschaft für eine Baumscheibe übernommen – gemeinsam mit einer traditionell ausgerichteten muslimischen Familie.

Durch die unmittelbare Lage der Pflanzungen am Drehkreuz Yorckstraße könne man darüber hinaus zahlreiche Passanten auf die Vielfalt des Bezirks und die vielfältigen Angebote seiner sozialen Akteure aufmerksam machen, so Klasen, der vor der Vielfalt Schönebergs begeistert ist. Früh wurde der Installationskünstler auf die Möglichkeiten des urbanen Raumes als „Kunstraum“ aufmerksam und bald begann er, den begrenzten Rahmen einer Galerie immer häufiger gegen die gemeinschaftliche Arbeit in innerstädtischen Bereichen einzutauschen. Die „Grünen Tore“ seien ein Teil dieser Arbeit mit der „die Kunst in das Leben eindringt“.

Zerstörungsakte in die Kunst einbinden

Im Rahmen der kollektiven Bepflanzungsaktion sind in Katzler- oder Steinmetzstraße und rund um den S-Bahnhof Yorckstraße bereits zahlreiche kreativ bepflanzte Baumscheiben und fünf dauerhafte „Grüne Tore“ entstanden. Allerdings fließen nicht nur die Einfälle ihrer Schöpfer in die langfristige Gestalt der Kunstobjekte ein: Immer wieder sind die Werke gewaltsamen Akten der Zerstörung ausgeliefert. Klasen spricht in diesem Zusammenhang lieber von der notwendigen „Veränderung“ der Pflanzenkunstwerke.

urbane Stadtnatur

„Uns ist es wichtig, dass es durch die Aktion auch zu Reibungen im Kiez kommt. Die entstandenen Werke unterliegen keinem fixen Plan und die sogenannten Übergriffe auf die „Grünen Tore“ symbolisieren die Gegebenheiten und die Verschiedenheiten im Wohnumfeld“, so Klasen. Die Akte der „Veränderung“ würden die Aura der Kunstwerke prägen und den Betrachtern darüber hinaus die tatsächliche Bedeutung des Wortes „Vergänglichkeit“ vor Augen führen.

Von diesen Taten wollen sich die Unterstützer des Projektes jedoch keinesfalls umbiegen lassen. Zum Glück – denn trotz der Übergriffe definieren sich die „Grünen Tore“ im Schöneberger Norden vor allem durch ihren gemeinschaftsstiftenden Kiez-Charakter.

Wer sich davon überzeugen möchte, ist herzlich zum Treffen des Projektes am 9. September auf dem Straßenfest Großgörschenstraße und zur Besichtigung folgender „Grüner Tore“ eingeladen:

  • Katzlerstraße 11
  • Neue Steinmetzstraße 2
  • Spielplatz an der Mansteinstraße 10
  • U-Bhf Yorckstraße/Katzlerstraße
  • Yorckstraße 48

Weitere Infos unter: schoeneberger-norden.de

Foto Galerie

(Pflanzen-)Kunst im Kiez, Kulmer Straße, 10783 Berlin

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