Unterwegs in Staaken

Jenseits der Hochhäuser

Jenseits der Hochhäuser
Die zentralen Sträßchen der Gartenstadt Staaken sind mit schmucken Reihenhäuschen bebaut.
Staaken – Tief im Westen von Berlin, wohin sich ein Bewohner der zentral gelegenen Trendbezirke selten verirrt, gibt es neben Hochhaus-Siedlungen auch Viertel mit ganz eigenem Charakter, in denen man glatt vergessen könnte, dass man sich in einer Metropole befindet. QIEZ hat sich auf den Weg gemacht.

Wer am Regionalbahnhof Staaken aus dem Zug steigt, benötigt nur wenige Schritte in ein Viertel, das nach wie vor als ein positives Musterbeispiel für den sozialen Wohnungsbau gilt. Die Gartenstadt Staaken wurde zwischen 1914 und 1917 nach Plänen von Paul Schmitthenner erbaut und hatte eine Vorbildfunktion auch für die späteren Berliner Siedlungen der Moderne, die teilweise zum Weltkulturerbe zählen.

Die langen Häuserzeilen, die die Siedlung an Finkenkruger Weg und Hackbuschstraße abschließen, wirken gedrungener und massiver als die hübschen Einfamilien-Reihenhäuschen in den Straßen Beim Pfarrhof oder Zwischen den Giebeln. Beim Spaziergang durch das Herz des ruhigen Viertels kommt man sich wie in einer Kleinstadt vor, weit weg von der großen Politik und den Problemen Berlins. Die kleine evangelische Kirche teilt sich ihren Vorplatz mit der Zeppelin-Grundschule; von dort gelangt man durch einen schmalen Durchgang auf den zentralen Heidebergplan, der die Haupteinkaufsmöglichkeit in der Gartenstadt bietet.

Zwischen den verschiedenen Häuserzeilen verlaufen schmale Wege durch Kleingärten, so dass der auswärtige Besucher manchmal nicht weiß, ob es wohl noch weitergeht. Im Norden des Viertels liegt die Heidelake, eine größere Grünfläche mit einem sumpfigen Teich. Die eigentlichen Grenzen der Gartenstadt sind im Norden und Süden die beiden Bahntrassen.

Trabi und Schlaglöcher

Wendet man sich vom Bahnhof nach Süden, gelangt man über den Nennhauser Damm nach einem guten halben Kilometer in das ursprüngliche Dorf Staaken, erkennbar an der rechterhand liegenden Dorfkirche. An frühere Zeiten erinnern vor allem die Haupt- und ein Teil der Schulstraße. Hier gibt es teilweise noch Kopfsteinpflaster und Schlaglöcher, die an ostdeutsche Dörfer in den 90er Jahren erinnern – ein Trabi am Straßenrand tut das seinige dazu. Zu sehen sind aber auch einige schöne ältere Häuser. In der Umgebung hat sich allerdings viel getan; hier stehen vor allem Neubauten für ein oder mehrere Parteien.

Folgt man dem Nennhauser Damm weiter nach Westen, ist nach einem Kilometer Schluss mit Berlin. Hier am äußersten Stadtrand stößt man auf die Heerstraße, die sich als große Magistrale bis zum Theodor-Heuss-Platz in Westend zieht. Das Erste, was der aus Westen kommende Autofahrer von Berlin sieht, sind neben Fast-Food-Restaurant und Discountmarkt die würfelförmigen Häuser der Siedlung Neu-Jerusalem zu beiden Seiten der Heerstraße. Die Wohnanlage ist ein denkmalgeschütztes Beispiel für das „Neue Bauen“ der 1920er Jahre.

Heute wirken die Häuser nach wie vor avantgardistisch und speziell, sind jedoch in keinem guten Zustand. Vor rund zwei Jahren wurde die gesamte Anlage vom Investor NCE an verschiedene neue Eigentümer weiterverkauft. Wie es hier weitergeht, ist noch nicht abzusehen. Derzeit passiert in Neu-Jerusalem jedenfalls gar nichts. Die schwierige Aufgabe wird sein, die Interessen von Mietern und Denkmalschutz mit der nötigen Sanierung in Einklang zu bringen.

Jenseits der Hochhäuser, Zwischen den Giebeln, 13591 Berlin
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