Kiezporträt

Heinersdorf: Verkehrsengpass mit viel Grün

Die Kreuzung von Romain-Rolland- und Tino-Schwierzina-Straße an der Dorfkirche.
Die Kreuzung von Romain-Rolland- und Tino-Schwierzina-Straße an der Dorfkirche.
Beim Spaziergang durch Heinersdorf bleibt einem der dörfliche Charakter des erst seit 1920 zu Berlin gehörenden Ortsteils nicht verborgen. Gestört wird die Ruhe allerdings durch die nach wie vor Tegel ansteuernden Flugzeuge und jede Menge Durchgangsverkehr auf den Hauptstraßen.

Heinersdorf ist problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Es hat einen eigenen S-Bahnhof (auch wenn der knapp jenseits der Grenze zu Pankow liegt), ist Endhaltestelle der Tramlinie M2 und Busse fahren hier selbstverständlich auch. Trotzdem hat der zum Bezirk Pankow gehörende Ortsteil ein Verkehrsproblem: Viele Autofahrer nutzen die Durchgangsstraßen als Ausweichstrecke zur Prenzlauer Promenade. Diese mehrspurige Ausfallstraße mündet in die Autobahn 114, die zum Berliner Ring führt, ist aber häufig verstopft. Der ‚Transitverkehr‘ durch Heinersdorf belastet wiederum die zweispurigen Straßen des Ortsteils und sorgt dafür, dass die Gegend um die eigentlich sehenswerte Kirche nicht den Charakter einer Dorfmitte bekommt.

Es ist nicht so, dass die Stadt das Problem verkennen würde: Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat einen Bebauungsplan entworfen, um den Ortskern zu entlasten. Die Bezirksverordnetenversammlung und der Bürgerverein Berlin-Heinersdorf e.V. befürchten jedoch, dass der Plan zu noch mehr Durchgangsverkehr führen würde und lehnen ihn daher ab. Der Ausgang der Auseinandersetzung ist ungewiss.

Ruhige Nebenstraßen – wenn da nicht der Fluglärm wäre

Abseits der Hauptstraßen, an denen Filialen einiger bekannter Unternehmen wie Netto, Kaufland und Kentucky Fried Chicken liegen, wirkt Heinersdorf dörflich, fast schon verschlafen. Es gibt einige Betriebe, nur wenige Geschäfte und viel Grün. Wer beispielsweise die Malchower Straße entlangspaziert, kommt in eine ruhige Wohngegend mit kleinen Sträßchen und Einfamilienhäusern, von denen viele schön herausgeputzt sind, einige aber auch Anstrich und Renovierung vertragen könnten. Schnell ist man von hier im Grünen: Über den Wildstrubelpfad gelangt man an einem thailändischen Kulturzentrum vorbei zum Schmöckpfuhlgraben, neben dem ein schöner Spazierweg verläuft.

 

Die Romain-Rolland-Straße ist die längste im Ortsteil. Nördlich der abzweigenden Rothenbachstraße geht es auf ihr deutlich ruhiger zu, auch wenn die Bebauung städtischer ist als in den kleinen Querstraßen. In einer von diesen liegt die Khadija-Moschee, gegen deren Bau sich 2006 in der Gegend Widerstand regte. Nicht nur Heinersdorfer Bürger und die örtliche CDU protestierten – auch die NPD versuchte, das Bauvorhaben für ihre Zwecke zu nutzen. Heute liegt die Moschee friedlich zwischen KFC und anderen Gewerbebetrieben und ein Besucher Heinersdorfs fragt sich unwillkürlich, wozu das ganze Theater nötig war.

Wie viele Berliner entspannen sich auch die Heinersdorfer gerne in Kleingartensiedlungen. Solche liegen im Norden und beiderseits der Tino-Schwierzina-Straße (ehemals Berliner Straße) im Süden des Ortsteils. An der Tino-Schwierzina-Straße befindet sich auch der weithin sichtbare, baufällige Wasserturm. Er charakterisiert ein wenig den Stand der Dinge in Heinersdorf: Es bleibt etwas zu tun, aber mit einigen baulichen Veränderungen vor allem am Straßennetz könnte der Ortsteil schon bald noch deutlich attraktiver werden. Voraussetzung dafür ist allerdings ein Ende des Flugverkehrs in Berlin-Tegel – noch lärmen die Maschinen am Nachmittag gefühlt alle drei Minuten im Landeanflug über die Gegend.

Heinersdorf: Verkehrsengpass mit viel Grün, Romain-Rolland-Straße 54, 13089 Berlin

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