Unterwegs im Kiez

Ein heißer Tag in Buckow

Ein heißer Tag in Buckow
Die Dorfkirche von Buckow stammt ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert und ist damit das mit Abstand älteste Gebäude im Stadtteil.
Die größte Besonderheit des Neuköllner Ortsteils an der südlichen Stadtgrenze ist wahrscheinlich, dass es ihn doppelt gibt, als Buckow I und Buckow II, getrennt durch die Großsiedlung Gropiusstadt. An einem sommerlichen Maitag hat sich QIEZ auf den Weg gemacht, um im westlich gelegenen 'ersten Buckow' zu erkunden, was die Gegend außer einer mittelalterlichen Feldsteinkirche noch zu bieten hat.

Der Bus M11 entlässt den Buckow-Besucher an der Dorfkirche in einen ungewöhnlich heißen Mai-Nachmittag. Das aus Feldsteinen errichtete Gotteshaus datiert vermutlich aus dem späten 13. Jahrhundert und kann mit Fug und Recht als eine der größten Attraktionen des Stadtteils bezeichnet werden. Heute feiert die evangelische Kirchengemeinde Alt-Buckow hier ihre Gottesdienste, deren Organist Alexander Riede Leiter des nach eigenen Angaben größten Gospelchors Berlins ist. Doch an diesem Nachmittag ist der Zugang zur Kirche verschlossen und so bleiben auch die mittelalterlichen Malereien, die im Innenraum in einzelnen Fragmenten noch zu sehen sind, unbetrachtet.

Gleich nebenan liegt ein mit einem Schilfgürtel umzogener Dorfteich, der gemeinsam mit der Kirche zum historischen Dorfanger entlang der Durchgangsstraße Alt-Buckow gehört. Einige Häuser aus dem 19. Jahrhundert stehen hier unter Denkmalschutz und sind mehr oder weniger gut erhalten. Das Flair eines echten Ortskerns will allerdings nicht aufkommen. Da sind zum einen der Verkehr und zum anderen die Tatsache, dass abseits der Dorfstraße vorstädtische Neubauten das architektonische Bild Buckows bestimmen.

Schön gebaut wird woanders

Besonders ehrgeizig waren die Architekten nicht. Einfache Ein- und Zweifamilienhäuser sowie unambitionierte Mietskasernen bis hin zu einigen Hochhäusern am südlichen Stadtrand wechseln sich ab. Natürlich ging es bei ihrem Bau auch darum, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, etwa in der Hans-Martin-Helbich-Siedlung südlich der Dorfstraße. Immerhin ist es angenehm ruhig in Buckow I, nur die Vögel zwitschern um die Wette. Kein Wunder, denn Grün in Form von Rasen, Bäumen und Sträuchern gibt es reichlich. Neben einigen Standard-Einkaufsmöglichkeiten und einem überschaubaren gastronomischen Angebot fallen dem Besucher jedoch keine weiteren Anziehungspunkte auf. Den Alltag stört allenfalls ein Polizeiauto auf dem Gehweg der Heimsbrunner Straße.

Der ereignisarme Kiezrundgang unter heißer Maisonne wird angenehmer, als der Stadtrand erreicht ist. Südlich der Gerlinger Straße liegen die Buckower Felder und ein kleiner Hain aus Laubbäumen, dahinter beginnt Brandenburg. Auf dem Mauerweg wird QIEZ bei der Erkundung eines Pfads von einem kleinen Pinscher angebellt, der laut seinem Frauchen skeptisch gegenüber Männern ist, die aus Büschen kommen – wilde Tiere, ein echter Höhepunkt dieses Buckow-Streifzugs.

Der Ort Großziethen, der zur Gemeinde Schönefeld gehört, liegt unmittelbar hinter den Bäumen. Kein Wunder, dass sich vor allem Buckower Anwohner für den Erhalt der Felder einsetzen, auf denen laut der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt eine „aufgelockerte und durchgrünte Wohnsiedlung“ geplant ist. Bisher fand hier nur einmal pro Jahr das Strohballenfest statt. Das Wohnungsbauproblem macht auch vor den Stadtrandlagen nicht halt – es gibt bereits eine Facebook-Seite „100% Buckower Felder“.

Dorfkirche Alt-Buckow, Alt-Buckow 34-38, 12355 Berlin

Telefon 030 6041010

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