Urbanes Gärtnern

Kiezige Ausstellung im Brunnenviertel

Fotograf Michael Becker vor seinen Fotografien von der Gleim-Oase und dem Mauergarten.
Fotograf Michael Becker vor seinen Fotografien von der Gleim-Oase und dem Mauergarten. Zur Foto-Galerie
Im Freizeiteck werden Fotografien von Michael Becker gezeigt - und zwar zum urbanen Gärtnern in der Gleim-Oase und im Mauergarten. Beide befinden sich direkt in der Nachbarschaft.

Im Freizeiteck gemütlich beisammen sitzen, Fotografien der neuen Ausstellung über urbanes Gärtnern im Kiez angucken, seine Nachbarn kennen lernen. Dass das im Brunnenviertel so in der Form möglich ist, darum bemüht sich das Netzwerk bv kompakt seit zweieinhalb Jahren. Seit Herbst letzten Jahres darf das Freizeiteck in der Graunstraße als Kiezanlaufstelle genutzt werden, gestellt werden die Räumlichkeiten von der degewo.

Die Gleim-Oase mit dem Freizeiteck im Hintergrund. (c)QIEZ
Seit Anfang August stehen hier die Bilder von Michael Becker im Vordergrund. Er hat zwei grüne Inseln aus der direkten Nachbarschaft fotografiert. Becker erklärt: „Diese Ausstellung bringt den Mauergarten und die Gleim-Oase erstmals unter einen Hut.“ Er spricht von der Geschichte der Gleim-Oase. Diese grüne Verkehrsinsel hat ihren Ursprung 1985. Sie sei zugewachsen gewesen wie ein Dornröschenschloss, als Dunja Berndt und Holger Eckert anfingen, sie nach und nach freizulegen. Und Becker befürchtet, dass dieses Kleinod durch die Mauerparkbebauung Nord in Gefahr sein könnte. „So viele Aspekte sprechen dafür, dass die Planer die Oase berücksichtigen – aber die sehen das eher als Krempelecke, die bei dem Vorhaben im Weg ist“, sagt er. Dann lobt er, was innerhalb eines Jahres im Mauergarten entstanden sei. „Beide sind Stadtnatur-Areale, das eine für Gemüseanbau, das andere eher fürs Auge. Diese Bilder sollen den Spaß rüberbringen, der bei der Arbeit entsteht. Möglichst viele sollen Kenntnis davon haben, dass dieser Raum auch genutzt wird von den Bürgern!“

Angebot im Kiez: Lesecafé, Wissensbörse & Co.

Das Netzwerk bv kompakt besteht aus ehrenamtlich aktiven Anwohnern. Die tragende Rolle spielt Beate Chudowa. Sie erklärt: „Sinn unseres Netzwerkes ist es, Anlaufpunkt für die Leute zu sein, die aktiv im Kiez sein wollen und die nicht so recht wissen, wohin. Die vielleicht sagen: Ja, das Quartiersmanagement hat auch ein super Angebot, aber das Ganze ist mir zu bürokratisch.“ Vor allem zwanglos soll es zugehen. Und so, dass alle etwas davon haben. Dass ihnen zum Beispiel gerade eine Nähmaschine geschenkt wurde, erfreut Chudowa. „Damit können wir mit einer Näh-Selbsthilfe starten, zum Sich-selber-helfen-Lernen“, meint sie. „Den Bereich Handarbeiten wollen wir sowieso ausbauen.“

Viel ist leider nicht los im Freizeiteck. „Der Kiez ist ziemlich schwerfällig“, weiß Chudowa. „Hier hat in den 80er Jahren ein großer Wechsel stattgefunden. Heute gibt es viel sozialen Wohnungsbau, die meisten sind Deutsche mit Migrationshintergrund.“ Zur Ausstellungseröffnung im Brunnenviertel sind zwei Damen gekommen, die eine Kübelpartnerschaft am Vinetaplatz übenommen haben, Berndt und Eckert, die sich liebevoll um die Gleim-Oase kümmern und auch René Scharf vom noch ziemlich neuen Mauergarten. Langfristiges Ziel ist es, so viele Nachbarn wie möglich vom neuen Angebot im Freizeiteck zu überzeugen. Geplant sind beispielsweise auch ein Lesecafé und eine Wissensbörse zum gegenseitigen Austausch.

Die Ausstellung läuft noch bis Ende September.

Foto Galerie

Freizeiteck, Graunstraße 28, 13355 Berlin

Treffpunkt für Jung und Alt im Kiez: das Freizeiteck im Brunnenviertel.

Treffpunkt für Jung und Alt im Kiez: das Freizeiteck im Brunnenviertel.

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