Unterwegs im Kiez

90 Minuten Mahlsdorf-Süd

90 Minuten Mahlsdorf-Süd
Im beschaulichen Mahlsdorf ersetzen in vielen Straßen Grünstreifen die Gehwege.
Wer ohne große Vorkenntnisse zu einem Spaziergang durch Mahlsdorf aufbricht, wird von viel Grün, einem schönen Museum und einem See mit ausgeprägter Freikörperkultur überrascht. Der unbedarfte Besucher könnte sich auch wundern, dass er sich noch in Marzahn-Hellersdorf befindet. Denn der Ortsteil ist Stadtrand par excellence: Manchen Straßen fehlen sogar die Gehwege.

Das Ziel ist ambitioniert: einen Kiez mit den Ausmaßen von Mahlsdorf-Süd in 90 Minuten zu erlaufen und anschließend vorzustellen. Natürlich ist QIEZ nicht gänzlich unvorbereitet in den Stadtteil am östlichen Rand Berlins gefahren. Mahlsdorf besteht größtenteils aus Ein- und Zweifamilienhäusern. Gesundheitssenator Mario Czaja hat hier 2011 bei den Abgeordnetenhauswahlen ein für Ost-Berlin untypisches Direktmandat für die CDU errungen. So viel wissen wir.

Dank der S-Bahnlinie S5 ist Mahlsdorf trotz seiner Randlage gut zu erreichen. Die Bahngleise fungieren als Grenze zwischen dem nördlichen und südlichen Teil. Eine weitere Trennlinie ist die Bundesstraße 1 – südlich von ihr gelangt man endgültig ins sprichwörtliche ‚Suburbia‘, eine ausgedehnte, grüne Wohngegend zu beiden Seiten des Hultschiner Damms mit wenig Gewerbe und Geschäften. Zuvor sollte man aber nicht versäumen, sich gut 100 Meter nördlich davon die hinter Bäumen fast versteckt liegende mittelalterliche Dorfkirche anzuschauen. Sie stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und ist von einem Friedhof umgeben. Das Gotteshaus ist nicht nur das älteste Bauwerk Mahlsdorfs, sondern gehört auch zu den ältesten Bauten Berlins.

Museum mit überregionaler Strahlkraft

Ebenfalls von Grün umgeben ist das Gründerzeitmuseum, das Charlotte von Mahlsdorf 1960 eröffnet hat. Zu sehen sind in der international bedeutsamen Ausstellung Wohnzimmer im Stil der Neorenaissance, die aus der Zeit von 1870 bis 1900 stammen und komplett mit entsprechendem Interieur eingerichtet sind. QIEZ beschränkt sich an diesem Tag jedoch auf einen Rundgang durch den das Gebäude umgebenden Gutspark, der bereits im 19. Jahrhundert angelegt wurde.

Auf dem weiteren Weg nach Süden geht es nun durch ein Wohngebiet westlich des Hultschiner Damms. Für die einen ist das hier die perfekte Vorstadtidylle: Ein- und Zweifamilienhäuser der Mittelklasse mit schönen Vorgärten voller Blütenpracht. Durch die in vielen Straßen fehlenden Gehwege entsteht ein beinahe ländliches Gefühl. Viel los ist in so einer Gegend natürlich nicht.

Nackt am See

Unsere Vermutung, dass es den einen oder anderen Anwohner bei den sommerlichen Temperaturen an einen der nahen Kaulsdorfer Baggerseen zieht, bestätigt sich. Der im Zuge der Kiesgewinnung in den 1930er Jahren entstandene Habermannsee gehört zum Teil zu Mahlsdorf. Vom Kressenweg braucht man drei Minuten durchs Unterholz und sieht sich dann am nordöstlichen Strand unverhofft einer Menge unbekleideter Menschen gegenüber. Die etwas Angezogenen liegen ein paar Meter weiter. Das aus Wasserschutzgründen bestehende, aber kaum überwachte Badeverbot wird von vielen missachtet.

Der mit Fotoapparat ausgestattete QIEZ-Redakteur möchte hier natürlich nicht stören und zieht sich bald wieder ins Wohngebiet zurück. Überhaupt neigen sich die 90 für den Besuch eingeplanten Minuten bereits dem Ende entgegen, so dass die Tramlinie 62 in Richtung Köpenick die einzige Möglichkeit ist, noch einen Eindruck vom Rest von Mahlsdorf-Süd zu bekommen.

90 Minuten Mahlsdorf-Süd, Hultschiner Damm, 12623 Berlin
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