Spaziergang in Kreuzberg

Der Zwischen-Kiez rund um den Mariannenplatz

Der Zwischen-Kiez rund um den Mariannenplatz
Alt und neu und bunt bemalt: Häuser in der Wrangelstraße.
Mitten im Szenebezirk gibt es tatsächlich noch Gegenden wie den Mariannenkiez, die hauptsächlich zum Wohnen geeignet und ein bisschen weniger dicht mit Cafés und Kneipen gepflastert sind. Groß ist dieses Fleckchen eines ursprünglicheren Kreuzbergs allerdings nicht. Ein Rundgang.

Einer Karte des Quartiersmanagements zufolge erstreckt sich der Mariannenkiez grob gesagt zwischen Naunyn-, Adalbert-, Wrangel- und Manteuffelstraße – ein überschaubares Gebiet mit hoher Einwohnerdichte: 5774 Einwohner leben auf rund 19 Hektar. Weitere Zahlen der Quartiersmanager belegen die Notwendigkeit ihrer Arbeit: Die Arbeitslosenquote ist hoch, ebenso der Anteil von Kindern und Jugendlichen. Und fast zwei Drittel der Bewohner haben einen Migrationshintergrund.

Natürlich ist der Mariannenplatz selbst mit dem weithin bekannten ehemaligen Diakonissen-Krankenhaus, dessen kulturellen und gastronomischen Angeboten sowie seinem Park ein Anziehungspunkt auch für Menschen von außerhalb des Kiezes. Rund um den Platz gibt es ein paar Cafés, kleine Läden und sogar seit einigen Jahren ein Hotel. Doch die meisten Geschäfte in der Gegend richten sich eher an die Anwohner; viele haben türkischstämmige Betreiber. Es sieht ganz anders aus als nur wenige Meter entfernt auf der südlich des Kiezes gelegenen Oranienstraße.

Hier saniert, dort mit Schüssel

Beim Spaziergang durch den Mariannenkiez fällt die Mischung aus oft mehr, manchmal weniger gut sanierten Altbauten und sozialem Wohnungsbau aus den 1970ern auf. In der Naunynstraße stößt man auf einige Häuserfassaden mit jeder Menge Satellitenschüsseln, aber auch auf das efeubewachsene Jugendzentrum Naunynritze. Direkt gegenüber davon befindet sich das Ballhaus, das unter der jetzigen Intendantin des Maxim Gorki, Shermin Langhoff, zu einer Institution des innovativen, multikulturell geprägten Theaters wurde.

An der nächsten Ecke dann eine Institution des alten Kreuzbergs: Der Trinkteufel ist seit vielen Jahren eine Lieblingskneipe der alternativen Szene und der Freunde harter Gitarrenmusik. Auch ein gewisser Pete Doherty hat sie schon besucht – mit teuren Folgen. Vorbei an Sport- und Spielplätzen gelangt man über die Waldemarstraße zum Haus Bethanien, hinter dem auf einer großen Wiese die Leinwand des Freiluftkinos Kreuzberg steht, das nicht nur mit der schönen Location, sondern auch mit vielen Filmen, die im Original mit Untertiteln gezeigt werden, punkten kann.

Moderne Freizeitgestaltung im Keller

In der Grünanlage vor dem früheren Krankenhaus entspannen sich an diesem Donnerstagnachmittag vor allem jüngere Menschen. Vom östlichen Ende des Mariannenplatzes geht die Muskauer Straße ab. Auf dem Teilstück bis zur Manteuffelstraße befinden sich einige der schöneren Altbauten des Kiezes – und ganz unscheinbar in einem Kellergeschoss ein junges, hippes Freizeitangebot: Bei TeamEscape müssen bis zu sechs Personen in Teamarbeit aus einem geschlossenen Raum entkommen und dafür Rätsel lösen – so gefährlich wie im ähnlich gestrickten Horrorfilm „Cube“ wird es allerdings nicht.

Unser Kiezspaziergang endet am westlichen Ende der Wrangelstraße, die hier viel ruhiger und unscheinbarer ist als im Wrangelkiez jenseits der Skalitzer Straße. Der Wirt der klassischen Eckkneipe an der Manteuffelstraße hat Muße und steht vor seiner Lokaltür. Eine Frau mittleren Alters sucht in einer Gelben Tonne nach Verwertbarem. Die beiden Grundschulen sind in den Sommerferien ebenfalls verwaist. Hier und in diesem Moment schwankt Kreuzberg noch zwischen gestern und heute.

Weitere Infos zum Mariannenkiez findet ihr auf der Seite des Quartiersmanagements.

Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin
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