Der Teltowkanal

Verwunschen, verschwunden, vergessen?

Verwunschen, verschwunden, vergessen?
Eine Postkarte aus der Zeit des Baus. Zur Foto-Galerie
Teltowkanal - Vor 105 Jahren vollzog sich der Bau des Teltowkanals fast völlig ohne Proteste der Bevölkerung. Dabei hatte das Bauwerk gravierenden Einfluss auf die Struktur der Gegend - allerdings durchaus auch positiven, wie unsere Gastautorin Jutta Goedicke, Herausgeberin des Kiezmagazins Ferdinandmarkt, zu berichten weiß.

Sieht man den Teltowkanal heute in seinem eingewachsenen, grünen Bett „dahinfließen“, lässt sich kaum ahnen, welch gewaltigen Einschnitt der Kanalbau in die zum Teil ländliche Struktur des Gebietes genommen hat. Besonders im Bäketal von Groß-Lichterfelde bis Teltow, welches damals noch dünn besiedelt, sumpfig und überwuchert war, gab es wohl kaum jemanden, der diese ungesunde, feuchte und im Sommer von Mücken heimgesuchte Gegend besonders schätzte. Erst die Linienführung des Kanals entwässerte das Terrain wirksam und schuf einen verlässlichen Vorfluter, von dem wir heute noch bei Starkregen und Schneeschmelze profitieren.

Ursprünglich durchfloss die Bäke (früher Telte) vier Seen auf ihrem Weg zur Havel: den Teltower, den Schönower, den Machnower und den Griebnitzsee. Durch die Absenkung des Wasserspiegels beim Kanalbau verschwanden die ersten beiden Seen. Die Sohle des kleinen Schönower Sees nehmen heute die Pferdekoppeln am Teltower Damm ein, und an den Teltower See erinnert vor allem die Ortslage Seehof, die Gartenkolonie Teltower Seeboden und die kleine Straße mit dem Namen Seepromenade, die heute nur an üppig wuchernder Natur entlangführt. Die Kontur seines nördlichen Randes mit steilen Uferböschungen lässt der Teltower See heute noch am Lichterfelder Stichkanal erkennen, den man entlang des Treidelpfades parallel zur Goerzallee entdecken kann. Einen Eindruck von der einstigen, verwunschenen Landschaft des Bäketales kann man im seit 1995 ausgewiesenen Naturschutzgebiet bei Kleinmachnow bekommen.

Bogen um die Villenkolonie

An der Prinzregent-Ludwig-Brücke (Birkbuschstraße) fand sich die Schnittstelle zwischen zwei markanten Bauabschnitten des Kanals, die sinnbildlich das „Ursprüngliche“ von der „Moderne“ trennte. Einerseits das sumpfige, mäandrierende Bäketal und andererseits die entwickelte Stadtrandlage von Steglitz und der Villenkolonie Südende. Schaut man gerade hier auf alte Straßenkarten, fallen sofort die dichten Straßennetze und die fortgeschrittene Bebauung zwischen Steglitz und Lankwitz auf, die der Kanalbau durchschnitt.

Innerhalb nur eines Kilometers und noch bevor der Kanal seinen rücksichtsvollen Bogen um Südende schlug, weisen vier Brücken auf lebendige Verkehrswege hin, die zu berücksichtigen waren: die bereits erwähnte Prinzregent-Ludwig-Brücke, die 1945 gesprengte und nicht wieder aufgebaute Kirchnerbrücke, die die heutige Nicolaistraße mit der Johanna-Stegen-Straße und der Brückenstraße verband (letztere bildete in ihrer Verlängerung die Hauptachse des Stadtparks Steglitz); die Hannemannbrücke, die die Leonorenstraße (früher Victoriastraße) mit der Straße Am Eichgarten und der Stindestraße verband und heute immer noch verbindet sowie die Siemensbrücke, die den geraden Straßenverlauf des heutigen Ostpreußendamms und der Siemensstraße von Teltow Richtung Berlin berücksichtigte.

Allein finanziert aus dem gut gefüllten „Stadtsäckel“ des Kreises Teltow schufen die verantwortlichen Planer, Erbauer und Betreiber eine moderne, weitgehend in die Natur eingebettete, fortschrittliche Wasserstraße, die mit ihrer Treideltechnik sogar Vorbild für den Bau des Panamakanals war.

Jutta Goedicke ist nicht nur Herausgeberin und Chefredakteurin des Kiezmagazins Ferdinandmarkt, sie ist auch Besitzerin des Spielzeugladens Löwenzahn in Lichterfelde-Ost.

Foto Galerie


Quelle: Jutta Goedicke

Verwunschen, verschwunden, vergessen?, Birkbuschstraße 56, 12167 Berlin

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