Kiezzeitschrift Ferdinandmarkt

Moderne Rituale, Street Art und andere Ordnungswidrigkeiten

Moderne Rituale, Street Art und andere Ordnungswidrigkeiten
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Berlinweit - Diesmal schaut unsere Gastautorin Jutta Goedicke über das beschauliche Lichterfelde Ost hinaus. Im Blickpunkt: Street-Yogis, Shoefiti, Vorhängeschlösser und weitere kreative Street Art-Ausdrucksformen.

Längst dominiert die Werbung unseren öffentlichen Raum. Riesige Plakatflächen multinationaler Unternehmen, endlose Reihen parteipolitischer „Charakter-Köpfe“ vor Wahlen, überall aufgestellte „Straßenstopper“ und überquellende Briefkästen sind z.T. lästige, aber nicht mehr wegzudenkende Bestandteile unseres modernen Lebens. Dass sich da einige findige Leute herausgefordert sahen, dem – mit eigener Kreativität und Originalität – etwas entgegenzusetzen, lässt viele Betrachter schmunzeln und die eigene Umgebung mit anderen Augen sehen.

Form von Street Art. (c)Maxine Goedicke
Abseits der dümmlichen Beschmierung von Fassaden und des Zerkratzens von Glasflächen hat sich eine neue Jugendkultur überall in der Welt gebildet, die den öffentlichen Raum mit friedlichen, kreativen Mitteln zurückerobert.

Malereien, Installationen oder kleine Kunstobjekte

Hinter vielen Aktionen stecken interessante Ideen, die uns zu einer sensibleren Wahrnehmung unserer Umgebung auffordern. Es sind nicht nur die berührenden weißen Fahrräder (Geisterräder), die der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) immer dort aufstellt, wo Radfahrer im Straßenverkehr tödlich verunglückten, es sind auch Malereien, Installationen oder kleine Kunstobjekte, wie z.B. die Street-Yogis, die man inzwischen in allen Bezirken auf Straßenschildern findet, die uns einladen, genauer hinzuschauen. Witzig und zum Teil nachdenklich sind auch die „Ergänzungen“ auf Verkehrsschildern, die von meist anonymen Künstlern aufgeklebt werden. Dabei geht es nicht um Beschädigung und Zerstörung, sondern um eine Ausdrucksform von Kunst, die sich sowohl an die Stadtbewohner als auch an die Verwaltung, Planer und Architekten richtet.

Die Vorhängeschlösser.(c)Jutta Goedicke
Unter den Begriff „Street Art“ fallen somit viele Aktionen, die wie aus dem Nichts auftauchen, und oftmals erst auf den zweiten Blick erkannt werden und in denen die Künstler selbst zum Planer und Gestalter werden. Weitere Beispiele dafür sind das „Guerilla Gardening“ – die gezielte Begrünung monotoner Straßenlandschaft, das Anbringen von signierten Vorhängeschlössern an Brückengeländern, als Sinnbild für eine ewige Verbundenheit mit dem Partner oder das „Shoefiti“ – der Wurf von an den Schnürsenkeln zusammen geknoteten Schuhen auf Stromleitungen oder Masten. Die Deutung dieses Rituals ist unterschiedlich: In Schottland wird damit der Verlust der männlichen Unschuld angezeigt, in den USA symbolisiert es den gewaltsamen Tod eines Menschen oder kennzeichnet das Territorium einer bestimmten Bande, bei uns ist es dagegen offenbar nur ein neuer verrückter Trend, der beim Erwischtwerden mit 35 Euro für eine Ordnungswidrigkeit zu Buche schlägt.

Auf jeden Fall sind all diese Aktionen Ausdruck einer neuen Straßenkultur, die ihren kritischen Ansatz in einem Augenzwinkern verpackt, die gelegentlich provoziert, die dem öffentlichem Raum aber auch ein bisschen mehr Menschlichkeit gibt.


Unsere Gastautorin Jutta Goedicke ist nicht nur Herausgeberin und Chefredakteurin des Kiezmagazins Ferdinandmarkt, sie ist auch Besitzerin des Spielzeugladens Löwenzahn in Lichterfelde-Ost.


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Quelle: QIEZ / externe Quelle

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