Neue Late Night Show

Ist Klaas der nächste Harald Schmidt?

Ist Klaas der nächste Harald Schmidt?
Klaas kann auch mal ganz seriös sein, wie man hier sieht.
Klaas Heufer-Umlauf hat nun eine eigene Show – ganz ohne Joko. "Late Night Berlin" läuft seit gestern auf ProSieben. Wir haben uns die erste Sendung für euch angeschaut: ob Klaas seine Feuertaufe als Late Night Moderator bestanden hat?

Die erste Stolperfalle vor der Sendung hatte Klaas schon mal meisterlich und mit viel Selbstironie genommen. Auf die spöttische Berichterstattung der Medien über die Aussage bei ProSieben „die neue Late-Night-Show für Deutschland direkt aus Berlin, der Stadt, die Trends setzt“ – tatsächlich wird diese aber in Potsdam gedreht –  twitterte Klaas: „und ich sag noch: leute, seid ihr WIRKLICH sicher dass potsdam in berlin ist? eine bande von idioten dieses team!“ Touché. Aber dass der Fernsehmoderator ein dickes Fell hat, hat er an der Seite von Joko Winterscheidt mit Circus HalliGalli schon zur Genüge bewiesen. Und wie war nun die erste Sendung?

Nichts Neues, aber doch viel Lustiges

Der Einspieler mit Actionfilm-Musik, heroisch-ironischer Selbstinszenierung und futuristischem Design erinnert an Jan Böhmermanns Format Neo Magazine Royale auf ZDF – genauso wie das fancy Fernsehstudio mit eigener Band und dem witzigen Typen als Sidekick. Dabei verfällt Klaas kurz ein bisschen in Größenwahn, als er sich in eine Reihe mit legendären Late Night-Talkern wie Haraldt Schmidt oder David Letterman stellt. Ein Nachteil gegenüber Neo Magazine Royale ist die bei ProSieben typische, übermäßige Werbung: Für eine 27-Minuten-Sendung muss man beinahe alle zehn Minuten Werbeblöcke überbrücken, egal ob live im TV oder im Stream. Das ist bisher aber schon der einzige wirklich negative Punkt an der Sendung.

Der Studiogast Anne Will ist gut gewählt – für die erste Sendung wurde auf Nummer sicher gegangen, denn Medienprofi Anne Will kommt im TV stets charismatisch, humorvoll und interessant rüber, darauf kann man sich verlassen. Auch die Gesprächsthemen sind unterhaltsam: Zum Beispiel fragt Klaas, welche peinliche Sendung Anne Will gerne guckt oder wie man mit schwierigen Gästen umgeht. Im Gegensatz zu Jan Böhmermann lässt der Showmaster seine Gäste sogar ausreden, er wirkt allgemein etwas authentischer als Böhmermann und gibt anfangs sogar zu, dass er aufgeregt ist.

Die Gags zu aktuellen Themen – Trump trifft Kim Jong-Un, die mangelnde Kompetenz der neuen Groko-Minister sowie ein paar Fun-Facts wie: der Volkssport Kegeln stirbt aus – sind teils lustig, teils ein bisschen flach und damit ausbaufähig. Sehr gut gemacht ist vor allem der Clip 171 Tage Im Laberinth der Macht, der auch ein wenig an Joko und Klaas erinnert. Darin sprechen ein paar Wähler die Politiker in den Koalitionsverhandlungen so nach, wie sie sich das vorstellen. So reden Lindner und der von Klaas gespielte Martin Schulz mal Kölsch, Cem Özdemir schwäbelt, Steinmeier gibt sich ganz als Anführer, reißt das Jackett auf und zeigt sein „Ich bin der Boss“ Shirt.

Sehr cool finden wir, dass Juso-Chef Kevin Kühnert sich im Clip selbst und – ein ironischer Seitenhieb auf seine Jugendlichkeit, die von Presse und Politik so übertrieben hervorgehoben wurde – natürlich mit einem Fidget-Spinner spielt. Und Merkel? Die triumphiert am Ende, wie immer, und stößt mit Sekt-Piccolöchen mit ihrem Spiegelbild auf sich selbst an, während Schulz derweil Abrissparty zu Gangsta-Rap macht und dabei Schokolade isst. Auch die Kritik der Medien, eine richtige Late Night Show müsse öfter als einmal die Woche gesendet werden, greift Klaas auf: Er kreiert schon einmal eine Gag-Vorschau auf die kommende Woche mit Witzen, die der Zuschauer dann gerne benutzen dürfe. Fazit: Wir sind gespannt auf mehr.

Vorher noch Comedy-Clown, jetzt ganz ernst

Während Klaas eher mit verrückten Aktionen bekannt wurde wie „Klaas, der Fleischanzug und hungrige Piranhas“, soll es jetzt ein bisschen seriöser werden. Mit einer Late Night Show traut sich Klaas an die Königsdisziplin der TV-Sendungen. ProSieben-Chef Daniel Rosemann begründete seine Personalwahl für die neue Show mit folgenden Worten: „Dazu braucht man einen Moderator mit Persönlichkeit, Erfahrung, Witz, Mut, vielen Ideen und einer besonderen Mission. All das vereint Klaas Heufer-Umlauf auf sich.“

Um Publicity für die Sendung zu bekommen, schnappte sich Klaas sogar ganz dreist die gemeinsame Instagram-Seite von Circus HalliGalli und benannte sie in Late Night Berlin um. Diese Aktion fanden die Fans gar nicht lustig, obwohl sie gebeten wurden, diese Änderung „angstfrei und lässig zur Kenntnis zu nehmen“. In Zukunft sollen wohl alle Joko und Klaas-Shows unter dem Account @jokoundklaas stattfinden – dieser hat allerdings erst einen Eintrag. Wie Joko das Ganze wohl findet? Aber gut, der hat ja selbst 600.000 Instagram-Fans und damit 200.000 mehr als die gemeinsame Joko und Klaas-Seite…


Late Night Berlin – ab 12. März 2018, immer montags, um 23:00 Uhr, auf ProSieben, zu sehen hier.

Studio Babelsberg AG, Reinhardtstr. 47, 10117 Berlin

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