Kleiderspende

Mich wärmt, was du nicht brauchst

Mich wärmt, was du nicht brauchst
Hier geht es zum guten Zweck: Die Klingel der Kinderkleiderkammer der Caritas in der Pfalzburger Straße 18. Zur Foto-Galerie
City West - Wer seinen Kleiderschrank von Sommer- auf Wintermodus umrüstet, dem fallen oft Dinge in die Hände, die eigentlich nicht mehr gebraucht werden. Shirts und Hosen, die man schon im dritten Jahr von links nach rechts schiebt und dicke Pullover, die eigentlich nur Platz wegnehmen. Wir wissen, wo ungebrauchte Klamotten besser aufgehoben sind als im Schrank oder im Müll, was dort mit ihnen passiert und was noch gebraucht wird: Ein Bericht über unsere Besuche bei der Bahnhofsmission am Zoo und bei einer Kleiderkammer der Caritas.

Heute sitzt Frau Hoffmann am Tresen der Kinderkleiderkammer in Wilmersdorf. Seit über drei Jahren ist sie am Dienstag und Donnerstag ehrenamtlich hier. Ihre Kollegin kommt extra aus Potsdam zum Helfen. Sie und die anderen Ehrenamtlichen wachen über einen großen Fundus von Pullovern, Jacken, Schuhen, Spielen und Büchern. Sie sind es auch, die vorbeigebrachte Sachen prüfen und nach Größen geordnet in die Regale einsortieren. Leider landet der Großteil der vorbeigebrachten Sachen nicht dort, weil sie durch lange Lagerung im Keller von Motten zerfressen und mit muffigen Gerüchen vollgesogen sind, weil sie sehr schmutzig oder kaputt sind. Frau Hoffmann betont darum, man sollte nur Sachen bringen, die man auch den eigenen Kindern noch anziehen würde.

Trotzdem, die Regale sind voll und auch im Lager stapelt es sich. Sogar in einem Beratungsraum steht ein Kinderwagen, weil sonst nirgendwo Platz ist. „In diesem Jahr haben wir ein irre hohes Spendenaufkommen“, erzählt Frau Koch von der Sozialen Beratung. Und natürlich kommt vor Weihnachten immer besonders viel an, nicht zuletzt, weil in den Kinderzimmern Platz für Neues geschaffen wird. Vieles würde extra für Flüchtlinge abgegben. Ob ein bestimmter Pullover aber am Ende bei Flüchtlingen oder anderen bedürftigen Kindern ankomme, das könne man nicht kontrollieren.

Sachen für Familien und Flüchtlinge

Wer sich hier Kleidungsstücke aussuchen möchte, der muss vorher einen Termin vereinbaren und mit einer Bescheinigung seine Bedürftigkeit nachweisen. Aber natürlich werden auch Hilfsorganisationen schnell mit Spenden versorgt, wenn sie zum Beispiel dringend warme Sachen für gerade angekommene Flüchtlinge brauchen. Auch Flüchtlinge, die zur sozialen Beratung kommen und noch keine warme Kleidung haben, können sich sofort in der Kleiderkammer etwas aussuchen.

Stiefel und Schuhe, nach Größen sortiert.
Was nicht mehr ins Lager der Kinderkleiderkammer passt, oder Sachen für Erwachsene, schicken die Mitarbeiterinnen aus Wilmersdorf in andere Filialen. Zum Beispiel in den CARIsatt Laden, in denen nur einkaufen darf, wer mit unter 400 Euro im Monat auskommen muss. Die Preise haben dort einen eher symbolischen Charakter. Sachen für Erwachsene gehen in die Kleiderkammer im Wedding. Und dann sortieren Frau Koch, Frau Hoffmann und ihre Kollegen jetzt auch Männersachen aus, die sie in die Ambulanz für Wohnungslose am Bahnhof Zoo schicken. So haben immer öfter auch Wohnungslose etwas von den Spenden in den Kleiderkammern.

 

Die Bahnhofsmission am Zoo

Wer seine Spenden gezielt obdachlosen Menschen zukommen möchte, der kann sich an die Bahnhofsmission in der Jebensstraße wenden. Allerdings kommt auch hier die Hilfe nicht ausschließlich Wohnungslosen zugute, sondern prinzipiell jedem, der Hilfe braucht.

Die Bahnhofsmission am Zoo ist jeden Tag rund um die Uhr geöffnet, für Spender und Hilfebedürftige. Hier können Menschen unterkommen, die über Nacht eine Bleibe brauchen – solche, die am Bahnhof gestrandet sind und nicht weiterkommen, weil sie ihren Zug verpasst haben, ihnen die Brieftasche gestohlen wurde oder andere Probleme auftauchen. Täglich zwischen 14 und 18 Uhr wird außerdem Essen ausgegeben. Hier muss niemand seine Bedürftigkeit nachweisen. In der Regel kommt auch niemand, bei dem das notwendig wäre. Stattdessen sind Wohnungslose oder Familien zu Gast, denen das Geld zum Überleben nicht reicht. Zu den Zeiten der Essensausgabe werden außerdem die gebrauchten Kleider ausgegeben, Decken, Schlafsäcke, Hygieneartikel, Taschen oder Schuhe – eben all das, was gebraucht und gespendet wird.

Spender und Unterstützer – die „Freunde“ der Mission

Joyce schmiert Stullen für die Ausgabe.
Insgesamt helfen über 80 ehrenamtliche Helfer dabei, die täglich bis zu 600 Gäste zu versorgen. Heute nimmt Anne die Sachen der Spender an. Sie kennt sich gut aus, zeigt uns die Lagerräume und die Übernachtungsmöglichkeiten der Mission. Am Tresen steht Joyce und bereitet schon seit 9 Uhr am Morgen die Essensausgabe vor. Sie wollte sich die Mission ansehen, auch um eigene Vorurteile gegenüber Obdachlosen und anderen Hilfebedürftigen aus dem Weg zu räumen. Heute ist ihr erster Tag, aber sie ist begeistert davon, wie nett alle sind und möchte bleiben. Neben ihrem Studium hat sie vor, drei Mal in der Woche hier zu helfen – auch nach Weihnachten, wenn die große Hilfewelle wieder abflaut.

Nicht nur die Ehrenamtlichen wie Joyce, auch Spender und Helfer bezeichnet Dieter Puhl als „Freunde“ der Mission. „Freunde ticken anders“, sagt der Leiter der Bahnhofsmission, und sein freundliches Gesicht offenbart ein seliges Lächeln. Freundschaftliche Hilfe gibt es von der Deutschen Bahn und der Ostdeutschen Eisenbahn. Sie haben zum Beispiel die unhygienische Toilette der Mission behindertengerecht ausgebaut – ohne, dass jemand danach gefragt hätte. Die Kleiderspenden sind an diesem Morgen schon um 11 Uhr beträchtlich, bis zum Abend ist manchmal der kleine Vorraum der Mission voll. Wenn es am Zoo zu viel des Guten ist, kommen die Sachen in die Stadtmission am Hauptbahnhof, in „Komm und Sieh“-Ausgaben für Bedürftige und zum Teil auch in Boutiquen der Stadtmission. Doch wer ein schlechtes Gefühl dabei hat, dass seine gespendeten Sachen am Ende vielleicht verkauft werden, sei beruhigt: Auch der Erlös aus den Boutiquen fließt am Ende wieder zurück in die Obdachlosenhilfe.

 

Am nächsten Tag erwarten Puhl und die Kollegen die Mitarbeiter einer Glaserei, die jedes Jahr Christstollen vorbeibringen. Und dann gibt es auch Kinder wie die Stella, die fünf Euro von ihrem Taschengeld abgeben wollen und gar nicht glauben, dass man damit zusätzliche Lebensmittel für 90 Gäste der Mission besorgen kann. Für 10 Euro kann Puhl einen Schlafsack und eine Isomatte für einen der etwa 3500 Wohnungslosen kaufen, die die Nächte auf der Straße verbringen.

Besondere Spenden  zu Weihnachten

Am Weihnachtsabend finden in der Bahnhofsmission drei Weihnachtsfeiern statt, vor der Tür werden außerdem mehr als 1000 Bedürftige versorgt. Damit an diesem Abend genug für alle da ist, bittet Herr Puhl die Berliner um Grillgut – zum Beispiel Bratwürste und an die 500 Nackensteaks, außerdem um Kuchen. Zusätzlich sollen alle Wohnungslosen an diesem Tag eine Geschenktüte bekommen, die darum ab jetzt gesammelt werden. Kleine Weihnachtstüten kann man selbstständig packen und jederzeit vorbeibringen, am Ende sollte nur draufstehen, ob das Paket am besten für einen Mann, eine Frau oder ein Kind geeignet ist.

Freude: Ein Pullover zu Weihnachten.
An diesem 5. Dezember sitzt ein bunter Haufen drei- bis fünfjähriger Kinder aus dem Tom-Sawyer-Kindergarten in Zehlendorf in der Bahnhofsmission. Ein ungewohnter Anblick auch für Dieter Puhl, der zwar die etwas 150 Besuchergruppen im Jahr gewohnt ist, Kinder sind aber nur ganz selten darunter. Die Kinder essen gemeinsam mit drei Wohnungslosen, mit denen sie um einen großen Tisch herum sitzen. Vor dem Essen haben die Gäste der Mission schon vorzeitig ihre Geschenktüten bekommen. In einem hatten die Kinder zum Beispiel einen Pullover, eine Tasche und einen Einkaufgutschein verpackt – die Freude war natürlich riesig.

So kann also jeder seine gut erhaltenen Mützen oder Handschuhe hübsch verpackt weitergeben, falls ihm die schlichte Abgabe in einer der vielen Kleiderkammern in Berlin zu langweilig ist.

Die Stadtmission hat hier eine Liste mit Stellen zusammengestellt, die Kleiderspenden entgegennehmen. Außerdem gibt es eine ausführliche Liste der BSR, in der steht, wo man Gebrauchtes aller Art spenden kann, statt es wegzuwerfen.

Foto Galerie

Bahnhofsmission Zoologischer Garten, Jebensstraße 5, 10623 Berlin
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