Pankow soll grün bleiben

Kleingärtner kämpfen ums Überleben

Die bedrohten Kleingärten kämpfen um ihren Erhalt.
Die bedrohten Kleingärten kämpfen um ihren Erhalt. Zur Foto-Galerie
Die zunehmende Bebauung der Stadt nimmt immer mehr Kleingärten den Lebensraum – auch der Anlage Famos in der Pankower Brehmestraße. Doch das wollen sowohl der Bezirksverband der Gartenfreunde Pankow als auch die Garten-Eigentümer nicht so einfach hinnehmen.

In der Stadt wird an allen Ecken und Enden gebaut. Für die einen bedeutet das neuer, moderner Wohnraum – bevorzugt in zentraler Lage, schön hell und geräumig. Für die anderen zieht die Bebauung jeder freien Lücke den Verlust von Grünflächen, die starke Veränderung gewohnter Umgebung und oft auch den Verzicht auf kulturelle Einrichtungen nach sich. Der gehobene Mittelstand kommt, der vielfältige Mix aus Anwohnern aller Schichten geht.

Seit einiger Zeit ist nach Mitte und Prenzlauer Berg auch Pankow in das Visier der Investoren gerückt. Der Bezirk liegt schließlich verkehrsgünstig, etwas abseits vom Trubel im Zentrum und ist bekannt für seine zahlreichen Grünflächen.

Mindestens zehn Kleingartenanlagen in Pankow sind gefährdet

Die Kleingartenanlage Famos ist nur wenige Schritte entfernt vom Mauerweg im Bezirk Pankow in der Brehmestraße. 1921 gegründet, befinden sich nun seit 90 Jahren 72 Parzellen auf dem Grundstück. Eigentümer ist die Deutsche Bahn, deren Immobilienservice Anfang letzten Jahres besagtes Stück Land an die Planungsgemeinschaft Himmel & Erde GbR verkaufte. Den aktuellen Pächtern, dem Bezirksverband der Gartenfreunde Pankow e.V., wurde gekündigt.

Wolfgang Wölfer ist seit 2006 ehrenamtlich Vorsitzender des Verbandes und Kleingärtner aus Tradition und Leidenschaft. Seine eigene Parzelle ist schon 99 Jahre in Familienbesitz. „Nächstes Jahr werden wir Hundert!“, sagt er stolz über sein Grundstück. Schrebergärten sind für ihn kleine Paradiese in einer sonst zubetonierten Stadt. Ein wertvolles Gut, dass es zu bewahren gilt. Sorgenvoll nimmt Wölfer die schwindenden Parzellen in Pankow und Umgebung zur Kenntnis. „Pankow ist aktuell die Nummer Eins wenn es um lückenlose Bebauungen geht. Mindestens zehn Kleingartenanlagen mit 700 Unterpächtern gelten als Bauerwartungsland und sind nicht gesichert. Diese Anlagen sind zwischen 75 und 100 Jahre al!“, erklärt Wölfer.

Das Grün nicht freiwillig aufgeben

„Famos ist die grüne Oase der Stadt“, beschreibt der Vorsitzende das betroffene Grundstück. 18 von 72 Parzellen sollen nun verschwinden, damit an der Stelle ein Wohnhaus mit 75 teuren Wohnungen und Pool auf dem Dach gebaut werden kann. Die Bewohner der betroffenen Gärten setzen sich seit einem Jahr gegen das geplante Projekt zur Wehr. Politiker wurden aktiviert und 18.000 Unterschriften gesammelt. Mittlerweile wird der Fall vor dem Berliner Landesgericht verhandelt. „Wir können das Grün nicht freiwillig aufgeben. Als Bezirksverband haben wir ein hohes Eigeninteresse daran, dass die Kleingärtnerei erhalten bleibt. Wir werden es darauf ankommen lassen, dass ein Gericht entscheidet“, meint Wölfer. Würde der Bezirksverband der Gartenfreunde Pankow einlenken und die Anlage ohne Widerstand aufgeben, könnte das dazu führen, dass andere bedrohte Areale schnell zum Freiwild für Investoren werden.

Den Vorschlag, die betroffenen Pächter einfach umzusiedeln, findet Wölfer undenkbar. „Es fällt mir schon schwer, eine Tulpe zu verpflanzen. Wie soll ich da Menschen verpflanzen? Auch wenn man uns das zum Vorwurf macht: Wir können es nicht freiwillig zulassen. Es geht nicht nur um Natur. Sondern um Generationen.“ Kleingärten verbessern schließlich die Lebensqualität in der Stadt durch Staubbindung, Durchgrünung und Lebensraumvernetzung. Vor allem Stadt-Kinder haben durch derartige Anlagen die Möglichkeit, einen respektvollen Umgang mit ihrer Umwelt zu erlernen und Natur aus nächster Nähe zu erleben. Wölfers Ziel ist es daher, dass es die Anlage Famos in ihrer jetzigen Form so auch noch in fünf Jahren gibt – und zwar ohne auch nur eine Parzelle weniger.

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Quelle: Betreut.de

Kleingartenanlage Famos e.V., Brehmestraße 28, 13187 Berlin

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