Kleingartenkolonie Oeynhausen

Kampf ums eigene Stück Grün

Neue Wohnungen statt Natur: Die Kolonie Oeynhausen, eine der ältesten in Berlin und die größte in Wilmersdorf, muss möglicherweise bald verschwinden.

Dietmar Thurisch fürchtet um seinen Laubengarten in der Kolonie Oeynhausen in Schmargendorf, wo 313 Parzellen wegen einer geplanten Wohnbebauung weichen müssen. Früher besaß der 66-Jährige eine Laube in der Kolonie Württemberg am Olivaer Platz. Vor drei Jahren wurde diese für das Luxus-Wohnungsbauprojekt Rosengärten platt gemacht. Dass er nun schon wieder Investoren im Weg steht, ist für Thurisch eine böse Überraschung. Der dortige Kleingärtnerverein und der Bezirksverband der Wilmersdorfer Kleingärtner hätten ihm ursprünglich zu verstehen gegeben, dass „hier Dauergrün ist“, meint Thurisch. Doch das ist baurechtlich umstritten, wie die Betroffenen mittlerweile wissen.

Kleingartenfläche oder Bauland

Angefangen hatten die Probleme vor vier Jahren, als der US-Investor Lone Star über eine Luxemburger Tochterfirma den Nordteil der Laubensiedlung von der Deutschen Post kaufte. 92.000 Quadratmeter Fläche nahe der Forckenbeckstraße wechselten den Besitzer. Nicht betroffen ist der landeseigene südliche Teil der Kolonie an der Friedrichshaller Straße, dort gelten 122 Parzellen als gesichert.

Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Vize-Bürgermeister und damalige Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) hatte den Bezirksverband der Kleingärtner, Hauptpächter der Anlage, vorab über die Verkaufsabsichten der Post in Kenntnis gesetzt. Das nördliche Gelände sei „den Kleingärtnern angeboten worden“, erklärt der jetzige Baustadtrat Marc Schulte (SPD). Doch der Verband soll damals wenige Möglichkeiten gesehen haben, ausreichend Geld bei den Parzellennutzern zusammenzubekommen. Die Kleingärtner seien also nicht ganz unbeteiligt an der jetzigen Lage, sagt Schulte. Er macht auf Laubenbesitzer am Spandauer Damm in Charlottenburg-Nord aufmerksam, die ihre Kolonien per Eigenerwerb gerettet hätten.

Berlins Flächennutzungsplan (FNP) weist das Areal als Kleingartenfläche aus, der Baunutzungsplan aus den 50er Jahren dagegen als Bauland. Die Lone-Star-Tochterfirma hat einen Bauvorbescheid für Wohnhäuser gestellt und vor dem Verwaltungsgericht eine „Untätigkeitsklage“ gegen den Bezirk erhoben. Aus Sicht der Finanzverwaltung „sollte der Ausgang dieses Verfahrens abgewartet werden“. Man sei „gerne bereit, mit dem Bezirk andere Möglichkeiten zu erörtern, wie die Kleingartenkolonie gesichert werden könnte“, sagt Sprecherin Kathrin Bierwirth.

Auch Kolonie Durlach ist bedroht

Die Schmargendorfer Kolonie ist nicht die einzige bedrohte in der City West. So könnte die Kolonie Durlach am Volkspark Wilmersdorf bald vom Liegenschaftsfonds ausgeschrieben werden. Das Gelände „in begehrter Wohnlage“ werde „für eine Vergabe an Baugemeinschaften, zum Beispiel mit der Zielrichtung generationenübergreifendes Wohnen, empfohlen“, kündigte die Stadtentwicklungsverwaltung bereits 2009 an.

100 Bewerben stehen noch immer auf einer Warteliste für ein Fleckchen Grün in der Kolonie. Der Bezirksverband bevorzugt in den von ihm verwalteten Kolonien Interessenten, die woanders ihre Parzelle verloren haben. So haben sich neben Dietmar Thurisch vier weitere Umzügler aus der Kolonie Württemberg angesiedelt. Deren Bebauung mit 214 Eigentums- und Mietwohnungen in 13 Häusern soll im Frühjahr vollendet sein. An die alten Gärten wird in den Rosengärten nichts mehr erinnern.

Kleingartenkolonie Oeynhausen, Friedrichshaller Straße 3-5, 14199 Berlin, http://www.kleingaertnerverein-oeynhausen.de

 

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Quelle: Der Tagesspiegel

Kleingartenkolonie Oeynhausen, Friedrichshaller Straße 3, 14199 Berlin

Platz für Kleinkram findet sich in der größten Wilmersdorfer Kleingartenkolonie auch.

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