• Montag, 07. Mai 2012
  • von halittiryaki

Wasserstadt Spindlersfeld

Berlins größtes Wohndenkmal nimmt Gestalt an

  • Wasserstadt Spindlersfeld
    Wohnen am Wasser und das ohne Fluglärm - die Wasserstadt Spindlerfeld kann 2015 bezogen werden. Foto: externe Quelle - ©Metropole Marketing GmbH

Wohnen am Wasser ist der Traum vieler Menschen. Wirklichkeit kann er in Spindlersfeld werden. Dort sind über 800 Wohnungen an der Spree in Planung. Am Wochenende wurde Richtfest gefeiert.

Die Nachfrage nach Wohnungen in Berlin ist riesig und nimmt unaufhörlich zu. Damit steigen auch die Erfolgsaussichten für Projekte, deren Realisierung noch vor wenigen Jahren als geradezu riskant empfunden worden wäre. Eines der spektakulärsten Beispiele ist die Wasserstadt Spindlersfeld: Insgesamt 850 Wohnungen will die Kanton Grundstücksentwicklungsgesellschaft auf einer Industriebrache an der Spree im Bezirk Treptow-Köpenick entstehen lassen.

Der Standort an der Ernst-Grube-Straße dürfte Ost-Berlinern noch als Rewatex-Gelände bekannt sein - hier war einst der VEB Rewatex mit seiner Wäscherei ansässig. Bebaubar gemacht wurde das Gebiet aber bereits im 19. Jahrhundert: 1871 nahm der Unternehmer Wilhelm Spindler seine "Anstalt zur chemischen Reinigung, Wäscherei und Färberei" in Betrieb, anschließend bekam das Areal den Namen Spindlersfeld.

"Es war eine Industriestadt, die in bevorzugter Lage gebaut wurde", so Klaus Theo Brenner, der den Masterplan für die Wasserstadt Spindlersfeld erarbeitet hat. "Das Schöne ist, dass ein wirklich städtisches Wohngebiet entsteht", betont der Architekt, der bereits den Masterplan für die Rummelsburger Bucht entwarf sowie für die Planung etlicher erstklassiger städtischer Wohnhäuser verantwortlich ist.

Wohnen im Denkmal

Auf dem zehn Hektar großen Gelände der Wasserstadt Spindlersfeld sieht Brenners Masterplan den Bau von 350 Wohnungen in Denkmalen und von 500 Wohnungen in Neubauten - als Townhouses oder als Mehrfamilienhäuser - vor. Dabei soll die denkmalgeschützte Bausubstanz durch die Neubauten ergänzt werden. So entstünden mehrere Straßen, die direkt zur Spree führen.

Am 6. Mai wurde im "Casa Medici" Richtfest gefeiert. Erste Sanierungsarbeiten an den denkmalgeschützten Gebäuden haben bereits begonnen; 2015 soll alles fertig sein. In neuem Glanz erstrahlt bereits das ehemalige Kutscherhaus an der Ernst-Grube-Straße. Darin sind 17 Wohnungen entstanden, von denen laut Manfred Hartwig von der für die Vermarktung zuständigen Metropole Marketing GmbH vier an Eigennutzer und 13 an Kapitalanleger verkauft wurden.

Angesichts dieses Vermarktungserfolgs hat Hartwig keine Bedenken, ob sich denn an diesem nicht gerade zentralen Standort tatsächlich 850 Wohnungen verkaufen lassen. "Es ist der Traum vieler Menschen, am Wasser zu leben", macht er deutlich. Außerdem seien von der Wasserstadt Spindlersfeld aus die Altstadt von Köpenick zu Fuß in zwölf Minuten und der S-Bahnhof Spindlersfeld sogar in nur fünf Minuten zu erreichen. Mit der Straßenbahn komme man auch schnell an den Wissenschaftsstandort Adlershof. Vor allem aber setzt Hartwig auf die Sogwirkung des neuen Airports in Schönefeld: "Die Eröffnung des Flughafens", sagt er, "ist das Beste, was uns passieren kann" - zumal in der Wasserstadt kein Fluglärm zu befürchten sei.

Außer den Einheiten im Kutscherhaus haben auch schon alle 14 Wohnungen in der ehemaligen Poliklinik einen Käufer gefunden. Größtes Bestandsgebäude ist jedoch der imposante Ringbau, der im Widerspruch zu seinem Namen keineswegs rund, sondern annähernd quadratisch ist und einen riesigen Innenhof umgibt. Allein in diesem Ringbau sollen etwa 300 Wohnungen Platz finden. "Damit ist es das größte Wohndenkmal in Berlin", sagt Hartwig.

Gepfefferte Quadratmeter-Preise

Die Preise für die bisher angebotenen Denkmal-Wohnungen betragen zwischen 2990 und 3500 Euro pro Quadratmeter. Das ist rund doppelt so viel wie die 1700 Euro, die der Maklerverband IVD in seinem jüngsten Immobilienpreisspiegel als Schwerpunktpreis in Vorzugswohnlagen von Treptow-Köpenick identifiziert hat. Sogar bis zu 4190 Euro pro Quadratmeter kosten die Wohnungen in den sogenannten Spindler Towers, sechsgeschossigen Neubauten, die nur durch einen öffentlichen Uferweg von der Spree getrennt sind.

Insgesamt will die Kanton Grundstücksentwicklungsgesellschaft durch den Wohnungsverkauf 350 Millionen Euro erwirtschaften. Die eigens für das Projekt in Spindlersfeld gegründete Gesellschaft gehört zur Unternehmensgruppe Eisen. Diese ist zwar wenig bekannt, verfügt nach Angaben von Architekt Brenner aber über umfangreiche Sanierungserfahrung. Kanton-Geschäftsführer Sören Schwaar zufolge erwarb sie das Areal 2005 für zehn Millionen Euro von der Kölner Imhoff-Gruppe, welche die Larosé-Wäschereien unterhält.

Wenn das Projekt in drei Jahren abgeschlossen ist, soll es auch wieder eine Kindertagesstätte in der Wasserstadt Spindlersfeld geben – womit an die Geschichte des Standorts angeknüpft wird: Denn auch der sozial engagierte Unternehmer Spindler richtete einst einen Kindergarten ein.

Adresse

Ernst-Grube-Straße
12555 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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