• Donnerstag, 30. Juli 2015
  • von Julia Wernicke

Boote selber bauen

Häuptling Do-It-Yourself

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  • UrbanIndian Köpenick (c)Wernicke
    Elisabeth Schuster und Nikola Raspopovic machen in Oberschöneweide Großstädter zu Stadtindianern: Mit ihren Workshops für den Bau eigener Kanus und Kajaks. Foto: QIEZ
  • UrbanIndian im KAOS Berlin
    Viele Künstler und Handwerker haben eine alte Industriehalle in Oberschöneweide zum Kreativkollektiv KAOS gemacht. Auch die UrbanIndians haben dort ein Büro. Vor der Tür: ein bespannter und ein unbespannter Bootsrahmen. Foto: QIEZ - ©Wernicke
  • UrbanIndian im KAOS Berlin
    Die findet man in den Hallen überall. Auf dem Boden, an der Wand oder, wie hier, an der Decke. Foto: QIEZ - ©Wernicke

Oberschöneweide - Direkt an der Spree baut Nikola Raspopovic Kanus und Kajaks. Jeder kann von ihm lernen, wie man aus wenigen ökologischen Materialien funktionstüchtige Boote macht. Und so selbst zum Stadtindianer werden.

Eigentlich ist Nikola Raspopovis Maler und Bildhauer. Um seine Kunst zu finanzieren, teilt er eine andere Leidenschaft: sein Wissen übers Bootebauen. Bei einem längeren Zwischenstop in Portugal hat er mit Freunden aus möglichst preiswerten und natürlichen Materialien schwimmende Gefährte für gemeinsame Reisen gebaut. Auch wenn das für Nikola immer eher Hobby als Profession war, ist er durchs viele Probieren und Optimieren zum Experten geworden. Nun könnte er einfach Boote verkaufen. Aber weil Selbermachen mehr Spaß bringt, lehrt er in mehrtägigen Workshops die Kunst des Kanu- und Kajakbaus.

Mit Öko-Unikaten in S(pr)ee stechen

Für jeden Workshopteilnehmer entwickelt Nikola eine eigene Bauskizze. Sie orientieret sich an acht Grundmodellen. Das sind im Prinzip Kanus, Kajaks, Kanadier und Canooyaks. Letzteres hat Nikola selbst erfunden - ein Kanu, das man mit einem Doppel- statt Stechpaddel antreibt. Und auch sonst sind Induvidualisierungen kein Problem für den Bootsliebhaber. Segel, Sonnendecks oder Motoren ans Boot zu montieren gehört ebenso dazu, wie die Modelle auf die Persönlichkeit, Erfahrung und Körpermaße der Baulaien abzustimmen.

Fertige Boote auf der Terrasse des KAOS Fertige Boote auf der Terrasse des KAOS

Stimmt der Bauplan, wird aus Holz ein Rahmen gebaut, mit Baumwollstoff umspannt und schließlich mit umweltfreundlicher Farbe gestrichen. Mehr braucht es nicht, um mit dem eigenen Kahn in S(pr)ee zu stechen. Die liegt praktischer Weise genau vor Nikolas Werkstatttür. Nach Stationen in den Ufa-Hallen oder dem Funkhaus Nalepastraße hat der gebürtige Serbe sein kreatives Paradies nämlich beim Künstlerkollektiv KAOS gefunden.

Aber: Boote bauen geht überall! Darum verbindet der "urbane Indianer" seine Kurse jetzt mit Natururlauben an der Peene, am Plauer See, am Liepnitzsee und an der Müritz. "Das wird die gemütliche Version der Workshops", sagt der Künstler und meint damit, dass es weniger ums Arbeiten am Boot, als vielmehr um eine Woche voll Naturerfahrungen geht, an deren Ende jeder auf eigene Faust in die Welt hinaus paddelt.

Es geht um Abenteuerlust

Denn eines haben alle Workshop-Teilnehmer gemeinsam: Ob Vater und Sohn, jugendliches Pärchen aus Berlin oder Rentner aus Köln. Sie sind abendteuerlustig und möchten etwas selbermachen. "Klar könnte man auch einen Sessel bauen, aber der fährt nirgends hin. Und in einem Modellflugzeug kann man nicht sitzen", scherzt Nikola. "Die Boote zu nutzen ist in Berlin besonders einfach", weiß er und erzählt von seinem Paddelurlaub entlang der Dahme nach Königs Wusterhausen bis in den Spreewald und zurück.

Aber auch kleinere Touren sind für ihn und seine Mitarbeiterin Elisabeth Schuster noch immer eine besondere Erfahrung. "Wenn man auf dem Wasser ist, sieht man die Welt anders. Auch in ein paar Stunden kann man seine Probleme vergessen und Leute kennenlernen, die man sonst nie trifft. Das ist jedes Mal wie ein neuer Anfang", schwärmt Nikola. Elisabeth ergänzt: "Die Welt ist so schnell, da ist das Wasser eine regelrechte Verlangsamung. Das Bootfahren relativiert den Großstädter."

Klar, das gilt für jedes Boot. Aber Nikolas umweltfreundliche Kanus sind leichter, schneller und preiswerter als ihre chemisch hergestellten Plastikpendants. Und der schönste Unterschied zum Kunststoffboot: die persönliche Note, also die perfekte Symbiose aus Modellform und den eigenen Bedürfnissen. Und in einem eigenen Boot steckt nicht nur sehr viel Liebe, es lässt sich auch mit wenigen Handgriffen und einfachen Werkzeugen reparieren. Indianerehrenwort.

Mehr Infos über UrbanIndian gibt es auf der Seite zu den Workshops. Die etwa einwöchigen Kurse in der Natur starten vom 2. bis zum 8. August an der Peene, weiter geht es am 11. August am Plauer See. Alle weiteren Termine stehen hier.

"Bei unserem gemütlichen Interview am Wasser habe ich auch sofort Lust bekommen, ein eigenes Boot zu bauen! Nur wo soll ich Stadtkind damit hin? Es ist nicht zu viel verraten, wenn ich sage: Nikola arbeitet an dem Problem."Julia Wernicke

UrbanIndian

Wilhelminenhofstraße 92
12459 Berlin

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Quelle: QIEZ
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